Uni-Absolventen Viele Angsthasen, kaum Unternehmergeister

Deutschlands Studenten eint ein gemeinsames Ziel: die Festanstellung. Eine Unternehmensgründung wagen die wenigsten. Es sei denn, das Startkapital beträgt nur fünf Euro.

Sein eigener Chef sein – das klang für Sebastian Winkler schon immer verlockend. Die Geschäftsidee dafür tüftelte der 29-jährige Diplominformatiker in seinem Wohnzimmer zusammen mit drei Freunden aus: Eine Software für Smartphones, mit der man große Datenmengen versenden kann.

Unterstützung suchten die Nachwuchsunternehmer beim Gründerzentrum der Berliner Humboldt-Universität (HU). "An dem Antrag haben wir Monate gefeilt", sagt Winkler. Mit Erfolg: Für ihr Geschäftsmodell bekommt das Team nun ein Jahr lang ein Stipendium und Büroräume, die sie kostenlos benutzen dürfen.

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Mit ihrem Traum einer eigenen Firma sind Winkler und seine Kollegen hierzulande Exoten. Die Universität St. Gallen befragte jüngst 93.000 Studenten aus 26 Ländern, wie sie zu einer Unternehmensgründung stehen. Ergebnis: Die deutschen Studenten sind zusammen mit Finnen, Japanern und Niederländern am gründungsunwilligsten. 78 Prozent der angehenden Akademiker hierzulande wollen lieber als Angestellte arbeiten.

Jede fünfte Gründung geht pleite

Woran liegt das? Eine Antwort gibt Volker Hofmann von der Humboldt-Innovation, dem Gründungszentrum der HU Berlin. Deutschland habe im internationalen Vergleich einen innovativen Mittelstand, deshalb sei es für viele Studenten attraktiv, bei einer Firma angestellt zu sein. "Viele Studenten schreckt das Risiko ab, das eine Unternehmensgründung mit sich bringt." Die Angst ist nicht ganz unberechtigt: Jede fünfte Gründung von HU-Studenten geht früher oder später pleite.

Auch an der TU Dresden weiß man um Finanzierungsschwierigkeiten. Etwa 50 Studenten versuchen hier jedes Jahr, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. "Es ist wichtig, frühzeitig mit vielen potenziellen Käufern ins Gespräch zu kommen", sagt Frank Pankotsch, Geschäftsführer des Gründerzentrums. Dann seien die Chancen höher, einen Investor zu finden.

Leser-Kommentare
  1. ...Überschrift, für eine Entscheidung die einen lebenslange Schulden bescheren kann.

    An die Autorin: Warum schreiben Sie denn noch Artikel für die Zeit anstelle ein eigenes Unternehmen zu gründen, oder sind sie ein Angsthase?

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    und wenn ein mutiger "Unternehmergeist" dann pleite geht und von ALG II lebt, gibt's einen neuen Artikel über Sozialschmarotzer.

    • Chali
    • 08.10.2012 um 17:39 Uhr

    Ich wollte gerade die mitigen Journalisten erwähnen, die ich als Freelancer selbstständig machen.

    Ihnen muss ja eine glänzende Zukunft bevotstehen, diesen Mutigen.

    Mal sehen, was Google bietet ...

    und wenn ein mutiger "Unternehmergeist" dann pleite geht und von ALG II lebt, gibt's einen neuen Artikel über Sozialschmarotzer.

    • Chali
    • 08.10.2012 um 17:39 Uhr

    Ich wollte gerade die mitigen Journalisten erwähnen, die ich als Freelancer selbstständig machen.

    Ihnen muss ja eine glänzende Zukunft bevotstehen, diesen Mutigen.

    Mal sehen, was Google bietet ...

  2. ...meiner subjektiven Meinung nach sind da der Nannystaat und ein Schulsystem das alles und alle in Watte legen will.
    In der Schule die meine Töchter besuchen, wollte man tatsächlich Fussball abschaffen, weil die Jungs "zu aufgedreht" aus der Pause kommen.
    Wie kann ich von einer Generation die nichts mehr darf, erwarten das sie ein derartiges Risiko wie Selbstständigkeit auf sich nimmt?
    Meine zugegeben subjektive Meinung...

