Generationendebatte : Macht Deutschland zur Bildungsrepublik!

Das Knausern bei den Bildungsinvestitionen verschiebt gewaltige Lasten in die Zukunft, warnt der Autor Wolfgang Gründinger in seinem Buch "Wir Zukunftssucher". Ein Auszug

"Betreten auf eigene Gefahr" steht auf Schildern auf dem Campus der Uni Regensburg. Würden die Studierenden die Warnung ernst nehmen, dürften sie keinen Fuß mehr auf den Campus setzen. Die Philosophische Fakultät ist mit Bauzäunen umstellt, zum Schutz vor herausbrechenden Gesteinsbrocken. Beinahe wäre selbst der Rektor von solch einem Brocken erschlagen worden, der sich aus der Betonfassade löste und neben ihm auf den Bauzaun krachte. "Das war ganz schön knapp", erinnert sich der Rektor, der noch mit dem Leben davon kam. Jahre später ist das Gebäude immer noch marode: "Für eine Sanierung fehlt uns das Geld."

Einmal kam Papst Benedikt höchstpersönlich zu Besuch an die Uni. Plötzlich wurde investiert: Das Verwaltungsgebäude wurde grau gestrichen, der Weg von der Eingangstür bis zum Audimax wurde schön gefliest. Der "Papstweg" fällt ins Auge. Denn das Gros der Flure in der Uni besteht nicht aus glänzenden Fliesen, sondern aus Pflastersteinen, wie man sie sonst nur von Gehwegen kennt. Manche Gänge können bei Regen nicht mehr trockenen Fußes durchquert werden, weil die Bausubstanz löchrig ist und das Regenwasser durchtropft.

Die deutschen Hochschulen sollen weltweit in der ersten Liga spielen, doch gleichzeitig sparen die Politiker die Bildung kaputt. Von "Bayerns größter Bruchbude" spricht die Süddeutsche Zeitung mit Blick auf die Uni Regensburg. Die Lehre ist sicherlich hochwertiger als der äußere Anschein der Gebäude, in denen sie stattfindet. Aber auch in den Lehr- und Studienbedingungen ließe sich vieles verbessern.

Verdichten, Verschulen, Umbenennen

Wolfgang Gründinger

Jahrgang 1984, ist SPD- und Piraten-Mitglied. Als Autor mehrerer sozialwissenschaftlicher Bücher zählt er zur "jungen Elite Deutschlands" (Handelsblatt). Er promoviert an der Humboldt Universität zu Berlin über Demokratieforschung.

Das Knausern bei den Bildungsinvestitionen verschiebt gewaltige Lasten in die Zukunft. Alle Exzellenz-Initiativen verkommen zum bloßen Ablenkungsmanöver, wenn sonst allerorten an der Zukunft gespart wird, anstatt für die Zukunft zu sparen. So mag vielleicht die schwarze Null im Staatshaushalt näher rücken, doch die wirkliche Belastung nachrückender Generationen wächst umso schneller.

Die Hochschulen werden seit den EU-Beschlüssen von Bologna 1999 von den Plänen der Bildungsreformer getrieben. Die Ideen waren gut, doch die Umsetzung missglückte: Kinderkrankheiten, die früh diagnostiziert waren, deren Behandlung aber immer wieder verschoben wurde.

Die Umstellung auf das neue System aus Bachelor und Master folgte oftmals dem Motto "Verdichten, Verschulen, Umbenennen". Enge Stundenpläne und Prüfungswut raubten Freiräume, über den Tellerrand des eigenen Studienfaches hinauszudenken, sich Nachhilfe zu nehmen, sich erst einmal im Uni-Leben zurechtzufinden. Vor allem für Studierende aus sozial schwächeren Elternhäusern wurde das Leben noch schwieriger.

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Kommentare

66 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

"Knausern bei den Bildungsinvestitionen"

da hat der Autor wohl seine Lieblingspartei vergessen:

"Kretschmann will 11.600 Lehrer-Stellen streichen"

http://www.spiegel.de/sch...

Ist doch das selbe wie mit den Kantinenessen: "Es soll ein 4 Sterne Gericht werden zu den Kosten eines Sandwiches".

Vor allem sind auch langjährige SPD Stammländer wie Bremen und NRW keine Super Bildungsländer.

Das einseitige Bayern Bashing über die Zustände der Uni Regensburg könnte man auch mit den Zuständen der Uni Bochum gleichstellen.

