Studienfinanzierung : Zwei Studentinnen streiten mit den Eltern ums Geld

Die eine verklagt ihre Eltern auf mehr Unterstützung, die andere verheimlicht ihr reiches Elternhaus vor den Kommilitonen. Zwei Gespräche über Freiheit und Abhängigkeit

Judith Sager*, 24, bekam von ihrem Vater weniger Geld, als ihr zusteht. Jetzt zwingt sie ihn zu zahlen.

ZEIT CAMPUS: Den eigenen Vater verklagen – wie haben Sie das fertiggebracht? 

Judith Sager: Anfangs ist es mir schwergefallen. Man kann sich nie ganz sicher sein, ob wirklich schon alle anderen Möglichkeiten ausgereizt sind. Irgendwann waren meine Versuche gescheitert, auf Augenhöhe mit meinem Vater zu sprechen. Ich hätte auch nie Geld von ihm gefordert, wenn er es nicht hätte zahlen können. Die Klage war das letzte Mittel, aber irgendwann hatte ich keinen Zweifel mehr, dass ich das einfach machen musste.

ZEIT CAMPUS: Ist Ihr Vater wohlhabend?

Sager: Er bekommt ein sehr gutes Gehalt. Ich bin die jüngste von fünf Töchtern, wir haben alle studiert, und mein Vater zahlte zunächst allen das Gleiche: Kindergeld plus den Freibetrag, den er als Beamter pro Kind bekommt, und noch ein bisschen was dazu – insgesamt waren das gerade mal 358 Euro im Monat. Er gibt viel für Luxusreisen nach Jamaika aus, aber nicht für meine Schwestern und mich. Dabei ist er gesetzlich verpflichtet, mich zu unterstützen, solange ich unter 25 bin.

ZEIT CAMPUS: Wie viel müsste er Ihnen denn zahlen?

Sager: Als ich Bafög beantragt habe, wurde mir vorgerechnet, dass mein Vater mir 260 Euro mehr hätte zahlen müssen. Das hat er nie getan, sondern das Geld sogar noch gekürzt, als ich gerade im ersten Semester war.

ZEIT CAMPUS: Wie hat er das begründet?

Sager: Meine Eltern haben sich getrennt, als ich noch in der Schule war, später wurde mein Vater krank, er hatte Krebs. Wenn meine Schwestern oder ich uns wegen Geld beschwerten, warf er uns mangelnde Loyalität vor. Geld war sein Machtmittel. Er wollte, dass wir zu ihm halten und nicht zu unserer Mutter. Wenn ich nett zu ihm war, bezahlte er mir Reisen oder neue Möbel. Dabei hätte ich gern einfach regelmäßig genug gehabt, um mir Essen zu kaufen. 

ZEIT CAMPUS: Und deshalb haben Sie beschlossen, ihn zu verklagen?

Sager: Beim Studentenwerk wurde mir Paragraf 37 des Bafög erklärt, der »gesetzlich übergegangene Unterhaltsanspruch«: Was mein Vater nicht zahlt, übernimmt auf meinen Antrag hin das Land und stellt es ihm in Rechnung. Wenn er sich dann weiterhin weigert, seine Schuld zu begleichen, muss nicht ich klagen, sondern das Land. Vor Gericht werde ich meinem Vater wohl nie begegnen.

ZEIT CAMPUS: Ist durch diesen Schritt zwischen Ihnen etwas kaputtgegangen?

Sager: Nein. Es hat sich nur manifestiert, was schon kaputt war. Ich habe Respekt vor ihm verloren – und vor mir selbst gewonnen. Durch den klaren Schnitt bin ich auch emotional unabhängiger geworden. Heute herrscht Funkstille, aber ich habe das Richtige getan.

ZEIT CAMPUS: Was sagen Ihre Kommilitonen dazu?

Sager: Ich habe Freundinnen, die sich das nie getraut hätten. Eine bekommt nicht mal das Kindergeld von ihren Eltern. Man überschreitet eine Schwelle, wenn man jemanden verklagt, gerade in der Familie. »Das tut man nicht«, heißt es. Aber im Ernst, scheiß drauf! Wenn man krank ist, geht man zum Arzt, wenn das Auto kaputt ist, zum Mechaniker, und wenn das Geld nicht fließt, holt man sich eben Hilfe von Menschen, die sich damit auskennen. Die Beziehung zu Eltern, die einen nicht unterstützen, ist ohnehin kaputt.

ZEIT CAMPUS: Das klingt abgeklärt. 

Sager: Ich bin meinem Vater nichts schuldig. Ich habe ihn schließlich nicht darum gebeten, auf die Welt zu kommen. Er hat vernachlässigt, für mich zu sorgen, dazu ist er gesetzlich und moralisch verpflichtet. Dass es für solche Fälle rechtliche Unterstützung gibt, ist eine super Sache. Diese Hilfe anzunehmen, ist absolut angebracht.

