PrivathochschulenSinn und Unsinn privater Elite-Unis

Karriere statt Leben, Ausbildung statt Bildung – und am Ende zählt doch nur das Geld: Private Elite-Unis polarisieren. Zwei Studenten liefern sich ein Pro und Contra. von 

An Vorurteilen mangelt es in dieser Debatte nicht: Da ist der angebliche Schnösel von der Privatuni, der mit Papis Sportwagen zur Vorlesung fährt und zum Praktikum nach Singapur jettet. Ihm gegenüber steht der gern langhaarige Langzeitstudent von der staatlichen Hochschule, der bis zwölf Uhr schläft und ab und an mal in Vorlesungen hineinschaut.

Setzt man Vertreter beider Seiten an einen Tisch, ist die Gefahr groß, sich in Plattitüden zu verlieren. Denn normalerweise kennt der eine die Welt des anderen nicht, geschweige denn, dass er sie versteht. Bei diesem Pro und Contra treffen deshalb zwei Menschen aufeinander, die wissen, was es heißt, an einer privaten Elite-Uni zu studieren. Beide waren dort, beide haben Ähnliches erlebt – und unterschiedliche Schlüsse daraus gezogen.

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Work hard, play hard – das gelte an seiner Uni genauso wie im späteren Leben, findet Frederic Rupprecht. Der 20-Jährige ist im vierten Semester an der European Business School in Hessen. Er erklärt, warum ein Studium an einer privaten Elite-Uni in seinen Augen sinnvoll ist.

Studenten privater Elite-Unis hätten keine Möglichkeit, nach links und rechts zu schauen, kritisiert dagegen Brian Thomas. Der ebenfalls 20-Jährige sagt, warum er sein Studium an der Bucerius Law School in Hamburg nach gut einem Jahr abgebrochen hat.

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Leserkommentare
  1. ...die EBS auch nur ansatzweise in die Richtung einer Elite Uni anzusiedeln, halte ich für stark überzogen. MEn passt da die Möchtegernecke ganz gut.
    Sie lässt sich zumindest nicht ansatzweise mit Harvard etc. vergleichen. Der Ruf ist ja auch nicht mehr der Beste.

    10 Leserempfehlungen
    • ajt
    • 25. Juni 2012 8:52 Uhr

    Nicht die Studierenden sind das Besondere bzw. Bessere, sondern die Studienbedingungen der privaten Universitäten, die eine individuellere Betreuung ermöglichen.

    Private Universitäten haben - aus meiner Sicht als Ex-Wittener - nur eine Berechtigung, wenn Ihre Wirkung in die Gesamtgesellschaft geht.

    Um auf den ersten Kommentar einzugehen: "Elite" ist nicht das Studium, sondern die gesellschaftliche Wirkung und Verantwortung danach. Und das könnte jeder.

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    ...leider kristallisieren sich private Schulen und Hochschulen immer mehr als Hort einer Kapitalelite und nicht einer intellektuellen Elite heraus. Und hier sehe ich einfach eine sehr große Gefahr für die Gesellschaft, die leider weitaus größer ist, als der zurückfliessende Nutzen.

    Es kann nicht in unserem Interesse als Gesellschaft sein, dass sich auf diesem Wege klammheimlich eine Spaltung in zwei Bildungsklassen etabliert, deren einzige Differenzierung am Ende in der Kapitalausstattung der Eltern besteht. Leider wird aber genau so der Begriff der "Elite" immer mehr definiert, auch von den angeblich elitären Menschen selbst.

    Unser Bildungssystem MUSS gute Bedingungen schaffen, aber für alle, und das Bildungsmonopol halten. Würden die Gelder, die an privaten Hochschulen z.T. gezahlt werden, in die öffentliche Bildung fliessen, da bin ich überzeugt, wären die Bedingungen nicht schlechter. Aber anscheinend ist ein solches Modell nicht im Interesse gewisser Kreise. Und da muss man zwangsläufig zu der Frage kommen, warum diese Kreise lieber unter sich bleiben wollen. Können wir es uns leisten, das Potential, das in all den nicht privilegierten Haushalten, so zu verschwenden? Meiner Meinung nach nicht. Also Privathochschulen deutlich an die kürzere Leine nehmen, Netzwerkbildung verhindern und die wissenschaftliche Leistung als Maßstab heranziehen. Vorschlag: Qualifikation im Studium an einer staatlichen Hochschule für eine Exzellenzausbildung im wissenschaftlichen Bereich?

    • gquell
    • 25. Juni 2012 9:25 Uhr

    Der große Nachteil liegt darin, daß die Ausbildung an diesen Schulen und Hochschulen in der Regel wirtschaftlichen Zielen genügt. Ein Studium, welches aus Lust am Wissen und Forschen (Grundlagenforschung) oder gar in Bereichen, die nur eine geringe wirtschaftliche Bedeutungen haben (Kunst, Musik, Sozialwissenschaften, Sprachen) wird an so einer Schule/Hochschule selten sein.
    Wer an einer privaten Universität studiert, will seine Karriere und Verdienstmöglichkeiten gegenüber den Studenten öffentlicher Universitäten verbessern. Und wie es bei den Gutbürgerlichen so Usus ist, wird dann Geld in die Hand genommen. So können mit viel Geld aus schlechten Studenten durchschnittliche oder gute Studenten gemacht werden. Notfalls wird die Hochschule dann ein wenig geschmiert (siehe K.T.z.G.), damit sich das intellektuelle Niveau dem Geldbeutel anpaßt.

