Haus, Ehefrau, zwei kleine Kinder – damit ginge Oliver Stolz eigentlich als Prototyp des Beamtenanwärters durch. Wäre da nicht der bisherige Lebenslauf des 34-Jährigen: Nach dem Abitur bewarb er sich zunächst für die Ausbildung zum Truppenoffizier, er wurde Kompaniechef, war in Afghanistan im Einsatz. Parallel machte er einen Magister in Geschichts- und Sozialwissenschaften. Zwölf Jahre blieb Oliver Stolz beim Bund, bis er auf eigenen Wunsch austrat und sich entschied, Beamter zu werden. Und das, obwohl er über sich sagt: "Ich bin nicht so der Sicherheitsmensch."

Dabei gilt Sicherheit – neben Geld und Karriere – als Argument für die Beamtenlaufbahn. Es sind die drei großen Vorteile eines Berufsstandes, der gerade unter Abiturienten und Studenten als öder Schreibtischjob mit Papierschlachten und Paragraphenreiterei verschrien ist. Wieso also entscheidet sich jemand, Beamter zu werden?

Bei Oliver Stolz sind es zwei Gründe. Zum einen hofft er, "dass ich dort wirklich etwas bewegen und verbessern kann." In diesem Herbst endet seine dreijährige Fachhochschulausbildung zum Diplomverwaltungswirt. Seinen künftigen Posten bei der Stadt St. Ingbert kennt er noch nicht, aber Themen wie Bürgerbeteiligung oder modernere Verwaltungsstrukturen interessieren Stolz am meisten. Ihm gefällt die Vorstellung, etwas für das Gemeinwohl tun zu können – noch dazu vor der eigenen Haustür, denn St. Ingbert ist zugleich sein Heimatort.

Viele Vorgaben, wenig Freiraum

Der andere Grund ist seine Familie. Die beiden Söhne, zwei und vier Jahre alt, gehen jetzt in den Kindergarten; Stolz ist froh, dass er sich während der Ausbildung verstärkt um den Nachwuchs kümmern konnte.

Ähnlich pragmatisch dachte auch Jan Schulze*. Als der Hamburger nach dem Abitur nicht wusste, wie es weitergehen sollte, bewarb er sich für den gehobenen Dienst in der Finanzverwaltung. "Viele Leute in diesem Alter verfolgen ihre Träume und sind bei ihrer Studiumswahl sehr idealistisch", sagt der 30-Jährige heute ganz nüchtern. "Das war bei mir nicht so." Er hatte sich auch bei einer Sozialversicherung beworben, doch die Ausbildung im gehobenen Dienst verschaffte ihm einen großen Vorteil: das duale Studium. Die eine Hälfte davon verbrachte er an der Hochschule, die andere Hälfte im Amt – eine sehr verschulte Ausbildung mit vielen Vorgaben und wenig Freiraum. "Für mich war das sehr gut, gerade weil ich so orientierungslos war", sagt Schulze heute.