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    Oh je, da sollten Sie gleich die neuste Southpark-Folge schauen (legal, kostenlos auf Southpark.de, Name: Sarcastaball). :-)

    Ansonsten zum Artikel: Nicht Feigheit mit kompletter Unmöglichkeit langfristiger Planung verwechseln! Auch ältere Menschen werden heute eher Zurückhaltend sein mit Neugründungen, u.a. weil sie klug genug sind und sehen, dass Europa gerade am Wendepunkt steht. Die heutige Jugend ist erst in den Nachwehen der Wiedervereinigung aufgewachsen ("Sparen"), dann kam 9/11 inkl. aller Paranoia ("Sicherheit"), danach HartzIV ("Sparen und Arbeit für jeden Preis") und dann haben alle gesehen, wie super und gemeinnützig der sich selbst überlassene (aka: verwahrloste) Bankensektor wirklich funktioniert ("Sparen!!!"). Kurz: wir haben nichts gesehen, dass danach aussah, als obs klug wäre, mal was zu wagen. Wir haben, da die Krise nicht von uns verursacht wurde, vielleicht auch gewisse Zweifel, wer hier noch kompetent genug sein könnte, uns was zu lehren diesbezüglich! Schließlch wollen wir - nachdem absolut unkuschelig durchs Bildungswesen durchgepeitscht (wie kommen Sie überhaupt darauf, es sei kuschelig gewesen?) - einfach mal Phasen der Ruhe und der Gewissheit: auch wenn ich jetzt nicht voll ranklotze, kann ich hier noch glücklich werden. Das-Ranklotzen-weil-dein-Leben-hängt-davon-ab-Dogma hatten wir halt schon die letzten 20-25 Jahre und zwar wahrhaft nicht irgendwie kuschelpädagogisch, sondern sonst-landet-ihr-in-der-Gosse-Gerede und das seit der Grundschule.

    Meine Frau und ich haben vor einem Monat einen Sohn bekommen. Der wird jedenfalls nicht zum Opfer erzogen. Diese ganze antiheroische "Pädagogik" der Verhaustierung des Mannes läuft mittlerweile darauf hinaus jegliche Aktivität, jeglichen Tatendrang und Schöpferwillen abzustellen. Die von der Leyens dieses Landes finden sowas natürlich super: alles brave Untertanen

    Oh je, da sollten Sie gleich die neuste Southpark-Folge schauen (legal, kostenlos auf Southpark.de, Name: Sarcastaball). :-)

    Ansonsten zum Artikel: Nicht Feigheit mit kompletter Unmöglichkeit langfristiger Planung verwechseln! Auch ältere Menschen werden heute eher Zurückhaltend sein mit Neugründungen, u.a. weil sie klug genug sind und sehen, dass Europa gerade am Wendepunkt steht. Die heutige Jugend ist erst in den Nachwehen der Wiedervereinigung aufgewachsen ("Sparen"), dann kam 9/11 inkl. aller Paranoia ("Sicherheit"), danach HartzIV ("Sparen und Arbeit für jeden Preis") und dann haben alle gesehen, wie super und gemeinnützig der sich selbst überlassene (aka: verwahrloste) Bankensektor wirklich funktioniert ("Sparen!!!"). Kurz: wir haben nichts gesehen, dass danach aussah, als obs klug wäre, mal was zu wagen. Wir haben, da die Krise nicht von uns verursacht wurde, vielleicht auch gewisse Zweifel, wer hier noch kompetent genug sein könnte, uns was zu lehren diesbezüglich! Schließlch wollen wir - nachdem absolut unkuschelig durchs Bildungswesen durchgepeitscht (wie kommen Sie überhaupt darauf, es sei kuschelig gewesen?) - einfach mal Phasen der Ruhe und der Gewissheit: auch wenn ich jetzt nicht voll ranklotze, kann ich hier noch glücklich werden. Das-Ranklotzen-weil-dein-Leben-hängt-davon-ab-Dogma hatten wir halt schon die letzten 20-25 Jahre und zwar wahrhaft nicht irgendwie kuschelpädagogisch, sondern sonst-landet-ihr-in-der-Gosse-Gerede und das seit der Grundschule.

    Meine Frau und ich haben vor einem Monat einen Sohn bekommen. Der wird jedenfalls nicht zum Opfer erzogen. Diese ganze antiheroische "Pädagogik" der Verhaustierung des Mannes läuft mittlerweile darauf hinaus jegliche Aktivität, jeglichen Tatendrang und Schöpferwillen abzustellen. Die von der Leyens dieses Landes finden sowas natürlich super: alles brave Untertanen

  3. und wenn ein mutiger "Unternehmergeist" dann pleite geht und von ALG II lebt, gibt's einen neuen Artikel über Sozialschmarotzer.

    22 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Etwas reißerische"
  4. ... Stipendien an, wieviele Stipendien gibt es denn gerechnet auf die Zahl an Hochschulabsolventen? Selbst wenn sich nur 10% der Absolventen selbstständig machen wollten, kämen auf diese Zahl vielleicht 0.1% Stipendiatsstellen.

    Die Zuschrift ist nicht nur zugespitzt, sie verkennt die Ernsthaftigkeit einer Unternehmensgründung und generalisiert Menschen, die berechtigte Bedenken an einer Selbstständigkeit haben, als Menschen denen der Mut abginge. Das ist unrichtig, frech und verkennt die Komplexität einer Unternehmensgründung.

