Gaststudenten: Syrer an deutschen Unis geraten in Not
Syrische Studenten in Deutschland leben in permanenter Angst um ihre Familien. Und auch um ihre eigene Existenz müssen sie bangen: Geld von zu Hause kommt nicht mehr an.
Etwa 4.000 Kilometer trennen Mansour Ismaiel von dem blutigen Konflikt in seiner syrischen Heimat. Doch die Folgen bekommt er täglich zu spüren. Weil der Student von Bremen aus die Protestbewegung unterstützt, hat ihm die Regierung in Damaskus das Stipendium gestrichen. "In den letzten Monaten habe ich von meinen Ersparnissen gelebt", erzählt der 28-Jährige. Wie es weitergeht, ist ungewiss. Auf Hilfe vom deutschen Staat kann er jedenfalls nicht hoffen.
Auch andere syrische Studenten plagen seit Beginn des Aufstands vor mehr als einem Jahr Geldsorgen – weil Stipendien wegfallen, Überweisungen von zu Hause nicht ankommen oder Verwandte nicht mehr arbeiten gehen können. Dazu kommt permanente Angst um die Familie und die eigene Sicherheit. Denn selbst fern der Heimat fühlen sich die jungen Leute vom Regime bedroht.
Rund 2.100 Syrer studieren nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) hierzulande. Wie viele von ihnen unter finanziellen Problemen leiden, ist nicht bekannt. "Die Lage ist unübersichtlich", sagt der Gruppenleiter für den Nahen Osten, Christian Hülshörster. Denn ob Studenten tatsächlich kein Geld mehr von zu Hause erhalten, sei schwer nachzuprüfen. Und die wenigsten vertrauen sich den zuständigen Stellen an den Hochschulen an.
"Das Misstrauen ist enorm hoch", sagt die Leiterin des Internationalen Büros an der Uni Bremen, Annette Lang. "Viele wagen es nicht, sich an offizielle Stellen zu wenden." Nur die wenigsten wollen sich so offen äußern wie Mansour Ismaiel. "Syrien wird auch als Land der Angst bezeichnet", begründet er das Schweigen seiner Kommilitonen.
Online verfolgt der Germanistik-Student genau, was in seiner Heimat passiert. Auf Facebook tauscht er sich mit Oppositionellen aus, veröffentlicht für sie Videos und Fotos aus den umkämpften Gebieten. Er stammt aus Hula, wo Ende Mai mehr als 100 Menschen bei einem Massaker ums Leben kamen. Als die Bilder bei ihm eintrafen, war er schockiert. Seine Verwandten blieben verschont. "Ich habe Kontakt mit meiner Familie, den meisten geht es gut."
Ein emeritierter Professor hilft privat
Doch wie lange noch? Diese Fragen müssen sich die syrischen Studenten ständig stellen. "Viele haben Probleme in der Uni", sagt Mohsen Abbasi. Der Bremer Student engagiert sich in der Union der syrischen Studenten und Akademiker. Viele müssten jetzt allein für ihren Lebensunterhalt sorgen und vernachlässigten dadurch ihr Studium. Auch die psychische Belastung wirke sich auf die Noten aus.

Ohne deutsches Konto können Syrer in Deutschland nicht studieren. Doch kaum eine Bank nimmt sie als Kunden. Klicken Sie auf das Bild, um die Reportage zu lesen.
Der Bundesverband ausländischer Studierender hat bereits vor Monaten Alarm geschlagen. Da die syrischen Studenten keinen Anspruch auf Sozialleistungen hätten, könnten die Betroffenen ihr Studium nicht mehr finanzieren. Damit sei auch die Aufenthaltsgenehmigung in Gefahr. Die Bundesländer schieben derzeit zwar keine Syrer ab. Mehrere Hochschulen, darunter die in Bremen, haben den DAAD trotzdem um ein Notfallprogramm gebeten. Die Uni Köln hat sogar ein Spendenkonto eingerichtet.
Vom DAAD können die Betroffenen keine große Hilfe erwarten. "Es ist nicht die Aufgabe des DAAD, einen Rettungsschirm zu spannen, so bedauerlich die Lage einiger Studenten auch sein mag", sagt Hülshörster. Für Notfälle gebe es an den Universitäten einen Topf für Beihilfen. Mehr sei im DAAD-Haushalt nicht drin.
"Damit können wir aber keinen Komplettausfall eines Stipendiums auffangen", sagt Annette Lang von der Uni Bremen. Mansour Ismaiel hätte gerade mal 60 Euro erhalten, erzählt er. Hilfe bekommt er jetzt von unerwarteter Seite. Ein emeritierter Professor und dessen Freunde wollen ihn unterstützen, bis er ein Stipendium für seine Doktorarbeit an der Uni Flensburg gefunden hat.










