ZEIT ONLINE: Was muss sich ändern?

Schleim: Wir sollten die Regeln des Wettbewerbs nicht als Naturkonstante akzeptieren und stattdessen aktiv gegen den Druck vorgehen. In den 60er und 70er Jahren hat man sich viel stärker damit beschäftigt, unter welchen Umständen wir studieren und arbeiten wollen. Es gab feste Termine, bei denen sich Studenten getroffen haben, um zu diskutieren, wie sie sich den Studienalltag vorstellen. Heute würden sie darüber lachen oder fragen, ob es dafür Credit Points gibt.

ZEIT ONLINE: Was können Universitäten konkret tun? 

Schleim: Wir sollten weniger gegeneinander kämpfen und mehr miteinander sprechen. Darüber, unter welchen Umständen wir eigentlich studieren und leben möchten. Die Universitäten wurden jahrelang auf unternehmerisches Denken und Wettbewerb getrimmt, doch ich bezweifle, dass dies der Wissenschaft guttut. Tatsächlich haben selbst die meisten Professoren dadurch an Freiheit verloren. Es dürfte noch etwas dauern, bis viele dies einsehen und etwas an ihren Arbeitsbedingungen ändern.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie im Studium selbst einmal das Bedürfnis, Psychopharmaka zu nehmen?

Schleim: Ich habe in der Schule mal mit Koffeintabletten experimentiert. Aber das hat mir wenig gebracht – also habe ich es gelassen.