ZEIT CAMPUS: Werden Sie sich mit Ihrem Vater jemals versöhnen können?

Sager: Das sehe ich nicht. Eigentlich ist es furchtbar, dass ich über meinen eigenen Vater so spreche, aber ich weiß nicht, was wir uns noch zu sagen haben. Außer, er entschuldigt sich bei mir: »Judith, ich hab’s verbockt, ich hab alles versaut.« Das müsste zuerst kommen.

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Kommentare

246 Kommentare Seite 1 von 22 Kommentieren

Ansprüche!

Sie bemerken es richtig: Die erste Studentin hat einen Anspruch gegen ihren Vater. Das ist kein Luxus, was sie verlangt und den sie "herunterschrauben" müsste, sondern der Anspruch ist, was ihr gesetzlich zusteht. Und das ist nicht viel, die Höchstgrenze liegt bei ca. 600€.
Es stellt auch keine übertriebene Anspruchshaltung da, das einzufordern, immerhin sagt die Frau selbst, sie wollte sich nur einmal genug zu essen kaufen. Zudem hat ihr Vater sie in Abhängigkeit gehalten - dieser Zustand der Unsicherheit ist furchtbar und belastend.
Es handelt sich um ein gesetzliches Minimum, was ihr zusteht - für darüberhinausgehende finanzielle Wünsche ist sie natürlich gehalten, selbst mit Nebenjobs zu erfüllen. Aber hier schon Abstriche zu fordern ist schlicht daneben und unpassend, hier Gier vorzuwerfen. Unser Gesellschaftsmodell ist so aufgebaut und gesetzlich verfestigt, dass zunächst Eltern für ihre Kinder sorgen. Im Alter kann sich das ganze umdrehen: Elternunterhalt, durch die Kinder zu zahlen.

Im Gegenzug sage ich daher: es ist eine Frechheit, wenn gerade Väter für ihre Kinder in dieser wichtigen Zeit des Studiums und der Berufsausbuldung nicht mehr sorgen und den - wichtigen - Finanzhahn zudrehen; in einer Phase, in der ihre Kinder das erste Mal versuchen können, auf eigenen Beinen zu stehen und auch ihre Finanzen relativ unabhängig regeln lernen können.
Dann im Zweifel auch zu klagen ist mutig und lobenswert! Gut gemacht!

Sie haben ja so recht....

...es ist wirklich eine Frechheit des Vaters sich bloß wegen einem Kinkerlitzchen wie einer Krebserkrankung in der wichtigen Zeit des Studiums nicht ordentlich um sein Kind zu kümmern.

Ich finde die junge Dame extrem selbstgerecht. Konsequent wäre es gewesen, mit ihrem Vater zu brechen und dann aber auch kein Geld mehr von ihm zu verlangen.

Jemanden zu verachten, der einem den Lebensunterhalt bezahlt, ist ganz schön scheinheilig.

Vielleicht hat Mademoiselle ja selbst irgendwann mal Kinder, die sie mit Forderungen überschütten. Möglicherweise in einer Lebenssituation, in der sie eigentlich grade alle Kraft für sich selbst bräuchte.

Stereotypen

Na einfach mal wieder den Stereotyp "fauler Student" auspacken ist immer einfach. Aber mal darüber nachdenken, dass es schon ein mutiger und großer Schritt den diese junge Dame wagt, darauf kommt man nicht. Es ist einfach kaum möglich seinen Lebensunterhalt allein zu bestreiten, wenn man keine Unterstützung bekommt. Das ist einfach so.(Punkt) Da kann jetzt auch jeder behaupten er hätte es auch geschafft und Studium, Nebenjob, Familie, Vorsitz im Pingpongverein, Kassenwart bei der Johanniterortsgruppe und etliche andere tolle Sachen unter einen Hut zu bringen als er studiert hat. Ganz großes Tennis!!

Aber diese ständige Rumgezicke von wegen fauler Student, soll sich Arbeit suchen, haben andere auch schon so geschafft blablablabla nervt und hat mit der Realität wenig zu tun.

Ja, es ist eine Frechheit des Vaters...

In Deutschland gibt es die Freiheit der Berufswahl, dass impliziert für jeden die Freiheit ein Studium aufzunehmen.

Während man studiert, muss man seinen Lebensunterhalt bestreiten können, dafür gibt es gesetzliche Regelungen. Zunächst sind die Eltern (Vater und Mutter) jeweils nach ihren finanziellen Leistungsvermögen verpflichtet, ihre Kinder zu untersützen. Wenn Eltern das nicht können, springt der Staat mit Bafög ein.