Bayern hat mehr Geld, als NRW

Die Bayern stehen finanziell besser da, als NRW. Wenn die schon an der Infrastuktur knausern, ist das halt eine andere Hausnummer. Nebenbei haben die in den letzten Jahren ja richtig Knete in dem Bereich ausgegeben, aber Regensburg ist halt nicht München.

Nebenbei hat NRW, bezogen auf die jeweilige Gesamtbevölkerung, eine wesentliche höhere Studierendenquote als Bayern.

Lohnt sich Bildung für ein Bundesland?

NRW hat ungefähr die doppelte Anzahl von Studierenden wie Bayern, aber halt nur eine Quote 17:12 bei der Bevölkerungszahl. Von den Ländern BY,BW,NRW und Hessen ist hier NRW der Spitzenreiter. Die Entwicklung von Bayern und BW in den letzten Jahrzehnten wäre ohne die Bildungsnomaden und dem massenhaften Akademier-Zuzug aus dem Norden und Osten nicht zu stemmen gewesen. Gerade in Bayern ist ja lange Zeit das Hauptschul-Fähnchen geschwenkt worden.

Etwas böse ausgedrückt, kann man folgendes feststellen: Während NRW sehr viel Geld in die Ausbildung seiner Bürger gesteckt hat, gab man im Süden das Geld lieber für Subventionen zur Gewerbeansiedlung aus. Man braucht ja auch nur ein paar "Elite-Universitäten" peppeln und auf Seppl mit Laptop machen. Das reicht marketingtechnisch auch völlig aus. Sollen die anderen doch die Leute ausbilden, die die Arbeit hinterher machen.

Ich meinte nicht

Rendite für einen selbst (ich investiere in *meine* Bildung damit ich später mehr verdiene). Das rentiert sich in der Tat kaum noch.
Nein, ich meinte als Staat bzw. Gesellschaft. Ein Land, das einen ordentlichen Teil seiner Staatsausgaben in die Ausbildung seiner Kinder investiert, wird sehr viel besser dastehen als ein Land das eben dies nicht tut. Aber eben erst 20 Jahre später.

Mehr Geld hilft auch nicht.

Es fehlen Anreize zur Bildung für "bildungsferne Schichten" und eine Öffnung unserer allseitig verschulten und verwalteten Bildungssysteme.

Wenn Geld, dann Förderung von mittellosen Potenzialen durch privatwirtschaftlich finanzierte Stipendien.

Wirds natürlich bei uns nie geben, bedanken dürfen sich die Opfer bei den Linken.

Natürlich hilft mehr Geld

Fehlende finanzielle Sicherheit ist einer der Hauptgründe für die untersten Schichten nicht zu studieren. Das ist mein größtes Problem und das von tausenden anderen Studenten, das Geld.

Eine der Hauptaufgaben eines Staates ist die Bildung, dass kommt gleich nach Straßen bauen und ser weit vor Banken retten. Und wo sind den bitte die privatwirtschaftlich finanzierten Stipendien für mittellose?

Wer kein Geld hat, muss während dem Studium arbeiten, darunter leiden die Noten und Zeit für soziales Engagement belibt auch wenig. Und damit kommen viele dann schon garnicht mehr für ein Stipendium infrage.

Weitere Stipendien für die, die eh schon Geld haben, braucht es nicht. Es braucht Förderung in der Breite für die, die es benötigen. Dafür haben wir schon ein gutes Instrument, Bafög, einfach die Sätze und den Förderungsradius erhöhen. Und natürlich einmal Geld an die Hochschulen, das man seinen leeren Kaffeebecher mit dem Wasser das durch die Decke tropft wieder auffüllen kann, ist zwar praktisch, aber keine dieser Leistungen die Deutshcland zur Bildungsrepubik macht, dass ist einfach nur peinlich für ein so wohlhabendes Land wie unseres.

Vielleicht sollten wir Studenten aber auch einfach nur die Land- und Kreistage besetzen, dann haben wir wenigstens trockene Räume und Sitzplätze. Sollen sich die Politiker halt in Hörsäale setzen in denen es im Sommer an üftung , im Winter an Heizung und das ganze Jahr über an Sitzplätzen fehlt.

Sie sind lustig,

wie wollen sie erfolgreich studieren wenn sie nicht einmal meinen Kommentar verstehen?

Ihrem entnehme ich nämlich, dass wir grundsätzlich keine gegensätzliche Meinung haben.

