ZEIT ONLINE: Herr Kopper, der Hochschulverband fordert , Ghostwriter mit mehreren Jahren Gefängnis zu bestrafen. Sie sind Mitinhaber einer Ghostwriting-Agentur . Haben Sie jetzt Angst?

Kopper: Nein, der Gesetzentwurf des Hochschulverbands hat aus meiner Sicht keine Chance. Wir sind nicht dafür verantwortlich, was unsere Kunden mit den Texten machen. Es ist wie beim Waffengesetz: Waffen dürfen zwar verkauft werden, aber sie dürfen nicht missbraucht werden.

ZEIT ONLINE: Der Vergleich hinkt. Anders als bei Waffen sind Ihre wissenschaftlichen Texte von vornherein zum Missbrauch gedacht.

Kopper: Natürlich können wir Missbrauch nicht ausschließen. In unseren AGBs weisen wir jeden Kunden darauf hin, dass wissenschaftliche Arbeiten nur für legale Zwecke eingesetzt werden dürfen. Deshalb empfehlen wir, unsere Ausarbeitungen wirklich nur als Mustervorlage zu verwenden. Interessant ist, dass wissenschaftliches Ghostwriting immer gleich mit Betrug assoziiert wird, bei Homepage-Texten oder Reden, die wir auch schreiben, findet das aber keiner bedenklich.

ZEIT ONLINE: Meinen Sie, dass diese Argumentation auch noch greift, sollte der Gesetzesentwurf durchkommen?

Kopper: Auf jeden Fall werden wir uns das Ghostwriting nicht verbieten lassen. Ein Gesetz wird nicht verhindern können, dass man immer jemanden finden wird, der gegen Geld eine wissenschaftliche Arbeit für einen schreibt. Im Zweifel wendet man sich an eine Firma im Ausland.

ZEIT ONLINE: Der Hochschulverband fürchtet um den Ruf der Wissenschaft. Können Sie das überhaupt nicht nachvollziehen?

Kopper: Ich kann schon nachvollziehen, dass die Unis es nicht toll finden, wenn die angehenden Forscher ihre Arbeiten gar nicht selbst schreiben. Natürlich leidet die Wissenschaft darunter. Aber auch Professoren lassen sich oft Publikationen von wissenschaftlichen Mitarbeitern verfassen und veröffentlichen diese dann im eigenen Namen. Man sollte also nicht nur auf Ghostwritern rumhacken.

ZEIT ONLINE: Studenten und Professoren sind in Ihren Augen Betrüger, aber Ghostwriter nicht?

Kopper: Wenn man eine Arbeit abgibt, muss man eine eidesstattliche Versicherung unterschreiben, dass man alles selbst geschrieben hat. Darauf kommt es an.