Der Vater muss nur deshalb Unterhalt zahlen, weil er das Geld dafür hat. Der Vater ist gesetzlich verpflichtet diesen Unterhalt zu leisten. Selbst wenn Judith mit dem Vater bricht, sie wird kein Bafög bekommen. Die Tochter muss hier also ihr Recht einklagen.

Seltsam, dass sie jemanden scheinheilig nennen, der sich an die Gesetze hält, und jemanden unterstützen, der die Gesetze bricht.

das verstehe ich nicht

Sie verlangt das Kindergeld und eine winzige Bezuschussung! Entschuldigen Sie, aber was ist daran selbstgerecht und vor allem: was hat das mit der Krebserkrankung zu tun?
Wenn der Vater meint, er bräuchte das Geld für andere Dinge, die ihm momentan guttun, ist es nichtsdestoweniger noch immer *ihr* Geld und es ist das mindeste, wenn er sich dahingehend mit ihr bespricht und eine gemeinsame Lösung mit ihr sucht, und sie auf Augenhöhe mitentscheiden lässt. Immerhin geht es um ihre Zukunft.
Und selbstverständlich darf sie frei entscheiden, ohne dass jemand hernach das Recht hat sie derart emotional zu diffamieren. Mithin würde sie ohne die Klage von keinem Amt finanzielle Unterstützung bekommen; vollkommen unabhängig davon ob sie mit ihrem Vater bricht oder mit ihm tanzen geht. Diese Vorgänge sind rechtlich unmittelbar aneinander gekoppelt. Dann ist sie vielleicht eine brave Tochter, hat sich aber für ihr Recht nicht eingesetzt. Und um es noch einmal festzuhalten: Sie verlangt keine Unsummen. Kinder kosten nunmal. Ihnen das in für sie entscheidenden Momenten vorzurechnen und vorzuhalten, spricht nicht für den Vater.

Rechtlich gesehen

handelt Judith korrekt.

Über die moralische Einordnung einer Aussage wie:

"Ich bin meinem Vater nichts schuldig. Ich habe ihn schließlich nicht darum gebeten, auf die Welt zu kommen. Er hat vernachlässigt, für mich zu sorgen, dazu ist er gesetzlich und moralisch verpflichtet."

möge jeder selbst entscheiden...

---

By the Way - Miss Judith sollte zusehen, daß sie das Geld des Vaters verprasst, und nicht etwa gewinnbringend anlegt.

Sonnst könnte es passieren, daß ihr krebskranker Vater sie eines Tages per Gerichtsurteil verpflichtet, für seine Pflegekosten aufzukommen wenn sein eigenes Vermögen aufgebraucht ist!

Andere Situation (@1)

Ich bitte Sie zu bedenken, daß die Studiensituation komplett anders gewesen sein mag.
So nehme ich an, daß Sie vor Einführung des Bachelor/Master-Systems studiert haben, oder aber ein Fach mit weniger Lernaufwand studiert haben (?).

Es ist heutzutage in vielen Bereichen schlicht nicht möglich, zu studieren und parallel zu arbeiten. Im Bachelor werden schon mal lockere 45 Stunden je Woche Lernaufwand veranschlagt (variiert leicht, ne nach Fachbereich).

Ferner sind 345€ plus Nebenjob in vielen Städten kaum ausreichend, um über die Runden zu kommen, geschweige denn um ordentlich zu studieren. In Berlin mag das gerade so reichen, in München genügt es nicht mal für die Miete einer winzigen Wohnung.

Moralische Fragen

Bei der Frage, ob mir die Moral abhanden gekommen ist, vergreifen Sie sich im Ton. Das kommentiere ich nicht.

Sie sagen, Judith jammert auf hohem Niveau. Das können Sie natürlich so sehen. Ich hätte als Student nicht von weniger als 358€ leben können. Judith fordert den ihr gesetzlich zustehenden Unterhalt. Wenn Sie finden, diese Grenze ist zu hoch, müssen Sie eine Änderung der aktuellen Gesetze fordern.

Mit Augenzwinkern: Judith lernt auch so etwas für ihr späters (Berufs-)Leben: Recht haben und Recht bekommen, sind zwei verschiedene Dinge.

Gierig

Sie haben Stipendiengelder in Anspruch genommen und sind nicht arbeiten gegangen? Wie gierig!

Was daran gierig sein soll, dass die Studentin das in Anspruch nimmt, was ihr gesetzlich zusteht, könnten Sie netterweise noch erklären? Dabei könnten Sie netterweise fallen lassen, welche Form von Gier Sie meinen.

Die BeGierde als Antrieb, einen Mangelzustand auszugleichen? Damit könnten Sie sogar glatt Recht haben. Nur ist es wohl einer Studentin kaum vorzuwerfen, wenn sie den Mangel an Nahrung ausgleichen möchte.

