Wenn der Bauingenieur Jose Manuel Carvalho Ausschau nach Stellenanzeigen hält, ist das Ergebnis immer dasselbe: In seiner Heimat Portugal findet er nichts. Sucht er aber auf deutschen Websites, gibt es Dutzende offene Stellen. "Deshalb mache ich am Goethe-Institut in Lissabon gerade einen Sprachkurs", sagt der 37-Jährige. Für ihn steht fest, dass er auswandern wird.

Wie Carvalho belegen immer mehr junge Menschen aus südeuropäischen Ländern Deutschkurse – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in der Bundesrepublik. "Die Nachfrage ist so hoch, dass die Kollegen in den Instituten in den betroffenen Ländern rotieren", sagt eine Sprecherin des Goethe-Instituts. Unter anderem in Spanien, Italien und Portugal habe man zusätzliche Deutschkurse einrichten müssen.

Von einer "riesigen Entwicklung" spricht auch Berthold Franke, der Regionalleiter Südwesteuropa des Goethe-Instituts. Um 80 Prozent sei die Nachfrage nach Deutschkursen in Spanien ab 2010 gestiegen – obwohl es schon zuvor "gute Zahlen" gegeben habe. Auch für die anderen Euro-Krisenländer ergeben aktuelle Statistiken des Instituts ein eindeutiges Bild: Um 18 Prozent stiegen allein im laufenden Jahr die Anmeldungszahlen für die institutseigenen Deutschkurse in Italien. Für Griechenland weisen die Statistiken ein Plus von knapp zehn Prozent in 2011 aus, für Portugal eines von 20 Prozent.

Arbeitslosenquote von über 15 Prozent

Anne Nicklich ist am Lissaboner Goethe-Institut für die Sprachkurse und Prüfungen verantwortlich und kann den Trend bestätigen. "Die Gründe, warum junge Portugiesen zunehmend Deutsch lernen wollen, liegen vor allem im beruflichen Bereich", sagt sie. Nicht verwunderlich, denn die Arbeitslosenquote in Portugal liegt momentan bei über 15 Prozent.

Ein Sprachkurs im Lissaboner Goethe-Institut kostet zwischen 330 und 390 Euro. Eine Menge Geld für die jungen Menschen, von denen viele von Arbeitslosengeld leben müssen. Doch ihre Ausweglosigkeit bringt sie dazu, das Geld irgendwie zusammenzukratzen.