Die neue Québecer Regierungspartei Parti Québécois (PQ) hat die umstrittene Studiengebührenerhöhung gestoppt. Bei einer Konferenz vor wenigen Tagen nahm Premierministerin Pauline Marois auch das umstrittene Gesetz 12 zurück, das Grundrechte wie die Demonstrations- und Versammlungsfreiheit einschränkte. Ihr Vorgänger Jean Charest hatte das Gesetz im Mai eingeführt, um die massiven Studentenproteste gegen eine Erhöhung der Studiengebühren einzudämmen.

Die Studenten konnten ihre Forderungen damit durchsetzen. "Heute ernten wir die Früchte unserer Arbeit", sagt die Vorsitzende der Studentenorganisation FEUQ, Martine Desjardins. Nach Einschätzung der Studentensprecherin werde sich die Lage an den Universitäten nun entspannen: "Die Zurücknahme der Studiengebührenerhöhung beendet den Konflikt." Die Regierung habe ihr Verhalten geändert und verstanden, dass es besser sei, mit den Studenten zusammenzuarbeiten.

An den Québecer Unis herrschte zuvor monatelang der Ausnahmezustand: Die Pläne des ehemaligen Premierministers Jean Charest, die Studiengebühren massiv zu erhöhen, hatten zu Streiks, Demonstrationen und Unterrichtsausfällen geführt.

Studentenvereinigung will weiter streiken

Neben der FEUQ will auch die Studentenvereinigung FECQ den Streik beenden. Anders sieht es bei der dritten großen Québecer Studentenvereinigung CLASSE aus. Der Organisation zufolge haben vergangenen Samstag erneut mehrere tausend Studenten den Unterricht boykottiert. Viele Québecer seien dem Aufruf der CLASSE gefolgt und hätten wie üblich am 22. eines Monats demonstriert. "Dieser Sieg ist nicht das Ende des Kampfes und die Mobilisierung von Studenten und Bevölkerung muss weitergehen", sagt ein Sprecher der Vereinigung. Bei einer Versammlung am Wochenende wollen die Studenten einen Aktionsplan für das kommende Jahr aufstellen.

Die CLASSE sieht in der Entscheidung der Regierung nur einen "Sieg auf Zeit" und fordert – im Gegensatz zur FECQ und FEUQ – eine komplette Abschaffung der Studiengebühren. Vizesprecherin Camille Robert hält eine kostenlose Hochschulausbildung für möglich: "Das ist eine Frage des politischen Willens."

Kooperation statt Konfrontation

Andere, wie etwa der Biochemie-Doktorand Xavier Deschênes-Simard, bestreiten das. "Die Idee der kostenlosen Bildung ist in der Provinz politisch sehr unpopulär und noch mehr im restlichen Teil Nordamerikas." Eine Partei, die politisch erfolgreich sein will, könne sich momentan nicht dafür engagieren. Zudem habe eine gewisse Beteiligung der Studenten an ihrer Bildung auch positive Seiten. Beispielsweise gingen sie so ihr Studium ernsthafter an und strengten sich mehr an, um so viel wie möglich davon zu profitieren.

Deshalb unterstützt Deschênes-Simard die Idee der Premierministerin, die Studiengebühren der Inflation gemäß anzuheben. Damit will die Premierministerin die steigenden Ausgaben der Universitäten deckeln. Die drei Studentenvereinigungen FECQ, FEUQ und CLASSE haben sich dagegen ausgesprochen.

In Kürze will die PQ mit allen Akteuren einen Gipfel zum Thema Hochschulbildung abhalten. Dort will Marois die Frage der Inflation diskutieren. Studentensprecherin Desjardins ist zuversichtlich, dass die Studenten ihre Standpunkte beim Gipfel vertreten können. Bis dahin setze sie auf Kooperation statt auf Konfrontation.