Das Image des deutschen Hochschulstudiums gleicht Szenen aus Asterix erobert Rom . In dem Zeichentrickfilm jagt der Gallier unter Strapazen dem legendären Passierschein A38 hinterher. Den Studenten erginge es beim Scheinesammeln ähnlich, wenn nicht schlimmer – so die verbreitete Meinung.

In der Tat sieht die Lage auf den ersten Blick düster aus: Überfüllte Hörsäle und schlechte Betreuung, Bachelorstress und Bafög-Probleme – Beschwerden hört und liest man viele, Begeisterung so gut wie nie. Dabei gibt es tatsächlich Studierende, die Spaß haben an dem, was sie tun. Und, das ist die zweite gute Nachricht: Es sind gar nicht so wenige.

Kathleen Nickerl gehört dazu. Die 21-Jährige studiert Philosophie an der Universität Hamburg . Was sie nach bislang vier Semestern erzählt, klingt nach viel Arbeit, hohem Anspruch – und vor allem großer Leidenschaft. "Ich kann in meinem Fach genau das machen, was ich toll finde", sagt Nickerl. Ob Metaphysik und Erkenntnistheorie oder Ästhetik: Für ihre Modulvorgaben könne sie genau die Inhalte wählen, auf die sie Lust habe. "Ich hab auf mein Herz gehört, und das hat eben Philosophie gesagt."

Nickerls Erzählung klingt wie die Wunschvorstellung eines Studentenlebens. Sie ist nach dem Abi in der Stadt geblieben, in der sie sich wohl fühlt, und in eine kleine Wohnung gezogen. Neben der Uni arbeitet die 21-Jährige seit eineinhalb Jahren in einer Unternehmensberatung, "um auch mal in die freie Wirtschaft hineinzuschnuppern".

Zwei Drittel bewerteten ihr Studium gut oder sehr gut

Beides, sagt sie, läuft super. Sicher, zwei Mal feiern pro Wochenende ist seither nicht mehr drin, und das Lernpensum ist stramm; Nickerl hat Spanisch als Nebenfach belegt. "Man muss eben schauen, wie man sein eigenes Leben organisiert – aber ich denke, gerade im Studium sollte man dazu in der Lage sein."

Ein glücklicher Einzelfall? Keineswegs. Die Mehrheit der deutschen Studenten ist zufrieden mit dem, was sie tut. Das belegt eine vor Kurzem veröffentlichte Bildungsstudie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Rund 2.000 Studenten wurden befragt; zwei Drittel von ihnen bewerteten ihre Studienbedingungen als gut bis sehr gut. Das waren zwar etwas weniger als im Jahr 2011 (74 Prozent), aber dafür blieb der Anteil der Unzufriedenen konstant bei 24 Prozent. Die Stimmung an den Unis ist also mitnichten mies – weder in Großstädten wie Hamburg, noch in Kleinstädten wie zum Beispiel Saarbrücken .

Dort studiert Anita Leist Human- und Molekularbiologie. Sie gehörte 2008 zum ersten Bachelorjahrgang im Saarland und damit auch zu den Studenten, die noch Semestergebühren zahlen mussten, denn die wurden erst später abgeschafft. Hohe Kosten und viel Bürokratie: Keine idealen Bedingungen für ein Studium – aber Leist blieb dabei. Inzwischen ist sie im achten Semester und macht ihren Master. "Am Anfang war die Rückführung ins alte System oft im Gespräch, aber mittlerweile haben sich die meisten an Bachelor und Master gewöhnt", sagt Leist.