Prima PraktikaMein Praktikum im Obama-Team

Während eines Auslandssemesters machte der Student Juri Schnöller Wahlkampf für Barack Obama. Und stellte fest: Auch der amerikanische Präsident kocht nur mit Wasser. von Eva Schulz

Juri Schnöller absolvierte ein Praktikum in Obamas Wahlkampfteam

Juri Schnöller absolvierte ein Praktikum in Obamas Wahlkampfteam  |  © Juri Schnöller

Natürlich wunderten sich Obamas Leute erst einmal, dass sich ein Deutscher bei ihnen bewirbt. Ich habe ihnen erklärt, dass ich Politik und Verwaltung studiere und für ein Auslandsjahr in Washington D.C. bin – da konnte ich es mir doch nicht entgehen lassen, den amerikanischen Politbetrieb von innen kennenzulernen! Als ich dann noch erwähnte, dass ich bereits in Deutschland bei Angela Merkels letztem Wahlkampf als Freiwilliger mitgemacht habe, hatte ich den Job.

Auf die Stelle als Campus Coordinator war ich im Internet gestoßen. Barack Obama beim Wahlkampf zu unterstützen – das klang für mich nach dem perfekten Auslandspraktikum.

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Ich war dafür zuständig, meine Kommilitonen an der American University für unsere Sache zu gewinnen. Gerade Barack Obamas Kampagne lebt ja von jungen, begeisterten Leuten. Die musste ich nun dazu motivieren, ihn nicht nur zu wählen, sondern auch aktiv beim Wahlkampf mitzumachen.

Die Leute zum Wählen zu motivieren, ist in den USA noch wichtiger als bei uns. Denn man bekommt nicht einfach die Wahlunterlagen zugeschickt, sobald man alt genug ist, sondern muss sich aktiv registrieren. Viele Amerikaner wissen das aber gar nicht.

1.500 Anrufe und 1.000 Hausbesuche

Die Arbeit war auf 20 Wochenstunden angelegt, doch es war schnell klar, dass es viel mehr werden würde. Wenn ich nicht gerade zu Univeranstaltungen ging, saß ich im Washingtoner "Field Office", dem lokalen Wahlkampfbüro, und versuchte per Telefon, potenzielle Wähler von Obama zu überzeugen. Dafür bekamen wir jede Woche vom Headquarter in Chicago lange Listen mit Telefonnummern. Und ehrgeizige Zielvorgaben: Etwa 1.500 Anrufe und 1.000 Hausbesuche sollte jeder von uns pro Woche erledigen.

An den Wochenenden fuhr ich in den Nachbarstaat Virginia, einen sogenannten "Swing State": Dort sind die Menschen nicht, wie in vielen anderen Bundesstaaten, mehrheitlich republikanisch oder demokratisch eingestellt, sondern ziemlich 50 zu 50. Deshalb könnte Virginia bei der Wahl im November das Zünglein an der Waage sein. In meinem Obama-Shirt und mit einem Wahlplakat in der Hand ging ich von Tür zu Tür, fragte die Leute, ob sie schon registrierte Wähler seien, und warb für Barack Obama.

Diese Fahrten waren anstrengend, aber auch sehr spannend, denn als Austauschstudent führt man Gespräche, zu denen es sonst gar nicht käme. Die Leute erzählten mir von ihren Problemen und Wünschen – oder schlugen mir die Tür vor der Nase zu. Einer drohte sogar damit, seinen Hund auf mich loszulassen, wenn ich nicht innerhalb von 30 Sekunden verschwände.

Das ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass der amerikanische Wahlkampf viel emotionaler ist als der in Deutschland. Es geht deutlich weniger um Inhalte und viel mehr um das Auftreten und die Persönlichkeit der Politiker. Dass Obama eine ganz außerordentliche Persönlichkeit ist, durfte ich auch live erleben: Nach einem Staatsempfang für den südkoreanischen Präsidenten kam er kurz zu uns Helfern, bedankte sich und schüttelte uns die Hände. Das waren nur ein paar Minuten, aber sein Charisma hat mich total umgehauen.

Nach vier Monaten Wahlkampftrubel weiß ich aber: Auch der von manchen als Messias gehandelte Obama kocht nur mit Wasser – denn er wäre nichts ohne sein Team mit Tausenden Helfern.

Praktikumsteckbrief: Obamas Wahlkampfteam

Wann bewerben?
Die Kampagne läuft noch bis zur Wahl im November, dann ist erst mal Schluss – bis Juli 2015, wenn die Vorbereitungen für die nächsten Präsidentschaftswahlen beginnen. Zwischendurch finden aber noch Kongresswahlen statt, bei denen ebenfalls Praktikanten und Freiwillige gesucht werden.

Wo bewerben?
Auf der Wahlkampfseite von Barack Obama gelangt man zur Stellenausschreibung. Von dort aus führt ein Link zum Online-Bewerbungsverfahren.

Womit bewerben?
Lebenslauf und bestenfalls Nachweise vorheriger Wahlkampftätigkeiten sowie ein auf 1.000 Wörter beschränktes Motivationsschreiben.
 

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Leserkommentare
  1. "Gerade Barack Obamas Kampagne lebt ja von jungen, begeisterten Leuten."

    Insbesondere lebt er davon, NEUE junge begeisterte Leute zu gewinnen, nachdem bei etlichen Wählergruppen die ihn vor 4 Jahren ins Amt trugen, doch eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist.
    Aber begeisterungsfähige Jugend wächst ja zum Glück immer wieder nach und kann "gekeilt" werden.

    • Elite7
    • 04. Juli 2012 16:10 Uhr

    Ich sagte ja, dass es ein Klischee ist. Trifft dennoch oft genug zu. Im Übrigen hätten Sie den Satz davor ruhig mit kopieren können, darauf bezog es sich nämlich. "Und wenn er erst feststellen musste, dass der Präsident nur mit Wasser kocht, dann hat die Welt noch so einige Überraschungen für den jungen Mann zu bieten. Das ist so typisch Studentenklischee: Sie können die ganze Welt erklären, ohne sie zu kennen."

    Antwort auf "Spinne ich?"
  2. Exakt bei solchen Aufgaben lernt man fürs Leben! Es geht nicht immer nur um Inhalte, Details, Besserwisserei, "Ich-bin-der-Tollste-Getue"! Aber, "Elite7", was erwartet man ?!

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  • Serie Prima Praktika
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | Angela Merkel | Internet | Swing | Verwaltung | USA
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