Btw: Geld verdirbt den Charakter. Ich habe während meines Studiums immer gearbeitet, sowohl während des Semsters als auch in den Ferien. Hätte mir sonst weder das Studium, noch das notwendige Gras dazu verdienen können.

Ach ja: Bologna und das verschulte Studium sind m.E. der Sargnagel für das, was man gemeinhin unter "Bildung" versteht.

Privat oder nicht, es muss mehr Geld her.

Also wie man sozial benachteiligten Studenten das Leben erleichtern kann, ob nun mit privaten Stipendien oder staatlicher Unterstützung ist letztlich egal. Allerdings möchte ich anmerken, dass private Stipendien einer gewissen Willkür unterliegen. In den USA zum Beispiel sind die meisten Stipendien an sportliche Leistung gekoppelt (nix gegen Sport, nur warum ein guter Fußballer ein Stip für Wirtschaftswissenschaften besser nutzen soll als ein anderer, erschließt sich mir nicht.) Wenn der Staat es jedem Studenten ermöglichen würde, studieren zu können ohne nebenher jobben zu müssen, würden viele Leute viele Jahre einsparen können.

Zum Anderen wäre mehr Geld für Hochschulen ja nicht nur direkt für die Studenten sondern auch für das Lehrpersonal das, abgesehen von den Professoren, erbärmlich bezahlt wird. Da sind hochqualifizierte Leute mit Diplomen und Doktortiteln, die 3/4, 2/4 und gar 1/4 Stellen haben und kaum über die Runden kommen. Wenn das Geld dem wissenschaftlichen Unterbau zu Gute kommen würde, wäre schon vieles erreicht.

Und letztens wäre es auch schön, wenn die Gebäude in denen unterrichtet wird nicht unbedingt zusammenfallen würden.

Dafür ist leider Geld absolut notwendig und die private Finanzierung hat eben hierzulande nicht wirklich Tradition und verteilt sich zuweilen auch sehr ungerecht. Dennoch wäre Privatfinanzierung besser als nichts.

Strukturreform - ein Wort im Aufschwung

Neben dem Finanziellen lohnt ein Blick auf die Studienordnungen. Denn auch diese bedürfen offenbar einer Strukturreform: Seit Bologna geben die Studienordnungen akribisch die zu belegenden Veranstaltungen vor (z.T. bis hin zum Titel), so dass schon die Veranstaltungswahl wenig Freiraum für eigene Schwerpunktsetzungen oder Selbstentfaltung lässt. Heutige Studierende müssen ihre StO regelrecht "abstudieren", da diese für jedes Semester innerhalb der Regelstudienzeit das gesamte SWS-Pensum bereits vorgeben.
Solche Rahmenbedingungen führen dann schnell zu folgender Studierweise: Den Abschluss klar vor Augen, zählt nicht mehr die Leistung, sondern die Leistungen werden gezählt.
Dabei sollte doch immer Weg das Ziel sein.

Ein Verständnis von Bildung, die gerade nicht anwendungsbezogen ist, fehlt vollkommen. Bildung zum Selbstzweck scheint eher verpönt.

Ja, aber ;-)

... Förderung sollte sich eben meiner Meinung nach nicht NUR darauf beschränken mehr Geld zur Verfügung zu stellen und ich halte private Lösungen halt für effizienter.

Noch wichtiger fände ich, das System dahingehend aufzubrechen, dass Schulabschlüsse nur noch als Beleg der erbrachten Leistung gelten aber nicht mehr als Zugangsvoraussetzung für egal was.

Angenommen, ein Hauptschüler möchte sich nach einigen Jahren weiterentwickeln hat er in D. fast kein Chance.

Wäre die Zulassung zur weiterführenden Abschlüssen Abi, Studium nur bspw. an eine bestandene Aufnahmeprüfung gekoppelt, könnten sich Menschen egal welchen Alters weiterbilden. Die Betroffenen und der Staat (also wir) würden Zeit und Geld sparen, der Arbeitsmarkt würde belebt und vor allem würden Perspektiven eröffnet die es heute einfach nicht gibt.

Langfristig würde das auch vielen weiteren nachteiligen Entwicklungen entgegensteuern denn schlußendlich würden viele Menschen lernen was sie mit ihrem eigenen Willen erreichen können, das Privileg, aus einem "bildungsnahen" Haushalt zu kommen würde nicht mehr so viel zählen wie heute und Quereinsteiger würden neue Impulse geben.

Schlußendlich würde der Arbeitsmarkt wesentlich flexibler, kostengünstiger und effizienter gestaltet werden.

