Fantine, 22: "Hildesheim ist wie ein Bezirk von Berlin"

"Ich dachte Hildesheim sei eine richtige Großstadt. Da leben immerhin 100.000 Menschen. Bei Google Maps habe ich dann nach S-Bahn-Stationen gesucht und keine gefunden. Kein Wunder: Man braucht keine. In einer halben Stunde hat man die Stadt mit dem Rad durchquert. Hildesheim ist wie ein Bezirk von Berlin. Nur kommt daneben nicht der nächste Bezirk, sondern die Welt endet einfach.

Manchmal gehen wir in der Woche feiern, manchmal am Wochenende. Ganz normal also für das Studentenleben. Nur ist die Auswahl an Bars sehr klein und das nervt irgendwann. In Berlin dagegen kann ich mich kaum entscheiden, welchen neuen Club ich ausprobieren soll. Wir sind in Hildesheim auf vielen WG-Partys und es ist ganz toll, dass man nachts gleich schnell zu Hause ist und eigentlich immer Bekannte und Freunde trifft. Denn man kennt jeden über zwei Ecken. Dafür lernt man aber wenig neue Leute kennen, höchstens wenn die neuen Erstsemester ankommen.

In Hildesheim fehlt mir die Vielfalt an Menschen und Freizeitaktivitäten, die ich aus Berlin kenne. Hier gibt es nicht so viele unterschiedliche Stile, Kulturen und Einstellungen, die beeindrucken, überraschen und mich inspirieren. Hier gibt es nicht die Bars und Second-Hand-Läden vom Prenzlauer Berg. Und die kleinen Dinge: Street Art oder Zettel, die an der Laterne hängen mit kleinen Herzchen zum Abreißen.

In Berlin rennt das Leben, und wenn ich wieder dort bin, habe ich oft das Gefühl, dass ich was verpasst habe. Wenn mich aber Menschen erschrocken fragen, warum ich von Berlin nach Hildesheim gezogen bin, dann kann ich auch mit Überzeugung und aus Erfahrung sagen: Das Leben kann mit den richtigen Leuten überall so richtig gut sein."

Sören, 19: "Ich muss mal raus hier"

"Ich komme aus einem Dorf im Münsterland, in der Nähe der holländischen Grenze. Ich würde nicht sagen, dass das langweilig ist, aber irgendwann kennt man einfach alles. Selbst bei den Veranstaltungen gibt es einen festen Jahresrhythmus: Schützenfest, Erntefest, Weihnachtsfeier. Ich muss einfach mal komplett raus hier. In Berlin zum Beispiel sind die Menschen sicher liberaler, verrückter. Und es gibt jeden Tag etwas anderes zu sehen.

In meiner alten Schule kannte ich so gut wie jeden. Mit einem Studium in einer großen Stadt würde ich vielen neue Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen kennenlernen. Gleichzeitig muss ich nicht mit jedem was zu tun haben, den ich mal getroffen habe.

Alles wird anonymer sein und ich kann in der Masse untertauchen. Niemand wird gucken und tuscheln, weil ich zum Beispiel eine neue Freundin habe. Ich kann von null anfangen, weil mich niemand kennt und ich kann sein, wie ich möchte oder immer sein wollte, vorlauter will ich dann sein, den Leuten gerade heraus sagen, was ich von ihnen denken, meine Meinung öfter und lauter vertreten. Das hätte ich schon in der Schule machen sollen.

Meine alten Freunde werde ich natürlich nicht vergessen. Mit ihnen will ich den Kontakt halten und hoffe, dass wir uns regelmäßig besuchen und treffen können."