"Betreten auf eigene Gefahr" steht auf Schildern auf dem Campus der Uni Regensburg. Würden die Studierenden die Warnung ernst nehmen, dürften sie keinen Fuß mehr auf den Campus setzen. Die Philosophische Fakultät ist mit Bauzäunen umstellt, zum Schutz vor herausbrechenden Gesteinsbrocken. Beinahe wäre selbst der Rektor von solch einem Brocken erschlagen worden, der sich aus der Betonfassade löste und neben ihm auf den Bauzaun krachte. "Das war ganz schön knapp", erinnert sich der Rektor, der noch mit dem Leben davon kam. Jahre später ist das Gebäude immer noch marode: "Für eine Sanierung fehlt uns das Geld."

Einmal kam Papst Benedikt höchstpersönlich zu Besuch an die Uni. Plötzlich wurde investiert: Das Verwaltungsgebäude wurde grau gestrichen, der Weg von der Eingangstür bis zum Audimax wurde schön gefliest. Der "Papstweg" fällt ins Auge. Denn das Gros der Flure in der Uni besteht nicht aus glänzenden Fliesen, sondern aus Pflastersteinen, wie man sie sonst nur von Gehwegen kennt. Manche Gänge können bei Regen nicht mehr trockenen Fußes durchquert werden, weil die Bausubstanz löchrig ist und das Regenwasser durchtropft.

Die deutschen Hochschulen sollen weltweit in der ersten Liga spielen, doch gleichzeitig sparen die Politiker die Bildung kaputt. Von "Bayerns größter Bruchbude" spricht die Süddeutsche Zeitung mit Blick auf die Uni Regensburg. Die Lehre ist sicherlich hochwertiger als der äußere Anschein der Gebäude, in denen sie stattfindet. Aber auch in den Lehr- und Studienbedingungen ließe sich vieles verbessern.

Verdichten, Verschulen, Umbenennen

Das Knausern bei den Bildungsinvestitionen verschiebt gewaltige Lasten in die Zukunft. Alle Exzellenz-Initiativen verkommen zum bloßen Ablenkungsmanöver, wenn sonst allerorten an der Zukunft gespart wird, anstatt für die Zukunft zu sparen. So mag vielleicht die schwarze Null im Staatshaushalt näher rücken, doch die wirkliche Belastung nachrückender Generationen wächst umso schneller.

Die Hochschulen werden seit den EU-Beschlüssen von Bologna 1999 von den Plänen der Bildungsreformer getrieben. Die Ideen waren gut, doch die Umsetzung missglückte: Kinderkrankheiten, die früh diagnostiziert waren, deren Behandlung aber immer wieder verschoben wurde.

Die Umstellung auf das neue System aus Bachelor und Master folgte oftmals dem Motto "Verdichten, Verschulen, Umbenennen". Enge Stundenpläne und Prüfungswut raubten Freiräume, über den Tellerrand des eigenen Studienfaches hinauszudenken, sich Nachhilfe zu nehmen, sich erst einmal im Uni-Leben zurechtzufinden. Vor allem für Studierende aus sozial schwächeren Elternhäusern wurde das Leben noch schwieriger.