Und zum Schluß: Nichts ist gerechter als ein offener Wettbewerb. Im deutschen Bildungssektor gibt es weder "offen" noch "Wettbewerb" - sieht man mal von dem überkandidelten Schwerz "Exzellenz..." ab.

Nicht ganz, aber wir können uns einigen.

Naja. Wettbewerb mit privaten Mitteln in der Bildung können wir in den USA bewundern. Dort ist Bildung mittlerweile praktisch unerschwinglich. Und die, die es sich dennoch leisten haben meist Schulden bis an die Oberlippe. DAS ist nicht effizient, wenn Menschen mit hunderttausenden Schulden ins Leben starten. Privat ist nicht notwendigerweise effizienter. Zum Beispiel in Großbritannien schneiden die teuren Privatschulen im durchschnitt nicht besser ab als die staatlichen, wenn es um standardisierte Leistungstests geht. Die Privaten sind besser darin die Leute auf die Aufnahme, aber nicht auf die Arbeit an der Universität vorzubereiten.

Für die Erleichterung des Quereinstiegs bin ich durchaus. Da werden Sie in mir keinen Feind finden. Nur würde ich das Abi durchaus noch als Zugangsberechtigung für die Uni zulassen. Sonst würden die Aufnahmeprüfungen zu einem Ritual wie in Japan verkommen, wo dann die Leute die Quereinsteigen wollen von der Masse der Abiturienten, die sich schon in der Schule drauf vorbereitet haben erdrückt werden.

Offener Wettbewerb ist nur dann gerecht, wenn es keine Gruppe mit unfairen Vorteilen gibt (Ökonomenstichworte: Externalitäten, Assymetrische Information, fehlende Märkte), und das ist bei Bildung nunmal schwer schaffbar.

Ach ja.. wenn der Arbeitsmarkt noch flexibler wird, werd ich als junger Mensch überhaupt keine feste Stelle mehr bekommen. Das würde ich Ihnen übelnehmen!^^

Wo haben Sie denn das her?

"Wettbewerb mit privaten Mitteln in der Bildung können wir in den USA bewundern. Dort ist Bildung mittlerweile praktisch unerschwinglich. Und die, die es sich dennoch leisten haben meist Schulden bis an die Oberlippe."

An der US-amerikanischen Staatsuniversität, an der ich als Professor tätig bin, werden 30% der Einnahmen aus Studiengebühren zur finanziellen Hilfe für bedürftige Studenten bereitgestellt (an den Ivy League-Unis, mit denen sich deutsche Unis immer törichterweise messen wollen, ist das oft deutlich mehr, bei Harvard etwa 50%). Studenten aus Familien mit Jahreseinkommen unter $80,000 zahlen bei uns überhaupt nichts. Sportstipendien stellen bei der Finanzierung nur eine verschwindend geringe Minderheit dar, und werden nicht aus diesem Topf bezahlt (sondern durch Kartenverkauf etc.).

Wer in meinem Bundesstaat akademisch gute Leistung bringt oder bedürftig, bekommt auch ein Stipendium.

Oft ist halt das Bild ein wenig differenzierter, als es uns SPIEGEL Online vorgaukelt.

Statistik

Es mag sein, dass es ein wenig differenzierter ist, allerdings sprechen die Zahlen auch eine deutliche Sprache. Schauen Sie sich mal die durchschnittliche Verschuldung der Studenten an:

Hier ein passender link:

http://www.nytimes.com/in...

Sie mögen in der Hauptsache an Bachelor-Abschlüsse denken, wo die Förderung etwas besser ist. Graduate-Abschlüsse bescheren den Leuten erstmal exorbitante Schulden.

Und man sollte auch nicht vergessen, dass Kalifornien ja wohl einer der progressiveren Staaten ist und es unter den Bundesstaaten gewaltige Unterschiede in Einstellung und Finanzierungsmöglichkeiten gibt.

Außerdem

Man sollte auch nicht vergessen, dass auch wenn die Familie über 80.000$(auch 100k sind schnell weg) im Jahr hat, es immer noch kein Zuckerschlecken ist, Studiengebühren zu zahlen, wenn die Familie vielleicht mehr als 1 Kind hat. Etc. Also werden Leute mit 100k im Jahr wohl immer noch Schulden dafür aufnehmen müssen. Desweiteren ist Studieren in den USA ja auch aus anderen Gründen teuer. Ich denke da an die unverschämt hohen Preise für akademische Bücher, die man in Großbritannien für ein Zehntel des Preises bekommt. (auf meinen britischen Lehrbüchern steht immer drauf: Not to be sold in the US)

Außerdem?