    12 Leserempfehlungen
  2. Lieber Herr Russell,

    Ihre Bedenken gegen private Hochschulen kann ich sehr gut nachvollziehen. Wenn das Einkommen der Eltern ein Hindernisgrund ist um an privaten Hochschulen angenommen zu werden, verlieren diese jegliche gesellschaftliche Legitimation. Eine entsprechende Spaltung zwischen Kindern reicher und Kindern armer Eltern würde sicherlich noch schneller voranschreiten als es jetzt schon der Fall ist.
    Aus diesem Grund gibt es in Witten einen umgekehrten Generationenvertrag. Während ich studiere, zahle ich keinen Cent Studienbeiträge. Erst wenn ich im Beruf bin und ein gewisses Einkommen überschritten habe, führe ich über 10 Jahre einen prozentualen Anteil meines Gehaltes an die Universität zurück. Verdiene ich wenig oder gar nichts, zahle ich keinen Cent für mein Studium. Verdiene ich viel unterstütze ich meine Universität sehr gerne.
    Der umgekehrte Generationenvertrag ist der Grund dafür warum ich in Witten studiere. Ohne den UGV hätte Ich, oder meine Eltern (Ich habe noch 7 Geschwister) das Studium gar nicht finanzieren können.
    Mehr zu dem studentischen Verein der den umgekehrten Generationenvertrag in dieser Form erfunden hat und bis heute für die Uni Witten betreut finden Sie hier: http://studierendengesell...

    Herzlichen Dank,
    DerRueth

    7 Leserempfehlungen
    • Rudi01
    • 25. Juni 2012 10:39 Uhr

    Dass jemand, dessen Eltern das nötige Kleingeld haben, es "sinnvoll findet, an einer privaten Hochschule zu studieren" ist absolut nachvollziehbar. Auch wenn die Exklusivität solcher Einrichtungen in allererster Linie aus genau dieser Zugangsbeschränkung besteht. Was man dort findet, sind deutlich bessere Randbedingungen für das Studium, da die gravierenden Finanznöte öffentlicher Hochschulen nicht in Erscheinung treten. Ferner ist man gleich im richtigen "Netzwerk".

    Ob das Lehrpersonal dort besser ist als an öffentlichen Unis kann ich nicht beurteilen. Ich habe keine Hinweise darauf, dass das so ist.

    Natürlich nimmt man einen enormen Vorteil, der einem kraft Geburt zugefallen ist, gern an, und findet es "sinnvoll", unter besseren Bedingungen studieren zu können als andere.

    Ob es allerdings die weitaus größte Zahl von Einwohnern dieses Landes ebenfalls "sinnvoll" findet, solche Bildungseinrichtungen für höhere Kreise im Lande zu haben, und ggfls. sogar mit staatlichen Mitteln zu unterstützen, möchte ich bezweifeln.

    Eine Leserempfehlung
  3. Nachdem ich mir beide Videos angesehen habe, fällt mir auf, dass Herr Thomas starke, differenzierte, durchdachte und vielfältige Argumente für und gegen private Hochschulen anführt. Leider kann man dies von Herrn Ruprecht nicht sagen - schade. Bei ihm kommen nur diffuse Klischees zum Tragen, die wohl eher in einer Debatte um Privatschulen schaden als nutzen. Was bitte ist der "gewisse Drive?", jetzt doch das Sportauto oder die "Karrieregeilheit"?
    Zugespitzt formuliert mag man hier an beiden Studenten die gegensätzliche Ausrichtung von einigen privaten Hochschulen erkennen: Links, der EBS-ler, auf schnelles BWL-Studium, Schlagwortgeklatsche ("Humboldtsches Bildungsideal" und davon überzeugt sein? ... hübsches Namedropping, aber der qualitative Inhalt fehlt), elitäres Gehabe und Selbstdarstellung ausgerichtet. Rechts, der (ehemalige) BLS-ler: reflektiert, durchdacht, wortstark. Die Hochschule (Bucerius Law School) hat sich auf ganzheitliche Juristenausbildung intelligenter und reflektierter Abiturienten ausgerichtet und ist auch für ein hartes Auswahlverfahren bekannt (wo vermutlich Personen wie Herr Ruprecht aussortiert werden, (Polemik!)).
    Auch an der BLS scheint es Nachbesserungsbedarf zu geben, dennoch fühlt man sich hier wohl dem "humanistischen Bildungsideal" durch Zusatzangebote, die auch mal völlig vom juristischen Stoff("Neurowissenschaften") abweichen, näher.

    Sehr bereichernd, danke für die Aufnahmen!

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  4. Eine große Gefahr bei privaten Hochschulen oder derlei Bildungseinrichtungen sehe ich im Marketing. Die Werbung der Einrichtungen ist meistens sehr überzeugend und vielversprechend. Doch bei genauerer Betrachtung oder einem Studium stellt sich teilweise heraus, dass diese Versprechen eben nicht zutreffen. Die Einrichtung ist dann auch keine Hochschule, sondern eine Ergänzungsschule. Gerade im Bereich Medien / Journalismus ist mir das aufgefallen. Die Frage ist dann auch, wie der Abschluss an einer privaten Einrichtung anzusehen ist.
    Das Niveau ist, zumindest nach meiner Erfahrung, denkbar gering. Der Arbeitsaufwand der Studenten wird bewusst niedrig gehalten, denn schließlich bezahlt man für ein komfortables Studium. Täglich zwischen 1,5 und 4 Stunden Uni und die Sache ist gegessen. Kein Wunder, dass Studenten dann klagen, wenn sie auf einmal mit Hausaufgaben konfrontiert werden, da man im Unterricht allerhöchstens den Ausdruck der Tagesschauseite ließt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hochschule | Debatte | Praktikum | Sportwagen | Student | Privathochschulen
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