19.000 Studenten besuchen die Universität in Be'er Sheva; jeder zehnte Einwohner in der Stadt ist Student. Als die Operation Säule der Verteidigung der israelischen Armee begann, floh jeder, der konnte, aus Be'er Sheva. Viele kamen bei Freunden oder Verwandten im Norden unter, einige ausländische Studenten wurden an einen anderen Standort der Uni evakuiert.

Hildebrandt fuhr stattdessen gemeinsam mit zwei anderen Deutschen nach Jerusalem . Wofür sie sonst keine Zeit hatten, wurde im Krieg nun möglich: Die drei Studenten spazierten durch die Altstadt, spielten Backgammon und frühstückten ausgiebig. Aber die Stimmung war gedrückt. Hildebrandt konnte die Nacht im Treppenflur nicht vergessen. "In meinem Kopf hat sich alles im Kreis gedreht", sagt er. "Ständig fragte ich mich: Was passiert jetzt? Wie geht es weiter?" Der Beschuss hatte Hildebrandt mitgenommen, und nur langsam wurde er die Angst, die er erfahren hatte, wieder los. Gemeinsam versuchten die drei Deutschen, das Geschehen aufzuarbeiten. Sie sprachen viel über das Erlebte, diskutierten über das Warum, die politische Zukunft. "Natürlich sind wir zu keinem Schluss gekommen. Aber es hat gutgetan, mit jemandem zu reden."

Knapp zehn Tage lang war die Universität geschlossen. Als sich am vergangenen Dienstag ein Waffenstillstand abzeichnete, kehrte Paul nach Be‘er Sheva heim; die meisten anderen Studenten kamen am Mittwoch. Die Angriffe liegen nicht lange zurück, doch schon jetzt erinnert an der Universität nichts mehr an den Ausnahmezustand: Studenten lümmeln auf dem Rasen, in der Cafeteria wird Cappuccino ausgeschenkt. Der Betrieb geht weiter, als sei nichts gewesen.

Trotz allem will Hildebrandt bleiben

"Es ist die Art der Israelis, mit dem Beschuss umzugehen", sagt Hildebrandt. "Es war ja nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist. Und wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal." Auch der Göttinger Student hat sich nach dem Waffenstillstand schnell wieder eingewöhnt. Die erste Vorlesung fühlte sich für ihn nicht anders an als vor dem Krieg. "Auch eine Art von Integration", sagt Hildebrandt lächelnd.

Und obwohl der Frieden brüchig ist, möchte er sein Auslandssemester auf jeden Fall beenden. Denn so schlimm die Raketen auch waren, hat er trotzdem etwas aus der Erfahrung gelernt. "Als der Alarm losging, habe ich wenig an die Menschen in Gaza gedacht, sondern nur an mich", sagt er. Das habe ihn erschreckt, aber er könne die Furcht der Israelis auch besser nachvollziehen. Denn er hat die Angst nun selbst erlebt.