Oder meinen Sie doch die Habgier? Das wäre der Trieb nach materiellem Besitz. Nur kann das nicht zutreffen, wenn es nicht um irgendwelche Luxusgüter geht, sondern um das (gesetzlich zustehende) Existenzminimum.

Oder meinten Sie gar die Avaritia, Hagier, Habsucht, Geiz, also den Unwillen, seine Güter zu teilen. Dann wäre es allerdings der Vater, den Sie in die Verdammnis stürzen müssten.

Den kann man schon alleine aus dem Grund dort hinbugsieren, weil es höchst verwerflich ist, wenn jemand derart seine Machtspielchen treibt und nur darauf spekuliert, dass sich die Kinder nicht trauen, Grenzen zu ziehen und sich zu wehren.

gehts noch?

"By the Way - Miss Judith sollte zusehen, daß sie das Geld des Vaters verprasst, und nicht etwa gewinnbringend anlegt."

wovon reden sie?

glauben Sie allen Ernstes, man könnte die läppischen 400 euro, die judiths vater ihr zahlen muss,"verprassen" (!!) bzw. "gewinnbringend anlegen", während man von den restlichen 200 euro bafög lebt? mit miete, essen, krankenversicherung, studiengebühren ect???

die mindestsumme, die studenten zusteht , und zwar bafög PLUS elternunterhalt, ist zusammengerechnet weniger als hartz4.!!!

Familie und Gesetze

Nun, wir kennen eigentlich nur die Aussage der Tochter. Und wir kennen nicht die Möglichkeiten der Mutter.
Könnte es also sein, dass die Tochter ferngesteuert ist? Könnte es sein, dass hier der Vater abgezockt werden soll?

Die Tochter tut mir sehr leid. Sie hat wohl einen erheblichen Nachholbedarf an sozialer Kompetenz. Sie erzählt von der Krebserkrankung ihres Vaters wie von einer völligen Nebensächlichkeit. Da muss in der Erziehung ziemlich viel daneben gegangen sein. Natürlich können es auch die falschen Vorbilder in der Familie gewesen sein.

Überschrift

Doch ,wir kennen die Möglichkeiten der Mutter.

Halten sie die Bafög-Berechnungen für so willkürlich?
Mir scheint, hier kommentieren viele Menschen Sachverhalte, von denen sie nun mal keine Ahnung haben.
Für die Bafög-Berechnung werden die Einkommensverhältnisse BEIDER eltern seeeeeehr genau durchleuchtet. Das scheint wohl nur jemand zu begreifen, der selbst schon mal einen Bafög-Antrag gestellt hat.

Wenn die Mutter so viele (finanzielle) "Möglichkeiten" hätte, also sprich ein Einkommen, ca. über 1000 euro netto, müsste sie NATÜRLICH einen Teil des Unterhalts zahlen, den jetzt Judiths Vater allein tragen muss.
Und den muss er nicht allein stemmen, weil
1. die Welt so gemein ist u seine Kinder Aasgeier
2. er ein Mann ist
3. Judith gierig

sondern einzig u allein, weil er ein sehr hohes Einkommen hat-
Und Kinder in die Welt gesetzt hat.

Dass er Krebs hat u das Verhältnis zu seinen Kindern kaputt/gestört ist, hat damit rein gar-nichts zu tun. Garnichts.

Übrigens: Was meinen sie eigentlich mit ferngesteuert? Kann eine 24jährige Frau, die studiert, nicht selbstständig denken?

Gelten innerhalb der Familie keine Gesetze?

Sie haben völlig Recht, dass im Artikel nichts zu den finanziellen Möglichkeiten der Mutter steht. Das ist aber auch irrelevant für den Unterhalt des Vaters, denn:

Beide Eltern sind unterhaltspflichtig, jeder nach seinen Möglichkeiten. Bei diesen Pflichten werden der Eigenbedarf und Unterhaltspflichten gegenüber anderen berücksichtigt. Im Klartext: Vom Geld, dass der Vater zur Verfügung hat, hat er zuerst sich selbst zu versorgen, danach alle minderjährigen oder sich noch in der ersten Ausbildung befindlichen Kinder, danach die (aktuelle) Ehefrau, danach die Exehefrau. Wenn das Geld nicht für alle reicht, erhalten diejenigen, die keinen Anteil mehr abbekommen, staatliche Unterstützung.

Im Artikel steht klar, dass der Vater 260€ des Unterhalts, den er seiner Tochter schuldet, nicht zahlt. Damit verstößt er gegen das Gesetz. Das ist völlig unabhängig vom Unterhalt, der der Tochter von der Mutter zusteht oder der Krebserkrankung des Vaters. Noch einmal: Der Vater ist gesetzlich verpflichtet Unterhalt zu zahlen, weil er es kann.

