ZEIT ONLINE: Seit Mai ist Ihre Internetplattform Wgfinden.de online. Ziel ist es, Mitbewohner zu vermitteln, die gut zusammenpassen. Also Putzfimmel zu Putzfimmel und Fußballfan zu Fußballfan?

Benjamin Pause: Ganz so einfach ist es nicht. In der Entwicklung unseres Suchportals haben wir uns intensiv darüber Gedanken gemacht, woran WGs scheitern. Anschließend haben wir eine Erhebung unter einer repräsentativen Auswahl von 440 Wohngemeinschaften aus ganz Deutschland durchgeführt, um unsere Thesen zu prüfen. Am Ende konnten wir vier Bereiche extrahieren, die unserer Meinung nach für ein harmonisches Zusammenleben in einer WG wichtig sind, und die nun im Fragebogen auf unserem Portal abgefragt werden.

ZEIT ONLINEDie wären?

Pause: Sauberkeit, Geld, Geselligkeit und kulturelle Interessen. Wenn innerhalb dieser vier Bereiche große Übereinstimmungen und ähnliche Vorstellungen vorhanden sind, ist das die halbe Miete. In dem Test auf wgfinden.de stellen wir dem Suchenden nun 20 Fragen, die genau diese vier Bereiche abdecken.

ZEIT ONLINE: Normalerweise werden solche Fragen bei WG-Castings gestellt. Wieso nicht auch weiterhin?

Pause: Das Problem ist: Reale Castings sind oft nicht authentisch. Der Wohnungssuchende will das Zimmer um jeden Preis haben. Also passt er sich an. Kommt er in eine Party-WG, betont er wahrscheinlich seine Partytauglichkeit. Nach dem Einzug stellt sich meistens heraus, dass ein Großteil des Castings nur gespielt war.

ZEIT ONLINE: Aber beim Onlinetest kann man doch auch lügen.

Pause: Wir drehen den Spieß um. Zuerst wollen wir vom Suchenden wissen: Wer bist du eigentlich, und wie stellst du dir deine zukünftige WG vor – unabhängig davon, wie das Angebot aussieht. Das führt dazu, dass die Suchenden ehrlich mit sich selbst sein müssen. Gleiches gilt übrigens für WGs, die ein Zimmer zu vergeben haben: Die müssen sich auch erst mal fragen, wie eigentlich ihr Wunsch-Mitbewohner aussieht.

ZEIT ONLINE: Persönliches Kennenlernen wird also überbewertet?

Pause: Nein, der Test kann ein reales Casting nicht ersetzen. Unsere Plattform sorgt vor allem für ein übersichtlicheres Angebot, welche WG zu einem passen könnte. Wer in einer fremden Stadt studieren will und eine Wohnung sucht, braucht meistens sehr schnell eine Bleibe und kann sich nicht wochenlangen Casting-Prozessen unterziehen.

ZEIT ONLINE: Ihr Angebot zielt auf ähnliche Vorstellungen der Mitbewohner ab. Was ist mit der These, dass sich gerade Gegensätze anziehen?

Pause: Wgfinden.de ist kein Plädoyer für Uniformität, und wir wollen auch keine Klon-WG schaffen, in der alle Mitbewohner gleich sind. Jeder, der bei uns sucht, hat vollen Zugriff auf alle WG-Angebote. Wir machen lediglich transparent, wie hoch die Übereinstimmung in den vier Bereichen jeweils ist. Es gibt aber keine Empfehlungen und Zuteilungen. Am Ende steht es jedem frei, zu sagen: Obwohl wir unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit haben, bewerbe ich mich.

ZEIT ONLINE: Das alles wirkt ein bisschen wie bei einem Datingportal. Was, wenn sich Mitbewohner so gut miteinander verstehen, dass sie ein Paar werden?

Pause: Na ja, Sauberkeitsvorstellungen und gemeinsame Interessen machen noch keine Schmetterlinge im Bauch. Und persönliche Sympathie kann durch unser Matching-Modell ohnehin nicht ersetzt werden. Das persönliche Kennenlernen ist deshalb nach wie vor entscheidend. Und wenn dabei neben einem guten Mitbewohner auch noch der Partner fürs Leben herausspringt – umso besser!