Vielleicht ist "Syrier" germanistisch?
Das Thema ist offensichtlich ein zu behandelndes Problem. Aus Sicht der Hochschulleitung wuerde ich die Syrer zu einer Stellungnahme auffordern. Selbstverstaendlich bezieht sich dies auf jeden betroffenen Fachbereich oim Speziellen. Als an der internationalen Hilfe beteiligte Nation haben wir vermutlich hierzu das Recht. Was erhoffen Sie sich von dem Studium fuer die Zukunft ihres Landes ? Gibt es diplomatische Vorschlaege fuer Problemloesungen aus Sicht der Syrer ? Wie lassen sich die Morde in Ihrem Heimatland unterbinden ? Nach internationalem Recht haben Sie als Syrer eine ethische Pflicht sich zu aeussern, schliesslich ist Voelkermord und Mord strafbar. Welche Auswirkungen haette ein Embargo der internationalen Gemeinschaft auf Syrien ? Wie koennen die Auslaender Syrien zur Unterlassung der Morde bewegen ? Welche Leistungen oder Hilfen an Syrien koennten in der Zukunft massgeblich werden, falls ueberhaupt ? Bestimmt falllen der Uni weitere Fragen ein. Danke.
Keine Regierung auf diesem Globus zahlt Stipendien, Alimente oder andere finanzielle Unterstützungen an ihre Gegner und Oppositionellen - nur in Deutschland bekommen Salafisten & Co Unterstützung ala Hartz IV !
Erstens wird sich wohl kein Land der Welt bereitfinden, das Studium (an Universitäten, die überall den jeweiligen Staat viel Geld kosten) nur ausländischen Studenten kostenlos anzubieten, von einheimischen Studenten dagegen Geld einzufordern.
Zweitens müssten Sie dann erstmal eine Definition anbieten, was denn "Krisenregionen" sind, die als Heimat ein kostenfreies Studium ermöglichen soll - und dann erklären Sie mal, warum diejenigen, die aus dem Staat A kommen, umsonst studieren dürfen, die aus Staat B aber nicht. Wer soll das festlegen? Nach welchen Kriterien?
Das ist die Doppelzüngigkeit der Politik. Wasch mich gut, aber mach mich nicht nass. Es ist besser das unsere Politiker auf Konferenzen gut verpflegt werden.
Ich bin der Student, um den es im Beitrag geht..
1. Sind die Oppositionelle Extremisten? Nein. Nur weil man die Opposition nicht gut kennt, heißt nicht, dass jeder im Nahen Osten ein Terrorist oder Extremist ist. Ich persönlich bin Agnostiker, und war so gut wie nie in einer Moschee. Meine Familie ist westlich orientiert, trotzdem sind wir überzeugte Assad-Gegner. KEINER meiner Freunde in Deutschland waren oder sind Muslime. Trotzdem wurde ich 2008 in Syrien verhört und gefoltert. Man warf mir vor, Assad-kritisch in Deutschland gewesen zu sein (jemand soll mich bespitzelt haben..). Also es hat nichts mit der Religion zu tun, sondern mit Meinungsfreiheit. Auch wenn die gesamte Opposition NUR Extremisten WÄREN, hat niemand das Recht, sie und ihre Familien ohne Gerichtsprozesse oder gar nur Vorwarnung zu erschießen!
2. Das Stipendium bekam ich nicht vom Regime, sondern vom Hochschulministerium. Das Geld kam von den Steuerzahlern, nicht vom Regime. Trotzdem war es das Regime, das mir den Geldhahn abgedreht hat. Der Vorwurf gegen mich lautet nicht etwa, dass ich Extremist bin, sondern dass ich den Ruf meines Landes beschädigt haben soll, weil ich den Präsidenten beleidigt hätte!
3. Auch wenn es simpel bzw. utopisch klingt, ich als Oppositioneller- wie die meisten anderen, will einfach so in Würde und Frieden leben können, wie ich es von Deutschland kenne! Ich wünschte, man könnte die Gesetze von Deutschland 1zu1 nach Syrien übertragen!
Mehr Infos unter: www.mansour-ismaiel.com
Wie kommt es, dass der Student Mansour Ismaiel aus diesem Artikel dem Syrer Baschar al-Shaker aus dem Artikel "Kein Konto für Baschar" vom 23.03.2012 dermaßen ähnelt?
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