Anna und ihr Sohn Jasper © Olga Gala

Das Diktiergerät findet Jasper viel spannender als seine Bauklötze. Fröhlich brabbelnd robbt er zu seiner Mutter und greift in Richtung des blinkenden Geräts. Anna sitzt am Laptop und schreibt an ihrer Hausarbeit. Oder besser: Sie versucht, an ihrer Hausarbeit zu schreiben. Mal quengelt Jasper, mal hat er Hunger, mal will er unterhalten werden.

Jasper ist zehn Monate alt, seine Mutter Anna ist 27. Der Kleine ist ein Wunschkind, einfach ist es für seine Mutter trotzdem nicht. Gerade hat Anna ein Urlaubssemester genommen, in dem sie auch Hausarbeiten schreiben wollte. Doch mit einem Kind ist das nicht leicht: "Anfangs dachte ich, wenn er noch klein ist und schläft, kann ich ja auch für die Uni arbeiten", sagt Anna. Mittlerweile weiß sie: "Das ist völlig utopisch. Der Tag richtet sich nach ihm. Wenn ich essen möchte, der Kleine aber auf den Arm will, dann muss ich eben warten."

Anna und Jaspers Vater haben sich vor einigen Monaten getrennt. "Besonders Alleinerziehende sind finanziell schlechter gestellt, weil sie beispielsweise keine Zeit haben, zusätzlich Geld zu verdienen", sagt Astrid Schäfer, die beim Deutschen Studentenwerk Referatsleiterin für Studium mit Kind ist. Anna lebt zur Zeit von Zuschüssen für ihren Sohn sowie von Wohn- und Elterngeld. Außerdem arbeitet sie nebenbei einige Stunden an ihrer Uni in einer AG zum familienfreundlichen Studium.

Die Wartelisten für Kita-Plätze sind lang

Die Arbeit ist wichtig für sie, nicht nur wegen des Verdienstes: "Es ist gut, ein Netzwerk zu haben, wenn man mit Kind an der Uni ist. Das habe ich durch meinen Job." Der Kontakt zu den alten Freunden nehme von der Geburt an nämlich ab. Die Kommilitonen hätten einen anderen Tagesablauf, wollten mal spontan ausgehen. Mit einem Baby gehe das nicht. "Da muss ich fragen, wer nachmittags mit mir über das Stadtfest laufen will und nichts abends", sagt Anna mit einem Seitenblick auf Jasper, der auf seinem Bilderbuch kaut.

Bald wird Jasper in die Uni-Kita gehen. "Ich habe wirklich Glück gehabt, dass ich was für ihn bekommen habe", sagt Anna. Sie hat sich bereits während der Schwangerschaft über die Betreuungsmöglichkeiten informiert und gleich nach der Geburt ihren Sohn in der Krippe angemeldet.

Ein kluger Schritt, denn die Wartelisten sind lang. "Der Bedarf ist groß, gerade an flexibler Betreuung", sagt Schäfer. Lehrveranstaltungen finden häufig abends statt, die Kita schließt aber in der Regel nachmittags. Auch Blockseminare am Wochenende stellen eine Herausforderung für junge Eltern dar: Wohin mit dem Kind, wenn in der Familie niemand da ist, der einspringen kann?