Wieso ist die Tochter sozial inkompetent, wenn sie das ihr gesetzlich zustehende Existentminimum einfordert?

Wieso gerade Väter?

Bezüglich ihrer Auffassung von Bürgerrechten (erste Ausbildung muss durch Eltern mitgetragen und gewährleistet werden), teile ich ganz.

Wieso Sie aber sagen, dass ein Verweigern dieses Rechtsanspruches besonders seitens Väter schlimm sei, erschließt sich mir nicht. Dieses Verhalten ist seitens Eltern generell kurz gesagt asozial, deren Geschlecht ist dabei doch völlig wurscht! Ob eine Mutter oder ein Vater zum eigenen Kind asozial ist, wieso soll das einen Unterschied machen für das asozial behandelte Kind?

Zu den "Ich habe auch viel gearbeitet in meinem Studium"-Menschen: wenn Sie das aus einer Zeit erzählen, die sagen wir mal, 10-15 Jahre zurückliegt, dann haben Sie damals wahrscheinlich auch mehr verdient. Studentenjobs sind meistens kaum mehr als 7-10€/h, manchmal auch nur 6€. Dafür muss man schon ein wenig klotzen, wenn man auf 800€ kommen will.
Und wenn man Bafög erhält, kann man legal überhaupt nicht auf mehr als 1264€ im Monat kommen (580€ Bafög, 184€ Kindergeld, ca. 400€ Job). Dabei muss man mitbedenken, dass man in den meisten 400€Jobs nur selten auch auf 400€ kommt. Der Mittelwert liegt bei 250-300€. Anders gesagt: Studenten, die Unterstützung brauchen und trotzdem arbeiten gehen, leben an der Grenze, ab der nicht mehr gepfändet werden darf. Das ist nicht unbedingt eine angenehme Existenz. Waschmaschine und Kühlschrank funktionieren nicht mehr, neuer Staubsauger, Hose kaputt? ohoh...und dann noch was für die Übergangszeit nach dem Studium zurücklegen? Ohohoh...

Bafög-Berechnung ist vielleicht nicht willkürlich,

aber ungerecht. Ich habe damals kein Bafög bekommen, würde aber behaupten, dass meine Eltern nicht viel verdient haben. Mein Vater, Arbeiter, und meine Mutter, Hilfsarbeiterin, haben beide jeweils eine Vollzeitstelle und einen Nebenjob (Nachts putzen gegangen) gehabt. Da auch noch mein Bruder, Hilfsarbeiter, zuhause gewohnt hatte, bedeutete das für mich - kein Bafög. Von meinen Eltern wurde ich nicht finanziell unterstützt. Und irgendwie konnte ich es auch verstehen, dass sie keine Lust hatten die Nächte durchzuarbeiten, damit der Sohnemann gemütlich studieren kann. Habe sie also nicht verklagt. Trotz 0,- Euro von den Eltern und 0,- Euro vom Staat habe ich das Studium hinbekommen. Eine Kommilitonin von mir, deren Vater Unternehmer war (so mit Luxusauto in der Garage und mehreren Ferienwohnungen), hat übrigens volles Bafög bekommen. Ob das wohl gerecht ist?

Ich bin daher für ein elternunabhängiges Bafög. (oder keines)

stimmt schon

Ok- da muss ich ihnen zustimmen.
In manchen Fällen (wie ihrem) sieht man ganz deutlich, dass elternunabhängiges Bafög für sehr viele Studenten von Vorteil wäre.

Und auch so ein Fall wie der von Judith wäre damit passè: Sie würde einfach volles Bafög kriegen wie jeder andere auch, u müsste ihren Vater nciht verklagen.

Mir hätte das übrigens (elternunabh. Bafög) auch sehr geholfen damals, denn ich war zwar nicht in ihrer Situation, sondern in der von Judith: Ich habe weniger Bafög bekommen, weil meine Mutter einen gewissen teil an Unterhalt hätte beisteuern müssen u das nicht getan hat.
Ich habe sie damals nicht verklagt, ich dachte, na- das macht man doch nicht, ich will unser schwieriges Verhältnis nicht noch mehr belasten.
Heute bereue ich das sehr.
Jahre später haben meine Eltern meine kranken Großeltern sehr hängen lassen, das habe ich ihnen nicht verzeihen können u später mit ihnen gebrochen.
Ich denke, Verantwortungslosigkeit ist eine Charaktereigenschaft, die in solchen Momenten (wie Ausb. der eigenen Kinder ect.) erst offensichtlich wird. Das viele Menschen hier im Forum für so ein Verhalten (wie das von Judiths Vater) noch Verständnis haben, kannte ich zwar schon, lässt mich aber immer wieder perplex zurück.

