Gekaufte Arbeiten"Wir lassen uns das Ghostwriting nicht verbieten"

Der Hochschulverband will Ghostwriter bestrafen. Marcel Kopper, Mitinhaber einer Ghostwriting-Agentur, entgegnet im Interview: Nicht wir täuschen, sondern die Studenten. von 

ZEIT ONLINE: Herr Kopper, der Hochschulverband fordert , Ghostwriter mit mehreren Jahren Gefängnis zu bestrafen. Sie sind Mitinhaber einer Ghostwriting-Agentur . Haben Sie jetzt Angst?

Kopper: Nein, der Gesetzentwurf des Hochschulverbands hat aus meiner Sicht keine Chance. Wir sind nicht dafür verantwortlich, was unsere Kunden mit den Texten machen. Es ist wie beim Waffengesetz: Waffen dürfen zwar verkauft werden, aber sie dürfen nicht missbraucht werden.

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ZEIT ONLINE: Der Vergleich hinkt. Anders als bei Waffen sind Ihre wissenschaftlichen Texte von vornherein zum Missbrauch gedacht.

Kopper: Natürlich können wir Missbrauch nicht ausschließen. In unseren AGBs weisen wir jeden Kunden darauf hin, dass wissenschaftliche Arbeiten nur für legale Zwecke eingesetzt werden dürfen. Deshalb empfehlen wir, unsere Ausarbeitungen wirklich nur als Mustervorlage zu verwenden. Interessant ist, dass wissenschaftliches Ghostwriting immer gleich mit Betrug assoziiert wird, bei Homepage-Texten oder Reden, die wir auch schreiben, findet das aber keiner bedenklich.

ZEIT ONLINE: Meinen Sie, dass diese Argumentation auch noch greift, sollte der Gesetzesentwurf durchkommen?

Kopper: Auf jeden Fall werden wir uns das Ghostwriting nicht verbieten lassen. Ein Gesetz wird nicht verhindern können, dass man immer jemanden finden wird, der gegen Geld eine wissenschaftliche Arbeit für einen schreibt. Im Zweifel wendet man sich an eine Firma im Ausland.

Agenturen

In Deutschland bieten diverse Agenturen Ghostwriting für akademische Texte wie Haus-, Abschluss- oder Doktorarbeiten an. Viele deutschsprachige Anbieter sitzen zudem im Ausland, wo sie weniger rechtliche Einschränkungen haben, etwa in der Schweiz. Häufig gehört zum Repertoire der Anbieter nicht nur Ghostwriting, sondern auch Lektorieren, Korrigieren und Plagiatsprüfung.

Rechtslage

Ghostwriting per se ist nicht strafbar, weil Ghostwriting-Agenturen in der Regel darauf verweisen, lediglich Vorlagen zu erstellen und keine Arbeiten, die zur Abgabe vorgesehen sind. Strafbar macht sich allein der Student, weil er zumeist in einer eidesstattlichen Erklärung bestätigen muss, die Arbeit selbst verfasst zu haben. Fliegt der Betrug auf, drohen Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro und die Exmatrikulation.

Ghostwriter

Erfahrene Ghostwriter sind in der Lage, hundertseitige Ausarbeitungen in wenigen Wochen zu verfassen. Viele lehren und forschen selbst in der Wissenschaft und arbeiten lediglich nebenberuflich als Ghostwriter. Die Preise für wissenschaftliche Texte variieren je nach Anbieter und Auftragsart. Als Mittelwert gelten rund 20 bis 35 Euro pro Seite.

ZEIT ONLINE: Der Hochschulverband fürchtet um den Ruf der Wissenschaft. Können Sie das überhaupt nicht nachvollziehen?

Kopper: Ich kann schon nachvollziehen, dass die Unis es nicht toll finden, wenn die angehenden Forscher ihre Arbeiten gar nicht selbst schreiben. Natürlich leidet die Wissenschaft darunter. Aber auch Professoren lassen sich oft Publikationen von wissenschaftlichen Mitarbeitern verfassen und veröffentlichen diese dann im eigenen Namen. Man sollte also nicht nur auf Ghostwritern rumhacken.

