"Team Falafel" steht auf den dunkelblauen Trikots. Die Studenten des Master-Studiengangs European Studies haben die T-Shirts für das Fußballturnier der Uni Düsseldorf drucken lassen. Zumindest heute sind sie für alle als Team zu erkennen – das ist nicht selbstverständlich. Denn die Mannschaft besteht aus Studenten, deren Völker sich bekriegen: Israelis, Palästinenser und Jordanier.

Am Spielfeldrand stehen Omar* aus Ostjerusalem und Igal aus Herzliya in Israel . Sie spielen zwar nicht mit, sind aber zum Anfeuern der Spieler ihres Studiengangs gekommen.  Die jungen Männer sind Freunde, obwohl sie eigentlich verfeindet sein müssten. "Bevor ich nach Düsseldorf gekommen bin, habe ich nie mehr als ein paar Worte mit jemandem aus Palästina gewechselt", sagt Igal.

Beide tragen Jeans und braune Sneakers, unter ihren Shirts zeichnen sich neun Monate deutsches Mensaessen ab. Sie stecken ihre Köpfe zusammen, tuscheln und lachen. Sie wirken wie alte Freunde, obwohl sie sich erst seit Oktober kennen. "Omar ist sehr intelligent und ehrlich, das schätze ich an ihm", sagt Igal. "Wir haben schon einige Referate zusammen gehalten, und ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Ich vertraue ihm."

Wenn die beiden nicht in der Uni sind, reden sie über Politik, Persönliches oder das letzte Fußballspiel. Nur den Nahost-Konflikt vermeiden sie tunlichst: "Ich rede lieber nicht darüber, weil ich unsere Freundschaft bewahren will", sagt Omar. Nicht nur ihre Freundschaft könnte daran zerbrechen, die ganze Gruppe könnte sich bei einem Streit teilen, befürchtet er.

Igal stammt eigentlich aus der Republik Moldau, entschied sich jedoch mit 16 dafür, in Israel zu leben – ohne seine Familie. "Dort habe ich mich immer zu Hause gefühlt, seit meinem ersten Besuch. Ich habe es dort geliebt, weil es jüdisch ist." Er hat einen israelischen Pass und den Militärdienst absolviert, den jeder junge Israeli machen muss.

Omar hat vorher in einem staatsnahen Sektor gearbeitet und will seinen echten Namen nicht verraten, weil zukünftige Arbeitgeber in Palästina skeptisch sein könnten, wenn sie wüssten, dass er mit Israelis studiert hat.

Die Studenten sollen miteinander sprechen, nicht übereinander

Im Masterstudiengang European Studies an der Uni Düsseldorf studieren ausschließlich Israelis, Palästinenser und Jordanier. Während sie über das politische System der EU diskutieren, sollen sie einer friedlichen Lösung im Nahen Osten ein Stück näher kommen – so die Idee des Studienangebots. "Sie sollen nicht nur übereinander, sondern miteinander sprechen. Wenn auch erst einmal nur über Europa ", sagt ihr Dozent Jörg Waldmann.

Die Idee dazu hatte Avi Primor, ein ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland. Er wollte junge Leute aus den verfeindeten Volksgruppen für längere Zeit an einen Ort bringen. Die Universität Düsseldorf war offen für die Idee, und so kamen vor drei Jahren die ersten Studenten aus dem Nahen Osten an den Rhein .

"Viele haben es am Anfang nicht für möglich gehalten, dass es überhaupt funktionieren kann", sagt Waldmann. Denn nicht immer verstünden sich die Studenten so gut wie Igal und Omar: Besonders zu Beginn des Studiums, wenn die Studierenden in gemischten Teams ein Forschungsprojekt bewältigen müssen, komme es immer wieder zu Konflikten. "Letztendlich haben meine Kollegen und ich aber jeden Streit lösen können", erzählt Waldmann. Und trotzdem: "Wir sind nicht so vermessen zu sagen: Wir wollen den Nahost-Konflikt lösen."

Omar ist optimistisch: "Vielleicht werden wir irgendwann einmal in einer Position arbeiten, wo wir die Dinge ändern können." Gut möglich, dass Igal oder ein anderer Kommilitone dann am anderen Ende des Verhandlungstisches sitzt.

* Name von der Redaktion geändert