Lärmforschung : Wie Musik der Konzentration schadet
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Musik im Hörsaal – eine gute Idee?

ZEIT ONLINE: Sollte man also die Hörsäle mit solcher Musik beschallen, damit die Studenten besser lernen?

Klatte: Nein, sicher nicht! Im Hörsaal kommt es ja vor allem auf das Sprachverstehen an. Jede Art von Hintergrundgeräuschen kann Sprache maskieren und dadurch das Zuhören erschweren. Wenn man sich sehr anstrengen muss, um den Dozenten zu verstehen, vergeudet man geistige Kapazität, die man eigentlich für das Behalten und Verarbeiten der gehörten Information bräuchte – und man lernt weniger. Auch wenn man gerade noch versteht, was vorne gesagt wird, kann man sich später schlechter an die Inhalte der Vorlesung erinnern. In Klassenräumen und Hörsälen wird Wissen durch gesprochene Sprache vermittelt, und deshalb ist eine hervorragende Sprachverständlichkeit entscheidend für das Lernen.

ZEIT ONLINE: Angenommen, ich wäre auf der Party der Nachbar-WG und die Musik wäre sehr laut – könnte das meine Leistungsfähigkeit langfristig verschlechtern?

Klatte: Bei ein paar Stunden Partylärm ist sicher nicht mit langfristigen Beeinträchtigungen zu rechnen. Langfristige Wirkungen von Lärm auf Denk- und Lernleistungen wurden aber im Zusammenhang mit Verkehrslärm untersucht. Tatsächlich schneiden Kinder, die in stark verkehrslärmbelasteten Wohngebieten aufwachsen, bei bestimmten Aufgaben etwas schlechter ab als Kinder aus ruhigen Wohngebieten.

ZEIT ONLINE: Welche Geräuschkulisse ist Ihnen am liebsten, wenn Sie sich auf etwas konzentrieren müssen?

Klatte: Wenn ich Störungen vermeiden will, hänge ich ein Schild an meine Bürotür und stelle das Telefon um. Wenn es draußen sehr laut ist, setze ich auch mal einen Kopfhörer auf und höre ruhige, langsame Instrumentalmusik.

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Konzentration

Haben die Studien auch zwischen auditivem und visuellem Gedaechtnis/Konzentration unterschieden? Ich persoenlich merke mir naemlich Sachen weniger indem ich sie in meinem Kopf ausspreche, sondern eher indem ich sie mir visuell vergegenwaertige (z.B. Zahlenfolgen). Haette Laerm in diesem Zusammenhang weiterhin den gleichen Stellenwert?

Großraumbüros

Frau Klatte, Sie können sich glücklich schätzen, daß Sie eine Bürotür haben, die Sie schließen können.
Leider ist ein Großteil der deutschen Unternehmen davon überzeugt, daß man am kreativsten und besten im Großraumbüro mit maximalem Lärmpegel arbeitet. Schließlich sind deutsche Gehälter so gering, daß eingesparte Büromieten die Leistungseinbußen der Mitarbeiter durch intensive Beschallung von Besprechungen und Telefonaten aufwiegen. Meinen zumindest unsere Betriebswirtschaftler.

Das mit der Party…

…ist nicht ganz richtig. Das Ausmaß der Konzentrationsstörung hängt mit Amplitude und Frequenz des akustischen Signals zusammen. Wenn durcheinander geredet wird (wie bei einer Party) gleichen sich die Schwankungen aus. Die Konzentrationsleistung ist dann zwar immer noch schlechter als bei Ruhe, aber besser als wenn nur eine Person spricht.

Arousal level

Also ich habe seinerzeit besonders gut in der Bibliothek arbeiten können, nicht weil es da besonders ruhig war, sondern weil im Hintergrund das sonore Rauschen der Klimaanlage zu hören war. In völliger Stille konnte ich mich nicht konzentrieren.
Auch jetzt arbeite ich gern, wenn ich nebenbei Dark Ambient höre. Böse Geister würden das nicht als Musik bezeichnen, sondern als bloßes Geräusch - was sicherlich der Wahrheit entspricht.

Tatsache ist doch, dass jeder anders auf Musik reagiert.

Es gibt Tage, da brauche ich Hintergrundgeräusche, um effektiv und effizient zu sein. An anderen Tagen pack ich mir Gehörschutz in die Ohren. Was nun, Frau Klatte?

Frau Klatte würde vermutlich sagen:

"Alles in Butter, liebe stabilobox. Denn Ihre Beobachtungen über sich decken sich mit meinen Beobachtungen und den universellen Schlüssen, die ich daraus gezogen habe."

Vielleicht, wenn Sie den Artikel nochmals lesen, diesmal etwas genauer?
Kleiner Tipp - die Stelle, die Sie anscheinend nicht ganz korrekt wahrgenommen haben:
"Man kann aber sagen, dass ruhige, langsame Instrumentalmusik – wie zum Beispiel Meditationsmusik – zumindest keine negativen Wirkungen auf Lern- und Denkleistungen hat. Solche Musik schafft eine Klangkulisse, die vielen Menschen angenehmer ist als absolute Stille und zudem auch störende Geräusche maskieren kann."

Na mir ging es in dem Kommentar eher darum,

dass es eben mal so und mal so ist. Es also auf die Tagesform ankommt.

Ach und ich konnte mich auch mal besonders gut konzentrieren, wenn ich schönen knochentrockenen Techno gehört habe. Bassdrum, Snare, Hihat, Bassline. Fertig. Beste Partymusik. Da war ich aber noch jung. (Wie schlimm klingt das?)

Es kann der Schluss gezogen werden, dass keine festen Schlüsse gezogen werden können.