ZEIT ONLINE: Sollte man also die Hörsäle mit solcher Musik beschallen, damit die Studenten besser lernen?

Klatte: Nein, sicher nicht! Im Hörsaal kommt es ja vor allem auf das Sprachverstehen an. Jede Art von Hintergrundgeräuschen kann Sprache maskieren und dadurch das Zuhören erschweren. Wenn man sich sehr anstrengen muss, um den Dozenten zu verstehen, vergeudet man geistige Kapazität, die man eigentlich für das Behalten und Verarbeiten der gehörten Information bräuchte – und man lernt weniger. Auch wenn man gerade noch versteht, was vorne gesagt wird, kann man sich später schlechter an die Inhalte der Vorlesung erinnern. In Klassenräumen und Hörsälen wird Wissen durch gesprochene Sprache vermittelt, und deshalb ist eine hervorragende Sprachverständlichkeit entscheidend für das Lernen.

ZEIT ONLINE: Angenommen, ich wäre auf der Party der Nachbar-WG und die Musik wäre sehr laut – könnte das meine Leistungsfähigkeit langfristig verschlechtern?

Klatte: Bei ein paar Stunden Partylärm ist sicher nicht mit langfristigen Beeinträchtigungen zu rechnen. Langfristige Wirkungen von Lärm auf Denk- und Lernleistungen wurden aber im Zusammenhang mit Verkehrslärm untersucht. Tatsächlich schneiden Kinder, die in stark verkehrslärmbelasteten Wohngebieten aufwachsen, bei bestimmten Aufgaben etwas schlechter ab als Kinder aus ruhigen Wohngebieten.

ZEIT ONLINE: Welche Geräuschkulisse ist Ihnen am liebsten, wenn Sie sich auf etwas konzentrieren müssen?

Klatte: Wenn ich Störungen vermeiden will, hänge ich ein Schild an meine Bürotür und stelle das Telefon um. Wenn es draußen sehr laut ist, setze ich auch mal einen Kopfhörer auf und höre ruhige, langsame Instrumentalmusik.