Studieren in Norwegen Nach der Vorlesung zum Schwertkampf
200 Studentenvereinigungen gibt es allein an der Uni Oslo, und sie sind nichts für Langweiler. Zu Besuch bei Hobbyrömern, Roboterbauern und Aquarianern.
© Gina Apitz

Zwei Mitglieder der Gruppe "Legio XV Apollinaris" beim Schwertkampf
"Sei gegrüßt, Imperium" ruft Jens Omland in den Raum hinein. Der richtige Gruß ist wichtig, wenn man zwei Mal in der Woche nicht Norweger, sondern Römer ist. Im schäbigen Keller eines Osloer Studentenwohnheims treffen sich die Mitglieder von "Legio XV Apollinaris", wie sich die Studentengruppe scherzhaft nach der 15. Legion der römischen Armee nennt. Zwischen Schwertern, Helmen und Schilden sitzen die 15 Hobbyrömer auf abgeranzten Sofas, trinken Bier und basteln an neuen Rüstungen. Auf ihre originalgetreuen Ledersandalen sind alle besonders stolz. Sie wurden mit echten Nägeln fixiert und zeigen noch die Grasflecken vom letzten Kampf.
Doch wie kommen norwegische Studenten auf die Idee, die Zeit der Römer nachzuspielen? "Ich mag es einfach, mit einem Schwert in der Hand herumzurennen", sagt Omland, der seit drei Jahren Mitglied der Truppe ist. Der 30-Jährige hat sich schon als Kind gerne verkleidet. Er wurde erwachsen, aber die Leidenschaft blieb. Sein Freund Nils Holta findet: "Die Römer sind cooler als die Wikinger." Immerhin hätte ihre Armee ganze Kontinente erobert, außerdem lebten sie schon damals in Wohnungen mit fließendem Wasser.
Monatelang basteln die Studenten an Schwertern und Rüstungen. Holta kann stundenlang über die Beschaffenheit der Waffen sprechen und darüber, wie man eine acht Kilo schwere Rüstung trägt, ohne schlapp zu machen. Doch noch führt er es vor: In nur zehn Minuten wird aus dem 22-jährigen Geschichtsstudenten ein römischer Legionär – mit rotem Wollkleid, Rüstung, Helm und Schild.
Fürs Kämpfen gibt es indes klare Regeln – nicht auf die Hände und nicht ins Gesicht schlagen. Verletzungen tragen die Soldaten bei Schaukämpfen aber dennoch davon. "Ein paar Platzwunden sind normal", meint Omland. Und dann schnappt er sich sein Schwert und drischt damit auf seinen Freund ein. Der kontert. Das Metall klirrt.
Ihrer Leidenschaft frönen die Studenten aber nicht nur im Keller, wo sie niemand dabei sieht: Zwei Mal im Jahr kämpfen die Römer bei historischen Spielen vor Publikum. Da stürzen sich dann Römer auf Wikinger. Und die sind in Norwegen meistens in der Überzahl.
Roboter bauen statt nur Theorie pauken
Weniger gefährlich geht es bei "Robotica Osloensis" zu. Informatikstudenten der Osloer Universität haben die Gruppe vor vier Jahren gegründet – sie bauen Roboter. 30 aktive Mitglieder hat die Gruppe inzwischen, und mindestens genauso viele Roboter. Wer einen Blick in das Labor der Bastler wirft, sieht neben leeren Colaflaschen vor allem flimmernde Bildschirme und jede Menge Kabelwürste.
Akbar F. Moghaddam fummelt an einem der unzähligen Kabel. "Hat wieder jemand was abmontiert", murmelt er entnervt. Akbar stammt aus Iran und leitet die Gruppe. Der Laserstrahlenraum ist jetzt stillgelegt bis wieder jemand weiterbastelt. Ums Basteln und Experimentieren geht es bei Robotica, sagt der 28-Jährige: "Im Studium haben wir zu viel Theorie." Hier im Labor können die Studenten an eigenen Projekten werkeln, so lange sie wollen. Moghaddam sagt, er sei früher ein Computer-Nerd gewesen. Irgendwann wurde ihm das zu langweilig. "Wenn du einen Roboter baust, siehst du hinterher, was du vollbracht hast." An seinem Liebling, dem Super Crawler, hat er einen ganzen Sommer lang gearbeitet. Das Modell besteht aus einem ferngesteuerten Auto, Kabeln und Pappe. Es ging leider bald zu Bruch. Gerade arbeitet Moghaddam daran, das Testmodell in eine stabilere Variante umzubauen.
- Datum 23.02.2012 - 14:11 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich vermisse in diesem Text ein wenig die Relevanz. Insbesondere, da Norweger für ihren Vereinfimmel bekannt sind. An deutschen Unis gibt es auch viele Gruppen, die sich regelmäßig treffen. Nur nennen sich Chöre und Stammtische nicht gleich "sangforening" und "studentforening".
Insofern: Was soll uns dieser Artikel sagen?
meiner Fakultät eine Aquarianergruppe aufzubauen
scheiterte mangels Interesse. Die Meisten hatten nur Snowboarden und Fussball im Kopf. Als Schablone für einen
Nerd kam ich mir eher deplaziert vor.
Haha, also ich werde mein Erasmus-Semester nun definitiv doch in Oslo verbringen. Die Aussage des Artikels ist doch eindeutig: Die norwegischen Studenten sind den deutschen in Sachen Kreativität um einiges voraus!
... sagt der 28 (!) jährige Student.
Klar, dass so ein Statement in Deutschland wieder hochgespielt wird. Von den Leuten in den Medien, denen der ... sagen wir mal: Zugang zu den MINT-Fächern fehlte, den man für ein erfolgreiches Studium braucht.
Und wenn mal wieder jemand ein Zitat liefert, mit dem man über "zu viel Theorie" maulen kann, dann nimmt man das hierzulande dankbar an.
Möglicherweise kann man im Bereich der Medien und der Presse ohne "Theorie" seinen Beruf ausüben -- das kann ich nicht beurteilen. Ein angehender Ingenieur oder NAturwissenschaftler, der über "zu viel Theorie" klagt, ist in seinem Berufsfeld jedenfalls fehl am Platz.
Robotertechnik ist spannend, aber ohne ein sehr umfassendes, _sehr_ mathematisches Fundament ist auf diesem Gebiet absolut _nichts_ zu reissen. Hochhäuser, Computer-Tomographen und Verkehrsflugzeuge werden auch nicht ohne "Theorie" gebaut.
Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass Kinder und Jugendliche mit Robotern basteln. Dass erwachsene Menschen über dieses Stadium noch nicht herausgekommen sind, und nicht verstanden haben, dass ihr Studienfach nur mit eben dieser "Theorie" sinnvoll und erfolgreich betrieben werden kann, ist hingegen bedenklich.
Wenn ein 28 (!)-jähriger Student Roboter mit möglichst wenig Theorie und möglichst viel Basteln bauen möchte, dann ist er auf diesem Sektor fehl am Platz. Sollte es sich doch um einen Doktoranden, nicht um einen Studenten handeln: dann erst recht.
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