Lernforschung : Tipps, die das Lernen leichter machen
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Soll ich lieber tagsüber oder nachts arbeiten?

These:"Über das Gelernte sprechen hilft, es sich zu merken"

Spitzer: Wenn wir miteinander sprechen, senden und empfangen wir permanent Emotionen. Diese wirken wie ein Verstärker: Sie signalisieren dem Gehirn, dass etwas wichtig ist und gespeichert werden sollte. Wichtig für diesen Prozess sind Mimik, Stimmlage und Gestik, weil sie den Gefühlen Ausdruck verleihen. Chatten ist daher weitaus uneffektiver: Studien zeigen, dass Menschen sich im Nachhinein besser an einen Film erinnern, wenn sie über ihn reden, als wenn sie über ihn chatten.

These:"Tagsüber ist die Leistungsfähigkeit am größten"

Spitzer: Einerseits stimmt das: Eine hohe Lichtintensität steigert die Wachheit und Aufmerksamkeit, weil dann mehr kurzwelliges Licht ins Auge fällt. Trotzdem würde ich einem Nachtmensch niemals sagen, dass er falsch arbeitet. Es gibt Menschen, die überwiegend nachts arbeiten und jedes halbe Jahr ein Buch publizieren. Menschen haben also tatsächlich unterschiedliche Tagesrhythmen : Lerchen-Typen stehen früh auf und sind morgens am leistungsfähigsten. Eulen-Typen ziehen es vor, nachts zu lernen, wenn sie nicht vom Telefon gestört werden. Sie haben sich meist bewusst dazu entschieden, ihren Tag-Nacht-Rhythmus komplett umzudrehen und beginnen ihren Tag gerne mit der Tagesschau. Und dann gibt es noch diejenigen, die meinen, sie wären Eulen – was aber eher daran liegt, dass sie morgens nicht aus dem Bett kommen.

These:"Wenn man sich eine liegende Acht vorstellt, arbeiten die Hirnhälften besser zusammen"

Spitzer : Das ist Unsinn. Die Gehirnhälften sind permanent miteinander verknüpft und kommunizieren immer – egal ob man sich dabei irgendeine Zahl vorstellt oder nicht.

These:"Was man aufschreibt, bleibt länger im Gedächtnis"

Spitzer: Wenn man etwas aufschreibt, beschäftigt sich der Kopf intensiver damit, als wenn man es nur liest. Das gilt allerdings nur für die Handschrift: Wenn man sich etwas merken möchte, bringt Tippen weitaus weniger als Schreiben, das haben Studien gezeigt. Deshalb halte ich wenig von Powerpoint-Referaten: Wer mit Copy-and-paste Inhalte aus der Wikipedia in eine Powerpoint-Präsentation einfügt, hat diese Inhalte noch lange nicht im Kopf verarbeitet. Schüler oder Studenten lernen dabei also nichts.

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

da gab es

einen Hinweis darüber das handschriftliche Notizen sich prägen, EDV unterstützte nicht.

Diese Erfahrung habe ich bereits öffters selbst gemacht und dachte es liegt an mir oder meinem Alter, jetzt bin ich positiv berührt :-)

Herr Spitzer referierte in einem Regionalradiosender kürzlich und ich war erstaunt darüber wie tief er einsteigen kann in Themen und es so herüberbringt das ich es immer gut verstehe. Kollegen von ihm haben damit Schwierigkeiten ihr Wissen verständlich zu vermitteln.

hm... ich habe da meine Zweifel

... vor allem Beim Sprachenlernen. Wenn ich mit der Hand, z.B. Vokabellisten oder Redewendungen schreibe, kann ich damit danach relativ wenig machen, abgesehen davon, es immer mal wieder zu lesen. Wenn ich aber alles in einer Datei habe, kann ich leichter die Reihenfolge aendern, nach neuen Kriterien ordnen, dazu Passendes an geeigneter Stelle einfuegen - wenn der Ausdruck nach einiger Zeit zerfleddert ist, drucke ich ihn wieder aus. Alles in allem bietet dieses Format viel mehr Moeglichkeiten, als die Handschrift. Denn selbst, wenn man einen Karteikasten fuehrt, nimmt man den ja nicht ueberhall hin mit. In elektronischer Form hat man aber jederzeit Zugriff.

