Kurzzeitstudent : Schnell studiert und abgestraft

60 Prüfungen in 20 Monaten: Nur vier Semester hat Bankkaufmann Marcel Pohl für Bachelor und Master gebraucht. Nun verklagt ihn seine Uni.

Dass jemand sein Studium als Dauerlauf bezeichnet, passiert in Zeiten der Bologna-Reform häufiger. Meist ist das durch überfüllte Stundenpläne oder Berge an Hausarbeiten bedingt; eher selten verbirgt sich dahinter Sportsgeist.

Bei Marcel Pohl ist das anders, auch wenn er eher Sprinter als Dauerläufer ist. "Eigentlich dachte ich, ein duales Studium sei bereits eine besondere Leistung", sagt der 22-jährige Bankkaufmann. "Nach ein paar Wochen habe ich festgestellt, dass ich noch nicht an der Belastungsgrenze bin." Also überlegte er sich, wie er sein Studium effizienter und vor allem schneller über die Bühne bringen könnte.

Die Strukturen an Pohls Uni kamen ihm entgegen. Die Hochschule für Oekonomie & Management (FOM) in Essen bietet zwei Modelle an: Die Studenten können wählen zwischen Kursen am Freitag und Samstag oder an drei Abenden unter der Woche. Tagsüber arbeiten sie im Unternehmen, bei dem sie ihr duales Studium absolvieren. Die FOM hat 22 Standorte in ganz Deutschland; zur richtigen Zeit am richtigen Ort, ist es fast immer möglich, einen bestimmten Kurs zu besuchen.

Daraus müsste sich doch was machen lassen, überlegte sich Pohl. Zwei seiner Kommilitonen dachten ähnlich. Je mehr die drei sich mit dem Gedanken beschäftigten, desto mehr packte sie der Ehrgeiz. "Wir wollten eine besondere Leistung auf die Beine stellen", sagt Pohl. Also starteten sie ein Experiment: Wie schnell können wir das Studium schaffen? Normalerweise dauert das duale Studium an der FOM elf Semester.

Schwieriger als das Lernen ist die Organisation

"Anfangs dachten wir, dass wir nicht viel Spielraum haben werden", sagt Pohl. Doch die drei Kommilitonen entwickelten eine Taktik: Jeder besuchte unterschiedliche Vorlesungen, dafür reisten sie ständig quer durch Deutschland. Abends erzählten sie sich den Stoff in Telefonkonferenzen. Sie versuchten, Prüfungstipps der Professoren herauszuhören, um effizient lernen zu können.

Marcel Pohl

Marcel Pohl, 22, hat sein Studium in vier Semestern abgeschlossen

Als besonders leicht gilt das Studium an der FOM nicht. Dass jemand unter der Regelstudienzeit abschließt, ist selten. Die meisten brauchen eher länger. "Zwischendurch hatten wir schon Angst, zu scheitern oder durchzufallen", sagt Pohl. Gerade wenn er mal wieder ein 600-seitiges Skript zum Steuerrecht durcharbeiten musste, dachte er sich: "Mist, wofür machst du das eigentlich?"

Noch viel schwieriger als das viele Lernen war für die drei Kommilitonen allerdings die Organisation ihres Studiums, hauptsächlich das viele Reisen. "Bei unseren Arbeitgebern war viel Überzeugungsarbeit nötig, damit die ein Auge zudrücken", sagt Pohl, der tagsüber in einer Bank arbeitete.

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Kommentare

133 Kommentare Seite 1 von 19 Kommentieren

Die...

Die harmlosesten Gestalten, die in einer Bank rumstolpern, dürften wohl die Reinigungskräfte sein.
Oder denken Sie, dass die arme schalterbesetzende, ausgebildete Fachkraft nicht darauf ausgerichtet ist, möglichst viele Bankprodukte zu verkaufen?

Oder warum werde ich ständig bei meiner Bank gefragt, ob ich mich hierfür noch versichern möchte, oder hier noch etwas anlegen möchte, oder doch lieber Bausparen, noch ´ne Rente gefälligst?