Andere Situation

ich habe 2 technische Studien parallel studiert. Ich würde gegen meine Eltern keine Ansprüche geltend machen, selbst wenn sie aus rechtlicher Sicht in Ordnung wären, unabhängig davon, ob ich mich mit meinen Eltern verstehe. Aus Sicht eines H4 Empfängers habe ich natürlich ein armseliges Leben geführt (Studentenzimmer (Substandard), Wohnung mit 27m2 für 2 Personen, etc.).

Gesetze

Wir kennen nicht nur die Aussage der Tochter, sondern wir kennen die Gesetze. Zumindest ich kenne sie - Sie scheinen die Gesetze nicht zu kennen.

"Abzocke" ist nach dem BaföG gar nicht möglich! Den Studenten steht 670 Euro im Monat zur Verfügung, da ist Krankenversicherung und Miete mit drin. Also nix Abzocke, nix Gier. Mit 670 Euro kann man auskommen als Student, große Sprünge machen kann man nicht! (Und ein Auto, wie so viele hier meinen, ist davon auch nicht drin!)

Wenn der Vater laut Bafög bei fünf Kindern 385 Euro zzgl der 260 Euro zahlen müsste, dann muss er richtig dick Kohle verdienen! (s.u.)

Außerdem hat er das Geld ja übrig. Er ist ja offenbar bereit, es auch auszugeben für seine Tochter. Aber nach Gutsherrenart für Dinge, die sie nicht benötigt - und das, was sie benötigt, bekommt sie nicht. Hier geht es, so die Darstellung der Tochter stimmt, in keiner Weise um nicht Können des Vaters, darum, dass er durch Unterhalt zum armen Schlucker wird, sondern darum dass er seinen Pflichten nicht nach kommt und Machtspiele probt.

Hier mal eine Überschlagsrechnung:

Freibetrag Geschwister: 1960 Euro p.Monat
Freibetrag Einkommen + Zuschläge, 1070 Euro + etwa 2000 Euro, gerechnet vom Nettoeinkommen. Darauf kommen dann die 645 Euro für die Studentin.

Der Vater verdient also rund 6000 Euro NETTO pro Monat! Davon zahlt er real 174 Euro an die Tochter.

Ihm alleine (nach Abzug dessen, was für die Kinder gilt) verbleiben 4000 Euro netto! Der Tochter 356 Euro!

Die gesetzlichen Grundlagen

So mögen recht haben - genau wie Judith. Man muß sich aber auch darüber im klaren sein, daß Rechtsnormen notwendigerweise generalisierend verfasst werden und nicht immer dazu taugen, eine gewisse Einzelfallgerechtigkeit herzustellen. Worauf ich hinaus will: Das Bafög-Amt errechnet einen Betrag, den die Eltern - theoretisch - ihren Kindern zahlen müssen. Für den Rest springt der Staat ein. So weit, so gut. Aber nicht immer können die Eltern sich diesen Betrag auch wirklich leisten. Das fängt schon damit an, daß für die Berechnung der Steuerbescheid vom vorletzten Jahr ab dem Zeitpunkt der Beantragung maßgeblich ist. Natürlich ist wieder Antrag auf Aktualisierung möglich, aber dennoch erscheint das auf den ersten Blick doch ziemlich sinnwidrig. Dann gibt es eine Menge Ausgaben, die die Eltern bestreiten müssen, die für die Berechnung einfach nicht maßgeblich sind. Meine Eltern haben mich ebenfalls während der Ausbildung und des Studiums unterstützt und ich schulde ihnen wortwörtlich mein Leben. Leider habe ich diese Unterstützung viel zu lange als selbstverständlich voraus gesetzt und schäme mich mittlerweile zutiefst dafür. Ich hoffe, daß Judith diese Erfahrung nicht machen muß.

Mal sehen ...

...was sich die "liebende" Tochter alles einfallen lässt, nicht zu löhnen, wenn sie eine Familie hat und ihr Vater ein Pflegefall wird. Will sagen, diese Art von Verpflichtung ist eine Tür, die in beide Richtung schwingt.
Meine Mutter hat auch keine Möglichkeit gehabt mich zun unterstützen, aber auf die Idee sie zu verklagen, wäre ich nie gekommen, selbst wenn sie das Geld gehabt hätte !

[...] Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. Die Redaktion/kvk

Da haben Sie wohl...

ein entspannteres Studium erwischt? Klausuren und unbezahlte Praktika in der "vorlesungsfreien Zeit" gab es selbst in den alten Diplomstudiengängen. An der TU München z.B. wurden die entsprechenden Vordiplomsprüfungen Physik/Mathe netterweise meist 1-2 Wochen vor dem neuen Semester angesetzt, "Ferien" waren rar. Und hier an der LMU stellen wir die Klausuren momentan auch in der Zeit, so etwas wie Semester"ferien" gibt es zum Glück ja offiziell eh nicht ;)

Schwingende Türen

Sehr richtig, diese Tür schwingt in beide Richtungen. Nur dass der Vater sich ja nicht an seine Verpflichtung hält, sondern nur einen Bruchteil dessen zahlt, was er müsste.

