Karriereplanung"Investmentbanker ist mein Traumberuf"

Das Banker-Image ist ramponiert – nicht erst seit dem jüngsten Skandal der Deutschen Bank. BWL-Student Jan erklärt, warum er trotzdem in einer Bank Karriere machen will. von Julian Kirchherr

Wenn ich bei einem Date mein Berufsziel verrate, verdreht mein Gegenüber sofort die Augen. "Investmentbanking? Ist das Dein Ernst?" Ja, ist es: Mein Traumberuf lautet Investmentbanker.

Für diesen Traum nehme ich Einiges auf mich: Ich studiere gerade an einer renommierten Universität in Großbritannien. Das einjährige Master-Programm kostet mich über 25.000 Euro. Über ein Stipendium kann ich rund 10.000 Euro abdecken. Den Rest habe ich über einen Kredit finanziert.

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Die Kritik an den hohen Gehältern im Investmentbanking kann ich deshalb nicht wirklich verstehen. Wer in diese Branche strebt, investiert viel in seine Ausbildung. Und wer einen Job in dieser Branche ergattert, der leistet auch viel für sein Gehalt. Das Einkommen ist hoch, aber Gleiches gilt für die Arbeitszeit. Wer es durchrechnet, stellt fest: Der Stundenlohn eines Investmentbankers liegt nicht weit über dem eines Beamten.

Die Kritik in den Medien ist verkürzt

In den letzten Wochen habe ich jeden Tag bis zu 18 Stunden für die Uni gepaukt: Corporate Finance , Principles of Business Economics oder Accounting . Wer ins Investmentbanking will, braucht exzellente Noten; die Anforderungen an Neueinsteiger sind enorm hoch. Ich gehe davon aus, dass sich an meinem aktuellen Arbeitspensum nichts ändern wird, sofern ich ein Jobangebot erhalte. Aber ich glaube, dass sich jede Stunde, die ich in meinen Wunschberuf investiere, lohnen wird.

In den Medien dreht sich alles immer nur um die Arbeitszeiten und das Gehalt der Investmentbanker. Das ist verkürzt. Ich will nicht ins Investmentbanking, um so schnell wie möglich Millionär zu werden. Ich glaube nicht, dass jemand diesen Job durchhält, wenn er es nur für das Geld macht. Was mich am Investmentbanking reizt, sind die Aufgaben.

Leserkommentare
    • Ndeko
    • 20. Dezember 2012 17:23 Uhr

    Der Autor hat einen Teil seiner Gebühren mittels Stipendiums finanziert (muss also vorher bereits gute Leistungen erbracht haben) und den Rest fremdfinanziert. Von reichen Eltern stand da, glaub ich, nix.

    Antwort auf "Auweia"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ja, das sagt er zum Teil. Ändert an der Aussage aber trotzdem nichts. Ohne den Text zu lesen, könnte man kaum auf dessen Logik eingehen. Das Gehalt definiert sich lediglich über die Ausbildungskosten. Studiengebühren haben ja schließlich auch für höhere Einkommen gesorgt, oder?

    • okmijn
    • 20. Dezember 2012 18:05 Uhr

    ..., insbesondere für die betreuenden Banken und für das Topmanagement des (im M-Fall) entstehenden Unternehmens. Einfach mal nach Studien suchen - mehr Fantasie als 'mergers and aquisitions' braucht mal als Suchbegriff gar nicht. Dass die theortischen Skalierungseffekte sich regelmäßig nicht realisieren lassen, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Organisches Wachstum kann selten durch radikale Maßnahmen ersetzt werden.

    Häufig geht es aber auch einfach darum, ein Unternehmen, dass wenig Perspektiven hat, noch zu Gelt zu machen. Das ist auch ncht auf die IT-bubbles beschränkt.

    Wenn man ernsthaft glaubt man könnte quer durch Branchen und Kulturen einfach mal bessere Leistungen erbringen als die Personen, die bereits an Bord der Beteiligten sind, ist man ziemlich beschränkt. Wenn es einem um den monetären Gewinn geht ist man sicherlich auf einem guten Weg.

    Ingenieure (Entwicklung physischer Produkte) werden mir wohl immer sympatischer sein als Investmentbanker (Kapitalumverteiler [und ich behaupte weit weniger gesamtwirtschaftlich effizient als das oft gelehrt wird]) - und das bezieht sich natürlich auf die Stereotypen, also Trends und Mittel und nicht einzelne Personen.

    3 Leserempfehlungen
  1. Work hard, play hard. Wär nicht mein Job. Aber jedem, was ihm gefällt. Das Arbeitspensum ist hoch.

    Das Problem ist eher, welche Folgen Investmentbanking für die Weltwirtschaft hat. Politiker haben Finanzgescäfte zugelassen die sie nicht verstanden, die Folgen haben wir gesehen. Die Weltwirtschaft stand am Abgrund und steht immer noch kurz davor. Geld verschwindet nicht, es wird umverteilt. Wie lange wollen wir noch zusehen?

  2. Ja, das sagt er zum Teil. Ändert an der Aussage aber trotzdem nichts. Ohne den Text zu lesen, könnte man kaum auf dessen Logik eingehen. Das Gehalt definiert sich lediglich über die Ausbildungskosten. Studiengebühren haben ja schließlich auch für höhere Einkommen gesorgt, oder?

  3. Bei allem Respekt. Ich denke hinter dem Wunsch Investmentbanker zu werden, steckt nicht die Freude am Beruf, sondern die Gier nach Geld, Macht und Boni Zahlungen.
    Das dies kein großes Ansehen in der Gesellschaft hat ist mehr als verständlich!

    Nicht umsonst genießen Feuerwehrmänner und Ärzte das höchste Ansehen, weil es sich in diesen Berufen um den Menschen dreht und nicht um Kapital.

  4. 38. Hallo?

    Ich kann nicht glauben, was sie da von sich geben. Können sie sich vorstellen, dass die meisten Menschen sich auf Arbeit ihren Ars... aufreißen und dafür nicht mal ansatzweise angemessen bezahlt werden? Glauben sie wirklich, man würde nur durch Fleiß und Engagement in gehobene Stellungen kommen? Und sind sie tatsächlich der Meinung, mit Geld(!) könnte man verlorene Lebenszeit aufwiegen?
    Ich hoffe, sie sind noch sehr jung und unerfahren, ansonsten verdienen sie mein Mitleid.

    2 Leserempfehlungen
  5. "Das einjährige Master-Programm kostet mich über 25.000 Euro. [...] Die Kritik an den hohen Gehältern im Investmentbanking kann ich deshalb nicht wirklich verstehen."

    Na Sie haben den Kapitalismus ja wirklich verstanden. Nicht!

    Und jetzt mal im Ernst. Wenn Sie denken hohe Studiengebühren seien eine Rechtfertigung für hohe Löhne, dann haben Sie keine Ahnung wie Kapitalismus funktioniert. Das entspricht schon eher dem Anspruchsdenken, dass Sie der Beamtenklasse unterstellen.

    Was Sie haben - bei entsprechenden Leistungen - ist das Recht auf einen Abschluss. Nicht mehr.

    2 Leserempfehlungen
  6. Sie meine doch eher Provisionen.

    Aber ja ich denke Sie haben mit ihrem Kommentar vollkommne recht.

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