Natürlich sind das größtenteils "normale" Angestellte, die ausschließlich ihren Job machen. Aber das Banksystem ist nun mal zum Großteil auf, grob gesagt, Ausbeute ausgelegt. Und da beteiligt sich dann eben auch Hanswurst am Schalter mit, wenn auch nur im Kleinen.

Also, meinem Ideal entspricht es auch nicht....

Gut, das mit dem Tellerrand sehe ich jedoch auch anders. Ich habe Maschinenbau studiert. Und ich muss sagen: Das Studium, ja, es ist schon notwendig, um mathematische und physikalische Grundkenntnisse zu erhalten. Mit Praxis hat es nichts zutun. Und ich habe auch Freunde, die an der TU München oder TU Dresden studiert haben - da ist es nicht so viel anders.

Das meiste lernt man in der Industrie. Bezüglich Technik und Produktion ist die Industrie den Unis eh einige Jahre voraus.

Also, ich würde auch nicht soooo Gas geben beim Studium, denn die Studentenzeit ist ja nicht die schlechteste. Aber wer weiter kommen will, der sollte nicht ewig auf dem Kampus rumhocken - außer, man macht als wiss. Assistent weiter.

Mir jedenfalls

sind mehr Ärzte "bekannt", die mir soweit helfen wie nötig, anstatt mir eine nutzlose Therapie nach der anderen zu verordnen.
Autohändler müssen sich mittlerweile viel mehr nach den Kundenwünschen und -bedürfnissen richten, um zu verkaufen. Aber natürlich sind die darauf ausgelegt, zu verkaufen. Das ist klar.
Im welchem Restaurant ist das Tagesangebot (das wird meistens empfohlen) zugleich das teuerste? Kenne ich keins, sorry.

Und ja, ich verstehe, worauf sie hinauswollen: in jeder Branche wird darauf hingearbeitet, möglichst viel rauszuholen. Aber meiner Meinung nach (!) in keiner derart "schlimm", wie in der Bankenbranche weil man da im Verhältnis am wenigsten für sich bekommt, aber viel bezahlt. Beispiel: mein Kontoguthaben wird mit 1% verzinst, aber leihe ich mir mal (wenn auch nur für sehr kurze Zeit, z.B. Dispo) ein wenig Geld, wird das bis zu 15-20% verzinst. Und das steht meiner Meinung nach in keinem Verhältnis. Die Bank erwirtschaftet mit meinem Euro, den sie für bis zu 15-20% weiterverkauft, 20 Cent und gibt mir davon einen (Zahl: 1). Und nein, so viel "Verwaltungsaufwand", dass das gerechtfertigt wäre, ist es nicht. Und ja, auch die Bank möchte sich selbst finanzieren. Aber wie wir alle (!) wissen, verdienen sie mehr als viel zu viel, um nicht auch ihre Kunden angemessen daran beteiligen zu können.

Es geht ja nicht nur um Verwaltungsaufwand.

Es geht um Losgrößentransformation, Risikotransformation usw.
Wenn Ihnen das nichts sagt können Sie wahrscheinlich auch nicht den immensen Verwaltungsapparat kalkulieren der bei einer Bank dahintersteckt.

Und ja, bei Mcdonalds und dem lokalen Imbiss ist das Tagesangebot das billigste. Bei anderen Restaurants gibt es häufig tägliche Spezialitäten die teurer sind als die normalen Speisen.

Blick über den Tellerrand

Diesen erweiterten Blick auf das Studienfach bekommen die Bachelor-Studenten in der Regel nicht - die meisten geben sich mit der Jagd auf die berühmt-berüchtigten Credits zufrieden.

Eigentlich sehe ich solche Turbo-Studenten eher mit Misstrauen aber Pohls sportlicher Ehrgeiz nötigt mir Respekt ab. Ich denke mal nicht, dass er während seines Sprints weniger gelernt hat als der Durchschnittsstudent.
Was mir noch besser gefällt, er entlarvt die universitäre Landschaft: die Universitäten sind zu Wirtschaftsunternehmen verkommen - von Lehre ist vielleicht noch am Rande etwas übrig, wenn überhaupt.
Was sich da seit einigen Jahren an den Universitäten und Fachhochschulen abspielt, ist ein Trauerspiel - mit Studium hat dieses Theater nur noch wenig zu tun.

