Student bei Jauch"Was die Bild-Zeitung schreibt, ist mir egal"

Wer sich bei Günther Jauch blamiert, wird zum Gespött. Das erfuhr auch Chemie-Student Maximilian Friedrich und hatte am Ende trotzdem gut lachen. von 

Der "Wer wird Millionär?"-Kandidat Maximilian Friedrich

Der "Wer wird Millionär?"-Kandidat Maximilian Friedrich  |  © RTL

In 3,18 Sekunden hat Maximilian Friedrich aus PUC NO CAP CI das Wort Cappuccino geformt. Der Name des Chemie-Studenten blinkt grün, er streckt beide Arme in die Luft. Ein bisschen Smalltalk mit Günther Jauch, und los geht's mit der 50-Euro-Frage:

Vermutlich nicht nur zur Weihnachtszeit bekommt der vom Frauchen heillos verwöhnte… a) Domino Steine b) Zimt Sterne c) Pfeffer Nüsse d) Spitz Kuchen.

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich, Sie haben bei der 50-Euro-Frage ganz schön gewackelt. Die Bild -Zeitung fand das peinlich und blamabel . Wie fanden Sie es?

Maximilan Friedrich: Was die Medien schreiben, ist mir ziemlich egal. Natürlich hab ich nicht schlecht gestaunt, als ich in der Bild -Zeitung stand. Aber die hatten zu dem Zeitpunkt ja nur die erste Sendung gesehen. In der zweiten Sendung lief es dann ja ganz gut.

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ZEIT ONLINE: Am Ende haben Sie 64.000 Euro gewonnen. Dabei schlug Günther Jauch schon vor, für Kandidaten wie Sie eine 20-Euro-Frage einzurichten.

Friedrich: Das habe ich in dem Moment gar nicht so genau mitbekommen, erst später im Fernsehen. Ich war so auf die Frage konzentriert, da hab ich nicht so darauf geachtet, was Herr Jauch sagt.

Günther Jauch langweilt sich: Er gähnt, stimmt ein Weihnachtslied an und witzelt, bei 500 Euro sei wohl Schluss. Nach gefühlt zehn Minuten loggt Maximilian Friedrich d) ein – richtig. Die 100-Euro-Frage: ein Selbstläufer. Doch dann: Die 200-Euro-Frage.Will ich in der Kurzwarenabteilung sparsam sein, kommt es vor, dass ich mir nur einen…? a) Schulter polster b) Steh kragen c) Reiß verschluss d) Knopf leiste.

Maximilian Friedrich tippt auf a) und begründet: "Rein grammatisch her macht das Sinn." Jauch ruft: "Gut, dass Sie Naturwissenschaften studieren" und überredet ihn, den Publikumjoker zu nehmen. 99 Prozent für d).

ZEIT ONLINE: Wissen Sie inzwischen, was eine Kurzwarenabteilung ist?

Friedrich: Ja, das hab ich nun mitbekommen. Da kann man Kleinigkeiten kaufen, Knöpfe und so.

ZEIT ONLINE: Sie gehen sehr entspannt mit dem Auftritt um. Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Friedrich: Meine Mutter hat mich auf den Artikel in der Bild aufmerksam gemacht. Sie war entsetzt. Ich hab ihr gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen muss. Ich stelle mich garantiert nicht in die Ecke und heule, nur weil die Bild -Zeitung etwas geschrieben hat.

ZEIT ONLINE: Und was haben Ihre Kommilitonen gesagt?

Friedrich: Die Leute, die mich kennen, können ja einschätzen, wie ich mich da verkauft habe. Die meisten fanden es überhaupt nicht so schlimm. Der Anfang war halt ein bisschen lustig und peinlich. Aber so ist das im Leben. Und in der zweiten Show konnte ich dann auch mit ein bisschen Wissen glänzen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie eine Erklärung, warum es erst nicht so lief?

Friedrich: Als ich ausgewählt wurde, war ich völlig fertig: trockener Mund und meine Beine haben gezittert. Da fasst man erst mal keinen klaren Gedanken mehr. In der Pause habe ich mir 'ne Dose Cola reingehauen und Schokolade gegessen für den Blutzuckerspiegel, dann ging es auch wieder.

Leserkommentare
  1. 57. Sport

    Sport ist ein wichtiger Teil menschlicher Kultur, bei den anderem Zeug haben sie natürlich Recht.

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    Das stimmt schon. Sport zählt aber nicht in dem Maße zum Allgemeinwissen, wie es WWM vermuten lässt. Mir scheint es, als ob der Anteil an Fragen zu Fußball und Formel 1 den Anteil an naturwissenschaftlichen Fragen übersteigt.

