ErnährungAuf den Spuren des Mensa-Essens
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"Heute werden noch 20 Puten geschlachtet"

Vor drei Jahren startete das Studentenwerk die "Back-to-the-roots-Tour" mit dem Ziel, Transparenz zu schaffen und den Studierenden ein Gefühl für Qualität zu vermitteln. Und das, sagt Andreas Wagner, funktioniere nun mal nur durch den persönlichen Kontakt. Seine Kunden, wie der Geschäftsführer die Mensagänger nennt, legten Wert darauf, involviert zu werden: "Wir bekommen oft E-Mails mit Nachfragen, Verbesserungsvorschlägen, aber auch häufig mit Lob."

Pünktlich um neun Uhr erreicht die Truppe das Hofgut Serrig. Kawai Chung freut sich schon: "Schweinchen gucken!", ruft sie und auch die anderen sehen beim Anblick der kleinen Schweine sehr glücklich aus. Dann geht es weiter zu Fuß über das große Gelände. Alles sehr idyllisch, sehr malerisch. Hier verbringen die Schweine- und Rinderherden das ganze Jahr an der frischen Luft und kommen durch die natürliche Abhärtung ohne Medikamente oder synthetische Zusätze im Futter aus. Doch dann: "Heute werden noch 20 Puten geschlachtet", sagt unser Guide ohne mit der Wimper zu zucken. Erkenntnis des Tages: Das Putenschnitzel des Stammessens kommt eben nicht aus der Tiefkühltruhe des Supermarkts.

Bei der Wurstverkostung haben dann alle schon wieder Hunger, nur Umwelt- und Geowissenschaftsstudent David Ullrich schaut skeptisch. Der 23-jährige Vertreter des Asta-Ökoreferats ist Vegetarier und kann die Lust am Fleisch dementsprechend nicht so richtig nachvollziehen.

"Die Kunden wollen das"

Bei der nächsten Station kann er dann doch wieder die Begeisterung der anderen teilen: Der Bus steuert ein Erdbeerfeld an. Dass es weiterhin in Strömen regnet, lässt niemanden zurückschrecken, schließlich darf bei diesem Stopp selbst geerntet und auf der Stelle gegessen werden.

Noch schnell ein kleines Erdbeer-Körbchen für unterwegs gefüllt – man weiß ja nie, wann es das nächste Mal etwas zu essen gibt – und weiter geht es zum nächsten Bauernhof, von dem das Studentenwerk seinen Salat bekommt. Auch exotische Dinge, wie lila Paprika wachsen in den 38 Grad warmen Gewächshäusern des Bauern: "Die Kunden wollen das", erklärt er und ist nach Bäcker Bollig schon der zweite an diesem Tag, der sich ein wenig über die Wünsche der Konsumenten wundert.

Pünktlich zur Kaffeezeit um 15.30 Uhr erreicht der Bus die Südeifel und die Kaffeerösterei Mondo del Caffè. Bei exquisitem und ökologisch angebautem Kaffee, leckerem Kuchen und Diskussionen über fairen Handel steigt die Stimmung trotz der acht Stunden, die alle schon auf den Beinen sind.

Asta-Referent David Ullrich jedenfalls ist am Ende des Tages genauso begeistert wie alle anderen. Dass er nächstes Jahr nicht noch einmal mitfahren wird, liegt nur daran, dass er bis dahin sein Studium beendet haben wird – aber Kawai und Florian sind dann bestimmt wieder mit dabei.
 

 
Leserkommentare
    • 2eco
    • 11.06.2012 um 12:49 Uhr

    Ich glaube ich möchte bei unserer Mensa gar nicht wissen, wo das Essen herkommt. Mit dem Wissen würde das Essen noch mieser schmecken.

    3 Leserempfehlungen
  1. Da fällt mir eine Binsenweisheit ein:
    Der Student geht so lange zur Mensa bis er bricht.

    :D

    2 Leserempfehlungen
  2. Mens sana in corpore sano: Wer in die Mensa will, braucht einen gesunden Körper ;-)

    Eine Leserempfehlung
  3. Hieran können sich viele Studentenwerke ein Beispiel nehemen. Anstatt überteuertes halbfertiges Industrieessen einzukaufen, lohnt es sich durchaus, möglichst viel unterm eigenen Dach zu produzieren. Aber das Wissen um die richtige Zubereitung von gutem Essen geht verloren, und wenn selbst der Chefkoch der Meinung ist, die wabbligen Pommes mit Stärkegeschmack sind absolut i.O., weil sie ja vorgeschriebene Fritierzeit erfahren haben, erübrigt sich jedes weitere Gespräch, weil kulinarische Welten dazwischen liegen

    4 Leserempfehlungen
  4. Das Mensaessen in Trier ist nicht übel. Für zwei, drei Euro eine volle Mahlzeit mit Salat und Joghurt. Geschmacklich ist es ganz ok, aber die Menge ist zumindest für mich zu gering. Meine Freundin wurde aber satt.

