Marie-Therese, 19: "Es gibt Notunterkünfte in Fitnessstudios"

"Als ich mich für mein Studium in Siegen entschieden hatte, war mein größtes Problem eigentlich, ob ich mein Bett von zu Hause mitnehme oder mir ein neues kaufe – dachte ich. Darüber mache ich mir jetzt erst mal keine Gedanken mehr.

Ich bin auf Wohnungssuche. Zum Glück kann ich vorübergehend beim Cousin meines Vaters – den ich bislang gar nicht kannte – wohnen. Allerdings habe ich hier nicht einmal Internet. Das Studentenwohnheim ist voll; um eine Wohnung zu finden, versuche ich es mit der altmodischen Variante und wälze Zeitungen. Das ist nicht so ergiebig, ich habe insgesamt nur vier Angebote gefunden. Am liebsten würde ich in einer WG wohnen, aber mittlerweile bin ich nicht mehr wählerisch. Nächste Woche habe ich noch mal zwei Vorstellungstermine, während der Unizeit, das muss jetzt ausnahmsweise sein.

Meistens bekomme ich gar keine Antworten auf meine Mails. Und wenn ich es ausnahmsweise doch bis zum persönlichen Vorstellungstermin schaffe, gibt es außer mir noch 20 weitere Bewerber. Aussichtlos.

Ich lasse mich trotz allem nicht stressen, eigentlich habe ich es noch gut getroffen mit meiner Notunterkunft bei den Verwandten. Die Lage ist ganz gut und ich habe ein eigenes Zimmer. Andere müssen jeden Tag von Köln pendeln, mit dem Auto sind das dann drei Stunden hin und zurück. Hier gibt es jetzt sogar eine Notunterkunft im Fitnessstudio. Dort zu wohnen, könnte ich mir nicht vorstellen. Da hätte ich es lieber mit einem Bett im Hotel oder in einer Jugendherberge versucht. Ich bin mal gespannt, wie die nächsten Wochen werden. Bisher habe ich nichts außer Kleidern in Siegen – nicht gerade die idealen Bedingungen zum Studieren."