In der Zeit, die Robert Ross wegen Bankraubs im Gefängnis saß, starb seine Mutter. Seinen Sohn bekam er nach der Windelphase erst im Alter von zwölf Jahren wieder zu Gesicht. Und doch sagt der 32-Jährige, er habe hinter Gittern Gutes erlebt. "Wenn ich den Menschen erzähle, dass ich dankbar bin für die 15 Jahre und vier Monate, zu denen ich verurteilt wurde - dann gucken die mich an, als ob ich verrückt wäre oder unter Medikamenten stünde", sagt Ross. "'Warum?' wird dann gefragt, und ich antworte: 'Nun, es hat für mich gedauert, herauszufinden, wer Jesus ist und mich wirklich in ihn zu verlieben und ihn seine Arbeit in mir tun zu lassen.'"

Ross arbeitet mittlerweile Vollzeit als Angestellter im Gotteshaus des Gefängnisses von Norco, Kalifornien. Hier meldeten sich vor vier Jahren erstmals Inhaftierte für ein Programm auf Hochschulniveau an, das sie dazu befähigen sollte, nach ihrer Entlassung zu missionieren oder sogar eigene Kirchengemeinden zu gründen. Ross spielt bei den Gottesdiensten Keyboard und Gitarre und gilt als eine der treibenden Kräfte bei dem überkonfessionellen Seminarprogramm, welches nun auf 18 Gefängnisse in Kalifornien und fast 900 Inhaftierte, darunter auch Frauen, ausgeweitet wird.

Gefangene, die an den Seminaren teilnehmen wollen, werden zunächst vom örtlichen Gefängnispfarrer befragt, sagt Donald Warrick, der protestantische Geistliche am Gefängnis Norco. Dann folgt ein straffes Programm: Die Studenten arbeiten sich durch 16 Einheiten, wozu jeweils 40 bis 50 Stunden Hausaufgaben gehören, für die es später Noten gibt. Die Kurse werden durch eine wöchentliche Videolektion mit anschließender Diskussion ergänzt, geleitet von einem Freiwilligen von außerhalb des Gefängnisses.

Abschlusszertifikat bietet neue Möglichkeiten

Bei einer Zeremonie erhalten die Absolventen am Ende ihr Zertifikat über "Studien der Christlichen Führung", mit dem sie ein Theologiestudium fortsetzen, Arbeit in einer Kirche bekommen oder ihre eigene Gemeinde gründen können. Für viele sei der Abschluss das erste Mal, dass sie eine akademische Herausforderung gemeistert haben, sagt Owen Daniels, ein Exhäftling, der jetzt in Norco unterrichtet. "Wir sprechen über Männer, die nie etwas fertig bekommen haben, die nie einen Job hatten."

"Dann fangen die Männer an, sich gegenseitig zu helfen, und ihre Noten verbessern sich – und wenn sie anfangen, Bestnoten zu kriegen, legen sie überragend los." Man sei von den Ergebnissen positiv überrascht und schwer beeindruckt, sagt Daniels. Ross ist sicher: "Wäre ich nicht verhaftet worden, wäre ich wohl tot."