    Generell meide ich die Mensa aber eher. Da koche ich mir abends lieber selbst was und zahle ein paar Euro mehr, als anstehen und hinterher auf einen Platz hoffen zu müssen.

    Trotzdem Respekt, was man für drei Euro alles herbeizaubern kann.

  5. ... das waere naemlich eine Reise nach Brasilien, auf die riesigen (Gen-)Sojaplantagen auf dem Boden von ehemaligem Regen- und Feuchtsavannenwald. Dieser Soja ist neamlich das Hauptnahrungsmittel (!) fuer unsere Schweine und Rinder in Deutschland, und da fuer jede Portion Fleisch mindestens zehn Portionen Soja verbraucht werden, ist dies auch mengenmaessig die wichtigste Nahrungsquelle fuer Mensaessen!

    Seltsamerweise verliert weder das Studentenwerk noch der Autor dieses Artikels darueber ein Wort.

    2 Leserempfehlungen
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    • Atan
    • 11.06.2012 um 15:25 Uhr

    In 2006 hat Dtl. z.B. ca. 4,5 Mio Tonnen Sojaschrot (Quelle: BUND) importiert und gut 4,5 Mio. Tonnen Schweinefleisch (Quelle: VDF) produziert, was schon mal beim Schweinefleisch ein Verhältnis etwa 1:1 wäre. Dazu kommt noch die ganze Milch, das Geflügel, Eier, Rindfleisch etc., was ebenfalls aus diesem Sojaschrot + weiterer Futtermittel wie Mais, Gerste, Silage, Grünfutter etc. aus überwiegend inländischer Ernte produziert wurde.
    Mann könnte den Sojaimport schätzungsweise um 1 Mio. Tonnen reduzieren, wenn die EU wiederum den Einsatz von Tiermehl als Futterzusatz zuließe, der im Zuge der etwas panischen BSE-Krise abgeschafft wurde.

    Ansonsten ist der Artikel sehr interessant, und das Vorgehen des Studentenwerkes scheint mir vorbildlich.

    • Atan
    • 11.06.2012 um 15:25 Uhr

    In 2006 hat Dtl. z.B. ca. 4,5 Mio Tonnen Sojaschrot (Quelle: BUND) importiert und gut 4,5 Mio. Tonnen Schweinefleisch (Quelle: VDF) produziert, was schon mal beim Schweinefleisch ein Verhältnis etwa 1:1 wäre. Dazu kommt noch die ganze Milch, das Geflügel, Eier, Rindfleisch etc., was ebenfalls aus diesem Sojaschrot + weiterer Futtermittel wie Mais, Gerste, Silage, Grünfutter etc. aus überwiegend inländischer Ernte produziert wurde.
    Mann könnte den Sojaimport schätzungsweise um 1 Mio. Tonnen reduzieren, wenn die EU wiederum den Einsatz von Tiermehl als Futterzusatz zuließe, der im Zuge der etwas panischen BSE-Krise abgeschafft wurde.

    Ansonsten ist der Artikel sehr interessant, und das Vorgehen des Studentenwerkes scheint mir vorbildlich.

    • Atan
    • 11.06.2012 um 15:25 Uhr

    In 2006 hat Dtl. z.B. ca. 4,5 Mio Tonnen Sojaschrot (Quelle: BUND) importiert und gut 4,5 Mio. Tonnen Schweinefleisch (Quelle: VDF) produziert, was schon mal beim Schweinefleisch ein Verhältnis etwa 1:1 wäre. Dazu kommt noch die ganze Milch, das Geflügel, Eier, Rindfleisch etc., was ebenfalls aus diesem Sojaschrot + weiterer Futtermittel wie Mais, Gerste, Silage, Grünfutter etc. aus überwiegend inländischer Ernte produziert wurde.
    Mann könnte den Sojaimport schätzungsweise um 1 Mio. Tonnen reduzieren, wenn die EU wiederum den Einsatz von Tiermehl als Futterzusatz zuließe, der im Zuge der etwas panischen BSE-Krise abgeschafft wurde.

    Ansonsten ist der Artikel sehr interessant, und das Vorgehen des Studentenwerkes scheint mir vorbildlich.

    2 Leserempfehlungen
  6. bei dieser Reisebeschreibung.
    Wir waren hier, dann da, da erzählt einer was und dort einer, wir haben hier jenes gekostet und dort dieses.
    Es war schön, nur das Wetter war nicht gut und der Vegetarier mochte keine Wurst kosten.
    Wir sind uns sicher echt total einig - nächstes Jahr gehts wieder auf zur Asta-Kaffeefahrt.

    3 Leserempfehlungen

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