Dass jemand sein Studium als Dauerlauf bezeichnet, passiert in Zeiten der Bologna-Reform häufiger. Meist ist das durch überfüllte Stundenpläne oder Berge an Hausarbeiten bedingt; eher selten verbirgt sich dahinter Sportsgeist.

Bei Marcel Pohl ist das anders, auch wenn er eher Sprinter als Dauerläufer ist. "Eigentlich dachte ich, ein duales Studium sei bereits eine besondere Leistung", sagt der 22-jährige Bankkaufmann. "Nach ein paar Wochen habe ich festgestellt, dass ich noch nicht an der Belastungsgrenze bin." Also überlegte er sich, wie er sein Studium effizienter und vor allem schneller über die Bühne bringen könnte.

Die Strukturen an Pohls Uni kamen ihm entgegen. Die Hochschule für Oekonomie & Management (FOM) in Essen bietet zwei Modelle an: Die Studenten können wählen zwischen Kursen am Freitag und Samstag oder an drei Abenden unter der Woche. Tagsüber arbeiten sie im Unternehmen, bei dem sie ihr duales Studium absolvieren. Die FOM hat 22 Standorte in ganz Deutschland; zur richtigen Zeit am richtigen Ort, ist es fast immer möglich, einen bestimmten Kurs zu besuchen.

Daraus müsste sich doch was machen lassen, überlegte sich Pohl. Zwei seiner Kommilitonen dachten ähnlich. Je mehr die drei sich mit dem Gedanken beschäftigten, desto mehr packte sie der Ehrgeiz. "Wir wollten eine besondere Leistung auf die Beine stellen", sagt Pohl. Also starteten sie ein Experiment: Wie schnell können wir das Studium schaffen? Normalerweise dauert das duale Studium an der FOM elf Semester.

Schwieriger als das Lernen ist die Organisation

"Anfangs dachten wir, dass wir nicht viel Spielraum haben werden", sagt Pohl. Doch die drei Kommilitonen entwickelten eine Taktik: Jeder besuchte unterschiedliche Vorlesungen, dafür reisten sie ständig quer durch Deutschland. Abends erzählten sie sich den Stoff in Telefonkonferenzen. Sie versuchten, Prüfungstipps der Professoren herauszuhören, um effizient lernen zu können.

Als besonders leicht gilt das Studium an der FOM nicht. Dass jemand unter der Regelstudienzeit abschließt, ist selten. Die meisten brauchen eher länger. "Zwischendurch hatten wir schon Angst, zu scheitern oder durchzufallen", sagt Pohl. Gerade wenn er mal wieder ein 600-seitiges Skript zum Steuerrecht durcharbeiten musste, dachte er sich: "Mist, wofür machst du das eigentlich?"

Noch viel schwieriger als das viele Lernen war für die drei Kommilitonen allerdings die Organisation ihres Studiums, hauptsächlich das viele Reisen. "Bei unseren Arbeitgebern war viel Überzeugungsarbeit nötig, damit die ein Auge zudrücken", sagt Pohl, der tagsüber in einer Bank arbeitete.