    17 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Ihre Kritik"
  5. Seit Sommer habe ich meinen Master in der Tasche. Ich hatte bereits während des Studiums mehrere gute Jobangebote zur Auswahl. Und trotzdem habe ich mich dafür entschieden, ein Unternehmen zu gründen. Natürlich geht man Risiko ein. Natürlich gibt es Ungewissheiten. Natürlich kann einem keiner die Garantie geben, dass alles genau so kommt, wie man es plant. Und? Risiken wird es immer geben. Das Leben endet mit dem Tod. Und auch der Staat ist nicht Schuld daran, dass es zu wenig Gründer gibt. Wer wirklich etwas will und 100% von seiner Idee überzeugt ist, der lässt sich von bürokratischen Lapalien nicht aufhalten. Denn schließlich beweisen ja andere Gründer, dass es definitiv geht!! Man muss es nur WOLLEN und vor Allem MACHEN. Und daran scheitert es in Deutschland. Wir sind Weltmeister im Erfinden von Ausreden.

    Viele können gar nicht nachvollziehen, wie fruchtbar die Umgebung einer Unternehmensgründung sein kann. Da entstehen permanent neue Kontakte, man baut Netzwerke auf, man befruchtet sich gegenseitig, es entstehen Abwandlungen der initialen Idee, neue Wege tun sich auf, man ist Schöpferisch tätig. D.h. selbst wenn die ursprüngliche Idee scheitert, entwickelt man sich in Bezug auf Unternehmensgründung, Märkte, Sozialkompetenzen usw. immer weiter. Wir müssen dieses verdammte Stigma des Scheiterns endlich aus dem kollektiven Bewusstsein verbannen! Jede Tätigkeit, jedes Abenteuer bringt den Menschen weiter.

    13 Leser-Empfehlungen
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    Dann sind Sie entweder finanziell abgesichert oder ein hoffnungsloser Idealist.
    Oder haben es so geschickt konstruiert, dass Sie persönlich für gar nichts haften.

    Im Normalfall hängt an einer Selbständigkeit, die ja in der aller größten Zahl der Fäller keine Unternehmen im größeren Sinne sind, die Existenz eines Menschen oder einer Familie. Und wenn die Gründung dann scheitert, ist diese zerstört.

    Von daher finde ich es etwas schwierieg, etwas positives oder neutrales am Scheitern zu finden.

    Dann sind Sie entweder finanziell abgesichert oder ein hoffnungsloser Idealist.
    Oder haben es so geschickt konstruiert, dass Sie persönlich für gar nichts haften.

    Im Normalfall hängt an einer Selbständigkeit, die ja in der aller größten Zahl der Fäller keine Unternehmen im größeren Sinne sind, die Existenz eines Menschen oder einer Familie. Und wenn die Gründung dann scheitert, ist diese zerstört.

    Von daher finde ich es etwas schwierieg, etwas positives oder neutrales am Scheitern zu finden.

  6. bzw. die kommune. Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Steuern und unsinnige Regeln der Staat erfindet, um Unternehmer zu blockieren und ihre Energien zu binden. Da ist die Unterscheidung zwischen Freiberufler und Gewerbe, die Gewerbesteuer, die Gewerbeanmeldung, die Zwangsmitgliedschaft in irgendwelchen Kammern. Meine Stadt hat glattte acht Wochen gebraucht, um mir eine Steuernummer zuzuteilen. [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/mak

    12 Leser-Empfehlungen
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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    • Chali
    • 08.10.2012 um 17:39 Uhr

    Ich wollte gerade die mitigen Journalisten erwähnen, die ich als Freelancer selbstständig machen.

    Ihnen muss ja eine glänzende Zukunft bevotstehen, diesen Mutigen.

    Mal sehen, was Google bietet ...

    10 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Etwas reißerische"
  7. Ich dachte man wünscht sich mehr Nachwuchs von Akademikern? Jetzt sollen sie neben dem Windelwechseln und den schlaflosen Nächten auch noch mindestens 50-60 Stunden pro Woche noch eine Unternehmensgründung durchführen? Ach ja, und der Studienkredit muss ja auch noch abbezahlt werden. Ich finde das alles ein wenig viel verlangt.

    Ich plane ja selbst ein Unternehmen zu gründen, aber das liegt noch ein paar Jahre entfernt. Mich schrecken vor allem der Aufwand und die Kosten ab. Ich weiß nicht, wie ich neben meinem Beruf und Familie noch ein Startup-Unternehmen auf die Beine stellen soll; und fange deswegen erstmal ganz klein und vorsichtig an. Den derzeitigen Job zu kündigen, ist hirnrissig und unverantwortlich gegenüber meiner Familie. Ich könnte mir höchstens vorstellen, von 40 Stunden pro Woche auf 30 oder sogar 20 Stunden herunterzugehen, um die Existenzgründung foranzutreiben. Das will alles wohl überlegt sein.

    9 Leser-Empfehlungen

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