ZEIT ONLINE: Studenten und Professoren sind in Ihren Augen Betrüger, aber Ghostwriter nicht?

Kopper: Wenn man eine Arbeit abgibt, muss man eine eidesstattliche Versicherung unterschreiben, dass man alles selbst geschrieben hat. Darauf kommt es an.

Leserkommentare
  1. für alle, die sich wirklich damit rumgequält haben:

    "Kopper: Klar kann man es schaffen, wenn man bereit ist, zehn oder zwölf Stunden am Tag zu arbeiten. Viele unserer Kunden sagen sich aber, dass ihnen ihre Gesundheit wichtiger ist und sie lieber ein paar Stunden mehr schlafen statt Nächte durchzuarbeiten."

    Genauso kann man Doping rechtfertigen...

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    • 15thMD
    • 09. August 2012 16:01 Uhr

    Doping ist gut für die Gesundheit? Weder Anabolika im Sport, noch Ritalin für Studenten/Berufstätige scheint mir gut für die Gesundheit, nur weil man dann kürzer trainieren/arbeiten muss und mehr schlafen kann...

    • F.K.
    • 09. August 2012 12:17 Uhr

    in welchen Fachgebieten eigentlich Ghostwriting möglich ist. Ehrlich gesagt, wenn ich unsere Promotionsthemen (Richtung Maschinenbau)sehe, das mag nicht immer weltbewegend sein. Aber dass mal einfach so jemand von außen kommt und sagt, jetzt schreibe ich Dir mal was? Man hat ja entweder Experimente zu machen, oder einen Input für ein relativ spezifisches Rechenprogramm. Da scheinen mir wohl die Übeltäter irgendwo in einigen Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften angesiedelt zu sein, wo man durch Wiederkäuen und "Neubewerten" von bereits Verdauten zu einem Dr. kommen kann. HINWEIS: Damit will ich auf keinen Fall ausdrücken, dass jede Promotion in den besagten Fächern so aussieht, lediglich, dass ich dort diese Möglichkeit sehe und in technischen oder naturwissenschaftlichen Fächern mir das nicht vorstelle kann.

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    Kann sein, dass in naturwissenschaftlichen Fachbereichen Ghostwriting schwieriger ist - das liegt aber nicht am "Wiederkäuen von bereits Verdautem". Auch die Maschinenbau-Forschung baut immer auf Bestehendem auf.

    Der Unterschied ist einfach der, dass man in naturwissenschaftlichen Forschungsprojekten häufiger mit Geräten und Material arbeitet, das einem Ghostwriter nicht ohne Weiteres zugänglich ist - nicht jeder hat einen Teilchenbeschleuniger im Garten -, während man sich das "Material" z.B. für eine literaturwissenschaftliche Dissertation (= Bücher) überall und jederzeit zukommen lassen kann.

    gibt's auch in den Naturwissenschaften. Gefälschte Daten sind bspw. häufiger, als man denkt.

    Ob Geistes-, Sozial-, Naturwissenschaften, Sciences oder Humanities, letztlich muss überall die Qualitätskontrolle verbessert werden!

  2. Sehr bedenklich, dass es solchen Leuten anscheinend nicht viel ausmacht, wenn die Qualität und Expertise der Forschung und die Fähigkeit der Studenten, eigene Arbeiten zu nicht (mehr) so gut ist/gut sein braucht. Hauptsache durchkommen und n Titel abstauben; und dass sie ihren Anteil an der Situation nicht erkennen. Abschlussarbeiten ect gehören genauso als erbrachte Leistung zum Studium. Missstände von anderen anprangern ist in Ordnung, aber diese Missstände als Rechtfertigung für den eigenen Mist zu nehmen, finde ich lahm.

    Die Situation, dass Leute zu wenig Zeit haben, diese oder jene Arbeit fertigzustellen, ist natürlich unschön. Aber gibt es nicht doch die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen darüber zu reden, dass die Zeit sehr knapp ist (also in der Realität, nicht nur theoretisch), oder täusch ich mich da?