Wobei er genau genommen 0 Euro zahlt!

Der Betrag von 358 Euro entspricht dem, was er an staatlichen Zuschüssen (Kindergeld + Beamtenzulage) für seine Tochter bekommt. Würde er noch weniger an seine Tochter weiterreichen, käme das einer Veruntreuung gleich, weil er Geld für sich behalten würde, das eigentlich nicht für ihn gedacht ist.

Wenn Ihre Mutter keine Möglichkeiten gehabt hat, Unterhalt zu zahlen, wäre alles andere als nicht zu klagen auch eine Schweinerei gewesen. Dieser Vater hier HAT aber die Möglichkeit zu zahlen, locker. Mit geschätzten 4000 Euro netto, die er nur für sich zur Verfügung hat (also NACH Abzug dessen, was für seine 5 Kinder anzurechnen ist).

Von 4000 Euro sollte er doch mal in der Lage sein, für seine eigene Pflegebedürftigkeit vorzusorgen, hat ja lang genug Zeit, und nicht sein Geld nur mit Reisen nach Jamaika u.ä. zu verprassen und dabei spekulieren, dass seine Tochter ihn von einem möglicherweise gut bezahlten Job finanziell unterstützt, dessen zwingende Voraussetzung ein Studium ist, für das er seine - gesetzlich vorgeschriebene - Unterstützung verweigert hat.

Wie war das mit den in beide Richtung schwingende Türen?

Scheint....

wenn man Ihren Kommentar liest könnte man meinen, dass sie keine Ahnung haben wovon sie reden. Klausuren und Hausarbeiten in den Semesterferien? Völlig normal. Daher heißen die ja mittlerweile auch nicht mehr Ferien sondern "vorlesungsfreie Zeit" von Zeit zum arbeiten oder leben ist da keine Rede. Praktikum als obligatorischen Teil des Studiums? Auch völlig normal. Kein Geld fürs Praktikum bekommen? Leider auch völlig normal.

Genau dafür gibt's Unterhaltsvorschuss

"Worauf ich hinaus will: Das Bafög-Amt errechnet einen Betrag, den die Eltern - theoretisch - ihren Kindern zahlen müssen. Für den Rest springt der Staat ein. So weit, so gut. Aber nicht immer können die Eltern sich diesen Betrag auch wirklich leisten."

Da mögen Sie Recht haben. Die Frage ist bloß wieder, wer es ausbaden soll. Eine Vorleistung vom Amt ist in diesem Fall doch genau das Richtige: Die Studentin kann ihre Ausbildung fortsetzen, der Vater bezahlt erstmal auch nichts und das zuständige Gericht kann in Ruhe klären, ob der Vater sich den in Frage stehenden Betrag ggf. doch leisten kann. Jedenfalls sehe ich weit und breit keinen besseren Vorschlag.

Da haben Sie wohl...

ein entspannteres Studium erwischt !

Absolut ! Kann man alles organisieren ! Eine Frage : Welcher Studiengang erwartet von seinen Studenten, dass man durchgängig Praktika ableistet und Klausuren schreibt ?
Bei all meinen studierten Freunden und Bekannten (ich nehme mich davon nicht aus), beginnt eine Erzählung aus der Studentenzeit, mit einem behaglichen Seufzen! Jetzt wollt ihr mir erzählen, ihr seit nur am Racken und am Lernen ?
Da haben sie wohl das falsche Studium erwischt !!

Maschinenbau, alles was mit technik zu tun hat schonmal

Und die anderen Bachelor sind auch nicht so einfach.

Ja, Ihre BEKANNTEN UND FREUNDE die vor zich Jahren mal studiert haben. Im Semester mach ich ein Laborschein, ein Programmierpraktikum, bereite mich auf 6 Klausuren von Anfang bis mitte Ende August vor und 12 Wochen Fachpraktikum muss ich auch noch ableisten. Wenn Sie keine Ahnung vom Studieren haben, unterlassen Sie es sich anzumaßen über Studenten zu urteilen !!

Wo haben Sie studiert?