"Man sollte auch nicht vergessen, dass auch wenn die Familie über 80.000$(auch 100k sind schnell weg) im Jahr hat, es immer noch kein Zuckerschlecken ist, Studiengebühren zu zahlen, wenn die Familie vielleicht mehr als 1 Kind hat."

Naja, nun ist es natürlich so, dass die Studiengebühren gestaffelt sind, also Eltern mit 100k Einkommen nicht gleich den Vollpreis zahlen. Bei dieser ganzen Studiengebühren-Diskussion darf man auch nicht vergessen, dass hier in USA die Steuerlast deutlich niedriger ist. Es ist eben eine andere Art, Bildung zu bezahlen: in Deutschland geschieht das ausschliesslich über das Steuersystem, was aber natürlich zu der oft beschriebenen paradoxen Situation führt, dass der Steuerzahler z.B. später den überbezahlten Ärzten und Juristen das Studium spendiert. (Klar zahlen die dann auch mehr Steuern, aber bei weitem nicht den Kosten des Studiums entsprechend.)

Nicht zu vergessen, dass man für das Geld dann aber auch etwas bekommt: bei meiner (staatlichen!) Uni, der LMU München vergleichbar, ist das Prof/Studi-Verhältnis 1/18, an der LMU 1/60.

"Ich denke da an die unverschämt hohen Preise für akademische Bücher, die man in Großbritannien für ein Zehntel des Preises bekommt. (auf meinen britischen Lehrbüchern steht immer drauf: Not to be sold in the US)"

Ich glaube nicht, dass die Bücher in GB deutlich billiger sind (sein können) als in USA, schon wegen Amazon. Im übrigen kaufen meine Studenten die Bücher einfach gebraucht, Problem erledigt.

wusste gar nicht

, dass es privatwirtschaftlich finanzierten Initiativen verboten wäre, zu fördern. Nur wenn man sich die üblichen Verdächtigen anschaut vergeben die ihre Stipendien (un)erstaunlich häufig Bewerbern, die sie überhaupt nicht bräuchten und häufig noch negativer milieuselektiv als die ganze Bildungslandschaft so schon ist. Gerade die netten Gremien, die dort über die Stipendien entscheiden tun dies gerne ihrem Bauchgefühl nach - da betont man dann z.B. das ehrenamtliche Engagement, versteht aber nicht wirklich, dass sich das manche wirklich unterstützungsbedürftige Bewerber gar nicht leisten können. Und beim gemütlichen Plausch in dem man sondiert ob der Bewerber zur Organisation/Stifter, ... passt entscheidet nicht selten ob man auf gemeinsamer Wellenlänge liegt - wann ist das bei einem Bildungsaufsteiger ohne familiären akademischen Hintergrund und den Entscheidenden in solchen Runden wohl der Fall?

Das beste (auch noch defizitäre) System wären die ungeliebten Aufnahmetests - allerdings nicht mit Puddingfütterungen, sondern mit allgemeinem Intelligenztest und fachspezifischem Test der Einstiegsvoraussetzungen.

die Statistik bleibt

Und die Statistik der studentischen Verschuldung zu der ich verlinkt habe haben Sie vollkommen ignoriert. Kam von der Bastion sozialistischer Propaganda die sich New York Times nennt.^^

Es mag ja sein, dass es nicht alles soo schlimm ist, wie sich das hierzulande darstellt. Nur muss man auch bedenken, dass das amerikanische System darauf aubaut, dass die Eltern es schaffen auch wirklich die Gelder aufzusparen, die notwendig sind. Klar, die Steuern sind niedriger, aber dennoch muss das Geld erstmal gespart werden. Menschen denken nunmal oft zu kurzfristig. Und manchmal kommt eben auch mal ein finanzieller Unglücksfall dazwischen. Wie sonst erklären Sie sich die enorme Verschuldung von Uniabgängern in den USA?

Was die Bücher angeht. Ich habe mich mehrmals( auch mit Amerikanern) über das Thema unterhalten. Ja, oft kann man über Amazon diese bücher billiger bekommen, oder eben aus zweiter Hand. Allerdings gibt es auch Bücher mit Seiten die man für den Kurs rausreißen muss, und da wird das schon schwieriger.