Nicht ganz, da muss unterschieden werden.

Was sie meinen ähnelt eher einer Datenbank, speichern von Informationen in einer beliebigen Struktur.
Dafür sind handschriftliche Notizen bekanntermaßen beinah nutzlos geworden.
Wenn ich ihr Beispiel von den Sprachen nehme:
Karteikästen sind Müll. Man schreibt die Vokabeln ja nur einmal auf.
Will man wirklich auswendig lernen, dann schreibt man jedes Wort grob ein Dutzend mal neu auf. Zumindest ist das effektiver als es sich durch zu lesen.
Inhalte abzuspeichern, also griffbereit zu halten --> EDV
Sie zu lernen, also wirklich auswendig -> sehr sehr oft aufschreiben.

Handschrift vs. Tippslen...

...das hat Herr Spitzer so nicht gesagt, sondern Handschreiben vs. Copy-Paste.
Und das ist ein riesiger Unterschied.

Er hat aber den Rückschluss nahe gelegt, dass es einen Unterschied gibt zwischen Handschrift (und da war auch der Kugelschreiber lange verpönt!) und Tastatur.

Und den erlebe ich selber nicht.
Es geht drum, sich mit einem Lernstoff zu beschäftigen.

Stimmt nicht

Wer ist denn dazu bitte gezwungen? Verführt vielleicht. Wer aus Interesse lernt, lernt richtig. Präsentationen sind kein Ersatz für anständiges Lernen. Weder für den, der die Präsentation hält, noch für die Zuhörer.

Viele Schüler und Studenten verstehen das nicht oder kümmern sich einfach nicht darum. Da ist die Präsentation dann für das Publikum eine Verschnaufpause im Unterricht.

Meiner Erfahrung nach ist das aber bei guten Präsentationen nicht der Fall.

Das Problem ist vielmehr, dass man das richte Ausarbeiten und Halten von Präsentationen nie lernt. In meiner Schulzeit wurde einfach irgendwann erwartet, dass man auch mal etwas präsentiert. Wie man das macht und vor Allem wozu hat man aber vorher nie gelernt.
Man hatte eher den Eindruck, dass der Lehrer das als wenig arbeitsintensiven Weg ansieht etwas "neues" im Unterricht zu machen.

Das war aber, wenn ich mir dazu meine Eltern anhöre, auch ohne moderne Medien nicht anders.

Kurz gesagt

Informationen werden umso besser behalten, je intensiver und breiter sie unsere Sinne ansprechen. Training (wiederholung) bildet neue neuronale Strukturen.

Nur das mit dem Tippen vs. Schreiben, kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen.

Und noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass diese, nicht unbedingt neuen Erkenntnisse, endlich ihren Platz in der Lehrerausbildung finden.

Den ersten Knacks

meiner kindlichen Lernbegeisterung brachte mir die Mengenlehre: "Wozu brauche ich das?"
Und wenn diese Frage erst einmal aufgetaucht ist...

Und Jahre später, nach der Schulzeit, habe ich festgestellt, daß ich bis dahin für zu kompliziert gehaltene Probleme verstehen und also lösen kann, wenn ich mir SELBST eine Skizze anfertige und einzelne Punkte einer Entwicklung überschlägig einfüge - ähnlich wie ja, vor dem Taschenrechner, beim Rechenschieber eine Abschätzung des zu erwartenden Ergebnisses erst eine flüssige Nutzung ermöglichte: man mußte halt wissen, was man da machte.

Eine Eule bin ich von je her. Einfach, weil nachts weniger lästige Ablenkung auftaucht.