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    • JD
    • 09. August 2012 12:47 Uhr

    An solchen Vorgaben ist im Grunde nichts zu machen. Das ist der Wahnsinn unserer heutigen Lehrsituation, der Wahnsinn der sich immer weiter degenrierenden Bildungsgesellschaft. Schnell Schnell Schnell! Die Gremien, welche über die Regeln und Verordnungen für Abschlussarbeiten und Semesterinhalte entscheiden sind meist so fern vom Studenten, dass man nichtmal weiß, wer das entscheidet.

  3. Als Doktorand muss ich dem Herrn zustimmen. Er liefert nur die Ware, nach der manche Konsumenten verlangen. Das ist wie das Fernsehen dafür zu strafen, dass Big Brother gesendet wird.

    Es gibt Menschen, die nicht mehr nachvollziehen können, was es bedeutet, geistige und körperliche Arbeit zu verrichten. Solche Menschen lassen sich auch die wissenschaftliche Arbeit schreiben und sind dann "stolz" drauf. Auch wenn es ein bisschen polemisch ist: Solche Leute sind schuld daran, dass Studenten und Wissenschaftler den Ruf haben, den ganzen Tag nichts zu tun.

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    • mat123
    • 05. November 2012 13:00 Uhr

    Die Zeit hat gerade einen hierzu passenden Artikel "Welt der Scheinheiligen" veröffentlicht.

    Machen sich Ghostwriter der Beihilfe zur Scheinheiligkeit schuldig?

    Die Ghostwriter dürfen gerne ihren Kunden etwas Wohlwollen entgegenbringen und sie sind auch nicht dafür verantwortlich, wenn eine Ghostwriterarbeit zu einem anderen Zweck verwendet wurde als der für den sie geschrieben wurde.

    ABER wenn sich die Ghostwriter nicht dem Vorwurf der Beihilfe zum Betrug aussetzen wollen, dann sollten sie schon darlegen können, wie eine Ghostwriterarbeit aussieht, die ein Student, der gerade eine Dissertation anfertigt, legal gebrauchen könnte und die aus Sicht des Studenten trotzdem ihr Geld wert ist.

    Wenn ich eine Waffe verkaufe, dann kann ich immerhin plausibel machen, dass mein Kunde sie nur für legale (z.B. sportliche) Zwecke verwendet. Aber wenn ich Opium verkaufe, dann gibt es eine solche Ausrede nicht.

    Sportwaffe oder Opium? Was ist die bessere Analogie? Liebe Ghostwriter, hierauf müsst Ihr antworten! Den Verweis auf die Gesundheit des Studenten kann ich nicht gelten lassen. Ich darf auch dann keine Bank überfallen, wenn ich behaupte, das Geld nur für eine gesündere Lebensweise zu verwenden.

  4. Das Problem sind nicht solche Dienstleister, dass Problem ist in unsere Gesellschaft zu suchen. Von Klein auf wird Einem von staatlichen Institutionen suggeriert ohne Ausbildung bist du ein Niemand. Diese Last wiegt schwer und deswegen hat manch Einer schon ein Burn-Out bevor er überhaupt die Arbeitswelt gesehen hat. Wenn so ein Druck aufgebaut wird muss sich keiner wundern, dass die Ghostwritingbranche Hochkonjunktur hat. Das ist sicherlich kein Argument dafür aber es ist ein Grund.

    Die Lösung des Problems - und auch das ist typisch - wird wieder in einem Verbot gesehen - in einem Gesetz. Anstatt sich mal ernsthaft darüber Gedanken zu machen warum sich die Leute solcher Hilfsmittel bedienen. Das Groteske daran ist: 19% Mehrwertsteuer. Sicherlich es wird immer schwarze Schafe geben, doch hier fällt bald nur noch das weise Schaf auf.