Im Übrigen... an meiner staatlichen Uni (in einem europäischen Land) gibt es an meiner Fakultät 120 Dozenten(Profs und Wissenschaftler), 100 Doktoranden, 200 Masterstudenten und vielleicht 200 in jedem Bachelorjahrgang. Macht ein Verhältnis von grob 1-9. Und das bei nicht existenten Studiengebühren.

Die Gründe der Verschuldung.

"Wie sonst erklären Sie sich die enorme Verschuldung von Uniabgängern in den USA?"

Die hat diverse Gründe:

1. die Versuchung, sich an der besten Uni, in die man reinkommt (hier muss man sich ja zum Studium bewerben!), auch einzuschreiben, ist hoch- dabei wird oft nicht bedacht, ob man es sich auch leisten kann;

2. die Naivität der Studenten bei der Wahl des Hauptfachs (mit english majors kann man die Strasse pflastern, in meinem naturwissenschaftlichen Fach, das als schwierig verschrien ist, bekommen alle Absolventen auch einen Job);

3. die erwähnte Unfähigkeit der Eltern, die Erziehung ihrer Kinder finanziell vorauszuplanen (obwohl dies von Staats wegen durch steuerbefreite Anlageformen unterstützt wird); wir haben jedenfalls schon bei Geburt unserer Kinder angefangen, jeden Monat einen kleinen Betrag dafür zur Seite zu legen.

"Allerdings gibt es auch Bücher mit Seiten die man für den Kurs rausreißen muss, und da wird das schon schwieriger."

Nicht in meinem (MINT) Fach.

"Im Übrigen... an meiner staatlichen Uni (in einem europäischen Land) [...] ein Verhältnis von grob 1-9. Und das bei nicht existenten Studiengebühren."

Ich habe auch meine GANZE Uni betrachtet, und die "Dozenten" nicht mitgerechnet; in meinem Fach haben wir 55 Professoren, 150 Doktoranden, etwa 100 Bachelor-Studenten pro Jahr, macht ein Verhältnis von 1/10.

Wir sind uns aber darüber einig, dass die Situation derzeit in Deutschland recht grauenhaft ist, im Vergleich zu dem, was wir gerade erleben.

ha, welcher König möchte...

Sind wir doch mal ehrlich, wenn der Staat seine Kinder bilden wollen würde, dann könnte er dies - Geld ist genug da!
Man braucht halt nur nicht Milliarden für irgendwelche Kriegsspiele oder
U-Boot Geschenke ausgeben...

Die erste Bildungsreform kam durch Friedrich II., auch Friedrich der Große genannt, weil die Kinder durch die Kinderarbeit in Mühlen und Bergwerken verkrüppelt waren und zu dumm ein Gewehr zu bedienen, mussten sie die Schulbank drücken - also zum Wohle des Staates. Der Fritz brauchte gesunde Jungs für seine Armee.
Wilhelm II. unser letzter Kaiser hatte wohl einen Narren an den Naturwissenschaften gefressen und deshalb ebenfalls in die Bildung investiert. Wohl aber mehr in die Eliten-Förderung. Daher kamen in den 20er bis 30er Jahren die ganzen Nobelpreise! Das war gut, sehr gut - davon zerren wir noch heute!
Wenn der Staat will, dann kann er.

Die 68er Bewegung/'Revolution' sitzt den Politikern/der Industrie noch heute in den Knochen. Die Studenten waren gebildet und wollten nicht mehr alles mit sich machen lassen.
Ergo, sie waren *zu schlau*!

Welcher König möchte ein Volk haben, welches schlauer und gebildeter ist, als der König selbst?
Selbst wenn das Ziel ein lohnendes wäre, es wird leider nicht passieren...

Volle Zustimmung

Dank Bachelor und Master und dem Verdichten vom Stoff kommt der Student gar nicht zum Nachdenken, zur Weltverbesserung, sondern er kann sich voll und ganz aufs Studium konzentrieren, bzw wenn er denn in die Versuchung kommt über den Tellerrand zuschauen, dass er dann ganz schnell wieder aus der Uni ausscheidet.
Es wäre ja schlimm für die Politiker- und Finanzelite, wenn es zu Umbrüchen in der Gesellschaft kommen würden.

Die Aufgaben des Staates sollten die Bereitstellung der Infrastruktur(Mobilität, Bildungs, Sozialer Frieden) sein. Aus der Wirtschaft soll er sich heraushalten und insbesondere die Marktkräfte in der Finanzbranche zur Geltung kommen lassen. Dann wäre nicht nur den Unis geholfen, sondern direkt auch den sog. PIIGS-Staaten.