Design Thinking : Ich denke, also bin ich in Potsdam

Alle klagen über Ideenlosigkeit. Eine Potsdamer Akademie will das ändern und aus Durchschnittsabsolventen kreative Erfinder machen. Ob das klappt?
Ein Design Thinking-Kurs am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam © HPI

Überall fehlt es an Ideen. Fußballklubs im Spiel nach vorn und der Regierung beim Kampf gegen Zocker an den Börsen. Auch der Arbeitgeber von heute kämpft mit allen Mitteln gegen Ideenlosigkeit – mit Mindmaps, Brainstormings und literweise Latte macchiato.

In Potsdam will man das ändern. Am Hasso-Plattner-Institut (HPI) sollen Durchschnittsabsolventen lernen, kreativ zu denken und auf bessere Ideen zu kommen. Normalerweise forschen am HPI Informatiker an neuen Techniktrends: etwa Suchfunktionen für den gesprochenen Inhalt von Videos oder fußgesteuerte Computer. Ganz oben im dritten Stock haben auch Nicht-Informatiker Zutritt. Seit fünf Jahren gibt es dort die d.school . Das "d" steht für Design Thinking , eine Methode aus Amerika , die Studenten und Forscher auf andere Gedanken bringen soll.

Die d.school besteht aus einem runden Flur und sieht aus wie ein Ufo. In der Mitte ist ein großes Loch, abgetrennt durch Glasscheiben, darunter liegt das Treppenhaus. Sebastian Schulz ist hier zum Design Thinker geworden, jedenfalls vom Kopf her. Von außen sieht er immer noch aus wie der Physik-Absolvent, der er vor der d.school gewesen ist: schlaksige Figur, hohe Stirn, wenig Haare, schwarzes Sakko, bestimmt zwei Nummern zu groß.

Zurück zum vernünftigen "Mensch-Sein"

Wäre Schulz' Karriere wie geplant verlaufen, wäre er jetzt nicht Erfinder, sondern untersuchte Sternenwinde. Doch vor ein paar Jahren bekam er eine Mail mit dem Betreff Design Thinking . "Da hab ich mich erst mal nicht angesprochen gefühlt", sagt Schulz. "Als ich meine E-Mails noch mal sortiert habe, habe ich gesehen, dass es da um neue Wege der Problemlösung geht." Das hätte ihn fasziniert.

Design Thinking hat nur am Rande etwas mit Oberflächengestaltung zu tun. Weil die Methode aus Amerika kommt, muss man Design in seiner englischen Bedeutung verstehen, nicht in der eingedeutschten: Design Thinking beschäftigt sich nicht nur mit dem Aussehen, sondern auch mit Funktion und Wirkung von Dingen und Prozessen. Dabei kann es zum Beispiel um ein Verkaufsgespräch gehen. Oder um die Eigenschaften eines neuen Produkts.

"Das Außergewöhnliche ist, dass man hier in interdisziplinären Teams arbeitet", sagt Ulrich Weinberg . Er ist der Leiter der d.school . "Diese Teams verstehen die gegenseitige Fachsprache nicht und werden dadurch zurückgeworfen auf ihr vernünftiges Mensch-Sein." Die Studenten merken: "Ich wusste gar nicht, dass ich so denken kann."

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

nunja …

… der artikel vor anderthalb monaten kam zwei tage vor bewerbungsschluss. fand ich cool, hab ich mich mal beworben. der artikel heute ist über ein studium, das ist im oktober anfangen darf, weil ich alle auswahlrunden überstanden habe :)
im ernst: alles, was ich bisher davon gesehen habe, IST echt cool. auch wenns ne menge kritik zu diesem ansatz gibt.

Kalter Kaffe in neuen Schläuchen

Ich habe mal so einen Workshop mitgemacht, es ist eine Mischung aus Brainstorming und altbekannten Kreativitätstechniken. Die Leute scheitern heute nicht daran, dass sie keine Ideen haben, sondern daran, dass ihre Ideen unrealistisch nicht oder sie sie nicht umsetzen können. Die Idee ist der Anfang und nicht das Ende. Deswegen sind Design-Thinking-Agenturen auch überflüssig wie Sprühkäse. Sie helfen einem dabei, Psduo-Aktivität zu entwickeln, aber letzten Endes haben sie keinen Plan, weil ihre Aufgabe die Ideenentwicklung ist und es ihnen egal ist, ob die Ideen sinnvoll oder umsetzbar sind.

Auch das Kaffee-Problem lässt sich lösen ;)

Ich denke, nein ich weiß, dass ein Workshop wohl kaum ein ganzes Jahr Ausbildung rechtfertigt. In einem Workshop ist noch nie ein großes Unternehmen entstanden oder ein großes Produkt entwickelt worden. Das heißt aber nicht, dass Design Thinking als ganzes gescheitert ist.
Design Thinking ist kein Workshop, sondern eine Art der Arbeit und vor allem Zusammenarbeit, die analytisches denken um wirklich Problemlösendes denken erweitert.

Ich bestreite nicht, dass die meiste Methodik nicht neu Erfunden ist, aber um neue Erfindungen geht es beim Design Thinking eh nicht. Viel mehr darum, die richtigen Puzzleteile zusammen zu legen.
Die HPI School of Design Thinking macht das und ermöglicht es somit jungen Menschen viele Methodiken auf einmal zu lernen und die eigene Kreativität wieder zu entdecken.
Das alles, das sollte man nicht vergessen, kostenlos.

Zu meinem Hintergrund, ich bin selber seit 4 Jahren am Hasso Plattner Institut und weiß, dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird. Das heißt aber nicht, dass alles nur heiße Luft ist.

Pflaster drauf

Erst wird einem jegliche Kreativität, mit großem Erfolg in der Schule abtrainiert und dann wird sich gewundert wo die Ideenlosigkeit herkommt. 12 Jahre lang sind sie fast nicht oder nicht gefragt und dann soll man nach Möglichkeit vor Ideen nur so sprühen. Es sind anscheinend nur wenige die sich ihre Kreativität bewahren können. Anstatt an der Wurzel anzusetzen, gibts dann halt ein Pflästerchen auf die Wunde.