Also ich kann mich meinen Vorrednern anschließen. Selbst in einem nicht-MINT-Fach sind heutzutage Klausuren in den Semesterferien gang und gäbe. Sicher hier und da zwei bis drei Hausarbeiten pro Semester. Das mit dem "in den Semesterfereien arbeiten" bedeutet Studium verlängern weil man zu diversen Prüfungen, die in dem Semester anfallen entweder nicht vorbereitet genug ist (sie nicht besteht) oder gar gar nicht antreten kann aus oben genannten Grund. Mein Schwager hat seinerseits auch einen Diplomstudiengang in Hamburg Harburg studiert, kann mich gut daran erinnern, dass er wenn andere Kumpels von den anderen Unis in Hamburg in den Urlaub gefahren sind, erst einmal selbst zusammen mit Kommilitonen für diverse Prüfungen, ja die selbstverständlich in den Semesterferien verstreut verteilt lagen, gelernt hat. Dann als alles durch war hat er noch zwei Wochen wenn es hoch kommt intensiver in seiner Selbstständigkeit (anders ging das gar nicht) arbeiten können und danach ging das Semester wieder los. Ein Praktikum hat ihm übrigens ein Semester längeres Studium eingebracht und er war fix unterwegs.

Auch früher gab es zuweilen schon die "heutigen" Verhältnisse

Best E.

Schön dann studiert man eben länger

und wer bezahlt das alles? Das Bafög-Amt macht übermässig langes Studieren nicht so einfach mit. Eigene Wohnung in München! Dass ich nicht lache!!! Geht überhaupt nicht. Selbst Leute die mit festen Beinen im Beruf stehen und nach München ziehen müssen zuweilen in WGs unterkommen, da der Lohn nicht für eine eigene Wohnung reicht!

Ja, ich persönlich studiere länger, muss das aber dann auch einer netten Bank namens k*w zurückzahlen. Die das nicht wollen und sich volle Kanne ins Studium reinhängen möchten kann ich aber sehr gut verstehen. Letztendlich spart dieses Modell (auch wenn anfangs mehr Money gefordert wird) Geld. Denn während ich, länger studierend noch immer keinen Verdienst vorweisen kann, kann der in der Regelstudienzeit sein Studium bestritten hat das dann schon früher. Ergo er verdient und zahlt auch Steuern. Auch denke ich sollte jeder die Freiheit haben sich sein Modell in gewisser Weise auszusuchen. Ob es die brachiale Lösung wie bei Fall 1 sein muss, überhaupt nicht mein Ding, dazu verstehe ich mich mit meinen Eltern zu gut. Ausserdem ist meine Ausgangslage eine ganz andere Best E.

Leistung des Vaters

Ja, es stimmt schon, dass 5 Kinder durch das Studium zu bringen eine Leistung ist, aber auch ins besondere von den Kindern. Ausserdem wird sehr gut beschrieben, dass der Vater nur das Geld vom Staat weitergibt(, welches er nur wegen der Kinder bekommt).
Apropos Nebenjob, damit kann man es nicht immer so einfach machen.
Als dualer Student bleibt mir am Ende des Monats nicht viel übrig, weil ich nicht nur 2 Wohnungen zu unterhalten habe, sondern auch seit dem 01.01.2012 sozialversicherungspflichtig bin, somit fallen 25% meines Gehaltes weg.

Es ist nicht so leicht mit einem Nebenjob zu studieren

Ob ein Nebenjob neben dem Studium drin ist, kann man gar nicht beurteilen, wenn man nicht weiß wo, was und nach welchem Modell diejenige studiert. Ich habe Rechtswissenschaft studiert. Da ist zwar evtl. ein Nebenjob drin. Aber keiner der einem den Lebensunterhalt ernsthaft mitfinanziert. Fakt ist auch, die Zeit, die man arbeitet, kann man nicht lernen. Wer also wirklich gut sein will, und darauf hat jeder ein Recht, ist ohne Job besser dran. Man überlege sich dazu auch mal, was Mietkosten in München und die stetige Anforderungen von Bachelorstudiengängen (Übungsserien etc.) für diese Situation bedeuten. Meine Eltern haben mehr für mich gezahlt, als sie mussten und ich bin dankbar dafür.
Im Übrigen ist es keine Leistung 5 Kinder durchs Studium zu bringen, durch die Schule vielleicht, da man da die Kinder als Eltern hintreibt, aber für das Studium ist das Kind selbst verantwortlich, nicht die Eltern. Die einzige Unterstützung waren hier 385€, das ist mit nem Dauerüberweisungsauftrag erledigt. Einem für das gesammte Studium. Solange der Vater keine Schulden oder ähnliches hat, ist kein Grund erkennbar, warum er sein Kind nicht so unterstützt, wie es das Gesetz verlangt.

Das Bedauerliche bei Frau "Voigt" ist, dass sie anscheinend das Klischee einer Studentin spielt, um sich normal zu fühlen. Es gibt kein typisches Studentenleben - das ist Fiktion. Allerdings habe ich Verständnis für ihre Situation. Man wird durch sowas immer in Rollen gepresst. Aber 800€ sind auch nicht so wenig