Ist doch nicht schlecht!

Ist doch nicht schlecht, wenn es solche High-Speed-Studenten gibt, Augen zu und durch, mit Ausbildung, aber ohne Bildung, mit Abschluss, aber ohne Erfahrung, ohne Leben, ohne Menschsein, funktionierende Roboter, digital addicts Helferlein im cubicle, gierend nach Aufstieg, die Menschheit noch ein bisschen mehr zu zerstören. Stell dir vor, die wären alle Genies, da würde ich ja meinen Job verlieren! ;)

Studium, Sozial?

Also wenn man bedenkt wie viele Studenten ihr Studium für den ungezügelten Alkoholkonsum nutzen, kann ich das Schnellstudium durchaus verstehen.

Wussten Sie dass man im ersten Jahr in England davon ausgeht dass sich die Studenten überwiegend nur betrinken und jegliche Ergebnisse des ersten Jahrs am Ende irrelevant sind??

Außerdem, Sie übersehen dass sich die drei welche sich für dieses Studium organisiert haben gegenseitig auf sich verlassen mussten und in dieser Hinsicht sicherlich bessere soziale Kompetenzen erlangt haben als der Durchschnittsstudent - nämlich effektive Teamarbeit.

Ferner verbringt der durchschnittliche Student auch nur wenige Student wöchentlich nur wenige Stunden mit Lernen sowie Vorlesungen (23 Stunden) - nicht nur in England sondern auch in Deutschland - insofern ist es für einen durchschnittlich begabten Studenten an einer durchschnittlichen Universität ein leichtes sein Studium vorzeitig abzuschließen - was in Deutschland auch einfach zu organisieren ist.
http://www.zeit.de/2011/2...
(In England müsste man dann für die zusätzlichen Kurse bezahlen...)

unvollständig

im artikel fehlt die information, dass

1. die FOM dem herrn großzügigerweise schon den bärenanteil der gebühren erlassen hat. diese werden nicht eingeklagt

2. und abgesehen davon schließt man zu beginn des studiums mit der FOM einen vertrag über einen FESTPREIS fürs studium. wer den vertrag vor unterschrift liest, könnte das wissen. wer außerdem die ersten paar vorlesungen nicht verpennt, hat bestimmt auch schonmal was zur vertragsfreiheit gehört ;)

Und wo ist die Recherche?

Innerhalb weniger Klicks kann jeder Interessierete (und dazu muss man nicht mal studentischer Überflieger sein) auf der Seite der FOM herausfinden, dass die Studienvereinbarung eine Ratenzahlung beinhaltet (http://www.fom.de/Produkt... Seite 2). Es werden keineswegs Semesterbeiträge erhoben, sondern der Gesamtbetrag wird durch die private Hochschule als Ratenzahlung angeboten.

Sicherlich ist der Herr kein Einfaltspinsel und hat Vertrag und Vereinbarung sehr genau gelesen (ansonsten sollten man ihm seinen Master wieder aberkennen ;) )

[...] Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke. Die Redaktion/kvk

Es geht nicht nur darum,

die Meinungen beider Seiten zu drucken, sondern der Sache z.B. durch Prüfung des Gebührenmodells etwas mehr auf den Grund zu gehen.
Dass Herr Pohl im Nachhinein seinen Vertrag mit der Uni für völligen Blödsinn hält, das ist eben keine Argumentation sondern seine bloße Meinung.

Aber es ist ja ein gängiger Irrtum von heutigen Journalisten, dass die bloße Wiedergabe von irgendwas schon das ganze Geschäft sei.

Argumentation

"Guten Tag,
im Artikel sind die Argumentationen beider Parteien beschrieben. Die Vertragseinzelheiten müssen von einem Gericht geprüft werden und können in diesem Artikel nicht abschließend beurteilt werden."

Was für eine Argumentation? Der Student möchte sich einfach über einen Vertrag hinwegsetzten, weil ihm dieser nicht passt.
Obwohl dieser verbindliche Vertrag besteht wird der Student als armes Lämmchen dargestellt und die FOM ist der Buhmann.

[...] Gekürzt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke. Die Redaktion/kvk