    Jeder weis, dass für einen einigermaßen guten Verdienst in Zukunft ein akademische Titel notwendig sein wird. Hier handelt es sich um Existenzängste und nicht um Faulheit. Der Mensch ist zu einigem bereit fühlt er sich in die Enge getrieben oder sieht keinen Ausweg. Die Hemmschwelle singt wenn es darum geht nicht gefressen werden zu wollen!

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    • TimmyS
    • 10. August 2012 9:22 Uhr

    ansatt für seine Prinzipien einzustehen und den persönlichen Wert des Titels klar zu machen, machen die Ghostwriter es ja noch schlimmer, oder eher die, die das Ghostwriting nutzen. Es wäre doch genauso ein gigantischer Skandal, wenn Bestseller aus der Literatur nicht von dem Autor, der in den Büchern steht geschrieben wurden sondern Ghostwriter alles gemacht haben.
    Ich finde, dass Menschen, die Ghostwriting für ihren komplette "Arbeit" nutzen, und auch Herr Kopper Charakterschwäche zeigen, leider nicht im positiven Sinne, sondern in dem Sinne, dass diese Personen dann Manager werden, auf Grundlage einer Leistung, die sie nicht wirklich erbracht haben. Was soll das werden, wenn solche Absolventen später Abteilungen führen?

    • Ipof
    • 10. Juni 2014 11:16 Uhr

    Sie schreiben:
    "Es wäre doch genauso ein gigantischer Skandal, wenn Bestseller aus der Literatur nicht von dem Autor, der in den Büchern steht geschrieben wurden sondern Ghostwriter alles gemacht haben."

    Genau das ist aber bei einem Teil der Bestseller und bei einem Großteil aller wissenschaftlichen Bücher so. Letztere werden von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des publizierenden Professors geschrieben. Bestseller-Autoren stehen teilweise unter so großem Termindruck, dass Ghostwriter angestellt werden, denn kreatives Schreiben unter Zeitdruck fast ein Ding der Unmöglichkeit. Also bitte nicht so naiv durch die Literaturwelt wandern ;-)

    Weiter schreiben Sie:
    "...Charakterschwäche zeigen, leider nicht im positiven Sinne, sondern in dem Sinne, dass diese Personen dann Manager werden, auf Grundlage einer Leistung, die sie nicht wirklich erbracht haben. Was soll das werden, wenn solche Absolventen später Abteilungen führen?"

    Genau darum geht es doch in der heutigen Wirtschaft: Delegieren können. Ein Abteilungsleiter ist nur dann in der Lage, seine Aufgabe zu erfüllen, wenn er viel an seine Mitarbeiter abgibt und es als sein Ergebnis verkauft. Nichts anderes macht ein Absolvent/Doktorand, der Teile seiner Arbeit an den Ghostwriter abgibt. Dazu der Zeitdruck, Manipulation und die Ellbogengesellschaft in der Wirtschaft: Genau darauf hat ein Absolvent mit Ghostwriter sich topp vorbereitet und entspricht dem heutigen Anforderungsprofil von Abteilungsleitern voll....LEIDER ;-)

    • ludna
    • 09. August 2012 12:35 Uhr

    Das Interview vermittelt den Eindruck, dass in allen Fachbereichen Ghostwriting vorkommt.
    Fakt ist, finanziell lukrativ für die Agenturen sind hauptsächlich und fast ausschliesslich: Jura, Wirtschaftswissenschaften und zum Teil Medizin und Philosophie.

    Dies Fachhrichtungen haben aus meiner Sicht ohnehin nichts mit Wissenschaft zu tun (von Teilen der Medizin abgesehen).

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    • P_S
    • 09. August 2012 13:47 Uhr

    .. haben etwas mit Wissenschaft zu tun!
    Aber nicht die Arbeiten der Ghostwirter , sonst wären sie sicherlich an Themen geraten wie:
    Es gilt Geld stinkt nicht, aber bin ich nicht moralisch, rechtlich verpflichtet meinen Nächsten vor Schaden zu bewaren. Darf ich ihn beim Betrug unterstützen?
    Hier kann man einiges Wissen zusammen tragen und erörtern.
    Nur es zeigt, auch hier viele schreiben Texte handeln aber nicht danach!
    Desweiteren auch in den naturwissenschaftlichen Fächern ist Ghostwriting möglich.
    1. ) Themen die von Wirtschaft und Industrie vergeben werden. Heir haben die Professoren i.d.R. nur ein Augenmerk darauf das keine Falschaussagen getroffen werden. Und man sieh oft, dass Mitarbieter die Arbeit eigentlich machen. 2. ) Auch Experimente, als Beweis für ein Schreiben lassen gelten nicht, da Experimente ausgewertet werden müssen, dies kann der Ghostwriter auch.

