Was einmal in Max Heikenfelds Masterarbeit stehen wird, verbirgt sich derzeit noch im sibirischen Matsch. Der Physikstudent will dort Daten über Permafrostböden, also dauerhaft gefrorene Erde, sammeln und auswerten, und so mehr über die Auswirkungen des Klimawandels erfahren. Max studiert an der Uni Heidelberg und geht mit einer Forschergruppe des Alfred-Wegener-Instituts im Juli für zwei Monate auf Sibirien-Expedition.

Eigentlich wollte er gar nicht Physik studieren. Zwar mochte er das Fach in der Schule, aber als es um die Wahl des Studienfaches ging, kamen ihm Zweifel: "Ich dachte, da wird man vor lauter Zahlen und Mathe ganz verrückt." Er bewarb  sich erst einmal für Jura und Maschinenbau.

Erst kurz vor Ende der Bewerbungsfrist entschied er sich doch für Physik. "Ich wollte immer ein bisschen was vom Großen und Ganzen verstehen", sagt Max. Bei Physik hatte er das Gefühl, am meisten erfahren zu können.

Im Bachelor kam es zunächst wie befürchtet: "Wir hatten so viele Mathevorlesungen, da hat jeder gedacht: Warum tu' ich mir das eigentlich an?", sagt Max. Trotzdem hielt er durch. "Zum Glück", sagt der 25-Jährige heute. Denn sein Durchhaltevermögen wird nun durch die Exkursion belohnt.

Kein Internet, keine Wikipedia

Im Sommer taut die obere Schicht des sibirischen Permafrostbodens etwa einen halben Meter tief auf. Das macht es den Forschern möglich, Messungen durchzuführen.

Weil ein Boden deutlich komplizierter aufgebaut ist als etwa Luft oder Wasser, sei die Feldarbeit vor Ort sehr wichtig, erklärt Max. Für viele passe das überhaupt nicht ins Bild eines Physikers: "Die Leute stellen sich oft vor, man schießt den ganzen Tag Elementarteilchen aufeinander." Dem Studenten gefällt gerade diese Arbeit: "Mich hat immer fasziniert, dass man ein großes System draußen hat, das nicht mal eben in ein Labor passt."

Berechnungen zufolge steigen die Temperaturen durch den Klimawandel am stärksten in der Arktis , also dort, wo es aktuell noch mit am kältesten ist. Wissenschaftler gehen davon aus, dass dort in Zukunft größere Mengen Permafrostboden auftauen als bisher. Die Folge: Die im Boden lebenden Bakterien werden aktiver. Dabei produzieren sie aus dem organischen Material Kohlendioxid und Methan – Gase, die den Klimawandel beschleunigen.

"Durch aufgetauten Permafrostboden allein wird die Welt nicht untergehen", beschwichtigt Max. Doch Schätzungen zufolge werden die freigesetzten Gase in den kommenden 300 Jahren zwischen einem und zehn Prozent zur Erderwärmung beitragen.

Dass er einmal mit auf Sibirien-Expedition fahren würde, wagte Max nicht zu träumen, als er vor rund zwei Jahren für ein Praktikum zum Alfred-Wegener-Institut kam. Nach dem Praktikum wurde er dort weiter als Hilfswissenschaftler eingesetzt. Doch je länger Max forschte, desto mehr Fragen ergaben sich, die den Rahmen seines Stundenkontingents sprengten. Also schlug sein Betreuer vor, er könne sich diesen Fragen in seiner Masterarbeit widmen – und dafür mit zur Expedition fahren.

Forschungsinstrumente, Werkzeuge und Ersatzmaterialien sind bereits vor einigen Wochen nach Sibirien geschickt worden. Bei den Expeditionen muss sorgfältig gepackt werden: Stellt man erst in Sibirien fest, dass man etwas vergessen hat, kann das den Erfolg der ganzen Reise gefährden.

Und das ist nicht die einzige Herausforderung, die die Forscher erwarten wird. Eine Erfahrung wird für Max komplett neu sein: "Wir haben dort kein Internet und man kann nicht schnell etwas bei Wikipedia oder in einem wissenschaftlichen Artikel nachschauen."