    Mein Wunsch wäre es, wenn diese Arbeiten (Seminararbeitt / Facharbeit in der Schule) auch wissenschaftlich verteidigt werden müssen. D.h. eine Frage sollte sinnvoll beantwortet werden könne was brachte sie audf diesen Weg, oder warum haben sie nicht diesen Weg gewählt....

    • R_B
    • 09. August 2012 17:24 Uhr

    "Jura, Wirtschaftswissenschaften und zum Teil Medizin und Philosophie.

    Dies Fachhrichtungen haben aus meiner Sicht ohnehin nichts mit Wissenschaft zu tun (von Teilen der Medizin abgesehen)."

    Bin doch gespannt, wie Sie den Satz dort oben rechtfertigen wollen. Wollen Sie?

  5. Kann sein, dass in naturwissenschaftlichen Fachbereichen Ghostwriting schwieriger ist - das liegt aber nicht am "Wiederkäuen von bereits Verdautem". Auch die Maschinenbau-Forschung baut immer auf Bestehendem auf.

    Der Unterschied ist einfach der, dass man in naturwissenschaftlichen Forschungsprojekten häufiger mit Geräten und Material arbeitet, das einem Ghostwriter nicht ohne Weiteres zugänglich ist - nicht jeder hat einen Teilchenbeschleuniger im Garten -, während man sich das "Material" z.B. für eine literaturwissenschaftliche Dissertation (= Bücher) überall und jederzeit zukommen lassen kann.

    Antwort auf "Ich frage mich,"
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    • ludna
    • 09. August 2012 12:54 Uhr

    aber es gibt noch den finanziellen Effekt:

    1.Kinder reicher Eltern, die sich das also finanziell leisten können, tendieren nicht zu naturwissenschaftlichen oder technischen Fächern.

    2. Imn juristischen Bereich und mit BWL,VWL und Medizin lässt sich mit einem Titel wesentlich mehr Geld verdienen und das Ansehen in der Gesellschaft ist höher (im Vgl zu einen technischen Fächern). Es ist also eine Kosten-Nutzen Rechnung.

    • F.K.
    • 09. August 2012 13:21 Uhr

    dass dem Ghostwriter der "Teilchenbeschleunger" (meist ist es dann eher eine vergleichswese kleiner Versuchsaufbau zur Messung von Strömungen, Wärmeströmung und dgl.) nicht zur Verfügung steht.
    Aber den ersten Abschnitt kann ich so nicht stehen lassen. Natürlich baut auch die Maschinen-Bau Promotion auf Bestehendem auf. Aber irgendwie muss dort auch etwas neues geschaffen werden. Das ist nicht immer (eigentlich fast nie) etwas die Welt verändendes. Aber irgendwie wird eine Messung erstmalig gemacht und ausgewertet, irgendwie wird in ein Rechenprogramm für einen speziellen Effekt ein Modell eingesetzt oder so etwas. Und dazu muss man ja etrst einmal Wissen erwerben. Ich z.B. kalkuliere bei der Formulierung von Promotionsthemen allein für die Einarbeitung in das Thema 3-4 Monate, und zwar mit meiner Hilfe (also geeignete Literatur zur Verfügung stellen, Überblick über die Akteure auf diesem Gebiet geben usw). Ich habe andererseits mir mal die Prom. von unserem wohl berühmtesten Plagiator durchgeblättert. Also unabhängig von dem Plagiatsvorwurf habe ich mich gefragt, welcher Beitrag mit dieser Arbeit geleistet wurde, wo dort etwas noch nicht Dagewesenes erarbeitet wurde. Und da bin ich eigentlich auch mal dafür, dass der Name des Profs., der nach Durchlesen der Arbeit die Empfehlung zur Zulassung zur mündlichen Prüfung gegeben hat, öffentlich gemacht wird.

  6. Das erinnert mich an die heißen Studienphase meiner Schwester, als sie gerade an der Hausarbeit für ihr Staatsexamen saß. Ich war in dieser Zeit ihre persönliche Sekretärin und Haushälterin.

    Sie hat tagein, tagaus, von früh bis spät in der Bibliothek gesessen, Gesetzesbücher und juristische Zeitschriften gewälzt. Spät abends kam sie dann mit einem Riesenpacken Notizen nach Hause.

    Während sie in der Bibo saß, habe ich zu Hause ihre Notizen abgetippt (damals gab es noch keine Notebooks), in Textform gebracht, gegliedert und abends beim Essen zur Nachkorrektur vorgelegt.

    Meine Bezahlung: Ewige Dankbarkeit.

    Ist das auch schon "Ghostwriting"? ;)

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    Zur wissenschaftlichen Arbeit gehört nämlich nicht nur die wissenschaftliche Recherche oder das Experiment, sondern genau das, was am Ende Sie statt Ihrer Schwester geleistet haben, nämlich das Gliedern, Formulieren, das richtige Zitieren, die Herstellung logischer Zusammenhänge und ähnliches.
    Allenfalls das reine Tippen und Korrekturlesen kann man durchgehen lassen! Im Übrigen ist hinter einer Examens- oder einer Doktorarbeit eine eidesstattliche Erklärung, dass die Arbeit ohne fremde Hilfe angefertigt wurde und die gesamte verwendete Literatur im Anhang angegeben wurde.
    Wie wir mehrfach in den letzten Jahren gesehen haben, kann sowohl der Doktortitel als auch ein Examen nachträglich aberkannt (einkassiert) werden!

    ...denn dadurch erhielt ihre Schwester ggü. anderen Studenten einen Vorteil und sie hat sie nicht selbst geschrieben. Ich habe meine jur. Examenshausarbeit selbst geschrieben, Literatur selber rausgesucht, gewälzt und inkl. Verzeichnis zitiert. Ich hatte damals zum Glück schon einen Laptop zur Verfügung.

    • Oyamat
    • 09. August 2012 19:40 Uhr

    SubspaceEcho am 09.08.2012 um 12.42 Uhr: "Während sie in der Bibo saß, habe ich zu Hause ihre Notizen abgetippt (damals gab es noch keine Notebooks), in Textform gebracht, gegliedert und abends beim Essen zur Nachkorrektur vorgelegt.
    ...
    Ist das auch schon "Ghostwriting"? ;) "

    Das hängt davon ab, was Ihre Schwester in der Dissertation dazu gesagt hat. Wenn irgendwo an einer Stelle, wo man das erwartet (am Ende vom Vorwort, in den Danksagungen, evtl. sogar in der eidesstattlichen Erklärung) klar gesagt wurde, daß es so eine Hilfeleistung von Familienangehörigen gegeben hat, ist es klar *kein* Fall von "ghostwriting", weil es keinen "ghost" gibt. Es ist eine Hilfeleistung. Wenn sich aus entsprechenden Stellen ergibt, welcher Anteil der Leistung von einem anderen erbracht wurde, und die Fakultät es akzeptiert hat, wäre jedenfalls meine erste Frage, warum die Prüfer nichts gemerkt haben.

    Andernfalls ist es vermutlich schon grenzwertig. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit eine Gliederung bei juristischen Themen eine eigenständige Leistung darstellt und wieviel davon sich bereits aus den Notizen ergeben hat, aber da krazt es jedenfalls schon etwas an der Theorie der "eigenen Leistung", würde ich meinen.

    MGv Oyamat

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeit | Missbrauch | Wissenschaft | Freizeit | Gefängnis | Geld
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