  2. Das stimmt schon. Sport zählt aber nicht in dem Maße zum Allgemeinwissen, wie es WWM vermuten lässt. Mir scheint es, als ob der Anteil an Fragen zu Fußball und Formel 1 den Anteil an naturwissenschaftlichen Fragen übersteigt.

    Antwort auf "Sport"
  3. Ich habe Jauch ewig nicht gesehen, weil ich alle privaten Sender seit langem boykottiere, abgesehen von einigen Fussballspielen. Auf diesen Artikel bin ich eher zufällig gestossen.

    Klar, die Begründung mit der Grammatik bei der einen Frage war schon blamabel. Aber was Rechtschreibung und Grammatik angeht, da betrachte ich die heutige Generation sowieso als verloren. Das hängt sicher auch mit der heutigen Internetsprache zusammen, die durch diee ganzen Abkürzungen mehr an ein Morsealphabet erinnert und weil ganze Sätze so häufig vorkommen wie ein vierblättriges Kleeblatt. Da ist man auch als Student schon mal überfordert...

    Aber es ist schon ein Unterschied, ob man vor der Glotze sitzt oder mit Lampenfieber dem Jauch gegenüber. Da ist Häme manchmal wirklich fehl am Platz.

    Ich kann mich an eine 50 oder 100-Frage erinnern, wo die richtige Antwort "bass erstaunt" war. Diesen Ausdruck hatte ich noch nie gehört. Hinterher ist mir dann der Bass als Instrument mit den tiefen Tönen eingefallen und da wurde mir klar, dass "bass" hier für tief gestanden hat.

    Oft ist es doch in der Tat so, dass gerade für intelligente und gebildete Menschen die ersten Fragen oft die hohen Hürden sind.

    Es stimmt, diese Sendung als Bildungsmesser anzusehen, ist natürlich hanebüchen. Oft ist es pures Glück oder riesiges Pech, wie weit man kommt. Kluge Menschen können früh scheitern und dumme weit kommen.

    Antwort auf "intelligenzbestien"
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    "Es stimmt, diese Sendung als Bildungsmesser anzusehen, ist natürlich hanebüchen."
    So ist es. Es ist nur ein Spiel, kein Bildungstest.

    "Oft ist es pures Glück oder riesiges Pech, wie weit man kommt. Kluge Menschen können früh scheitern und dumme weit kommen"
    Genau darin liegt der Unterhaltungswert. Man kann innerlich mitspielen, wissen bez. besserwissen und sich dabei die eigene Allgemeinbildung bestätigen.
    Für Jeden ist was dabei: Selbstbestätigung, Mitfreude, Mitleid oder Schadenfreude.
    Macht doch Spaß?

  4. 60. Lachen?

    Ich würde ja über die anfänglichen Patzer lachen, wenn ich nicht selbst in der Latinumsprüfung die Endung der 2. Person Perfekt Indikativ nur aus Nervosität nicht erkannt hätte. Aber so ist es eben: Bei Streß ud Nervosität springen die Augen hin und her, das Gehirn geht allen erdenklichen Wegen nach und sucht verzweifelt nach vertrauten Mustern, und wenn es sie nicht sofort findet, steigert es sich in immer kompliziertere Wege. Am Schluß war ich dann bei einer abwegigen Deklination eines nichtexistenten Adjektivs...

  5. K Nr. 52:
    "Ihrer Meinung nach wäre also jeder der folgenden Sätze grammatisch korrekt und inhaltlich schlüssig?
    a) Will ich in der Kurzwarenabteilung sparsam sein, kommt es vor, dass ich mir nur einen Schulter polster.
    b) Will ich in der Kurzwarenabteilung sparsam sein, kommt es vor, dass ich mir nur einen Steh kragen.
    c) Will ich in der Kurzwarenabteilung sparsam sein, kommt es vor, dass ich mir nur einen Reiß verschluss.
    d) Will ich in der Kurzwarenabteilung sparsam sein, kommt es vor, dass ich mir nur einen Knopf leiste."

    Der Meinung, dass diese Sätze in der von Ihnen formulierten / "formatierten" Form grammatisch korrekt und inhaltlich schlüssig seien, wäre auch ich nicht.

    Nur, auch das "leiste" am Ende bezieht sich auf alle vier Sätze, nicht nur die Einleitung "Will ich in der Kurzwarenabteilung sparsam sein, kommt es vor, dass (...)".

    Gerade weil "einen Schulter polstern", "einen Steh kragen" und "einen Reiß verschlussen" sowohl grammatisch/sprachlich falsch/unsinnig als auch unschlüssig sind, konnte die Quizfrage nur so lauten:

    "Will ich in der Kurzwarenabteilung sparsam sein, kommt es vor, dass ich mir nur

    a) einen Schulterpolster
    b) einen Stehkragen
    c) einen Reißverschluss
    d) einen Knopf

    leiste".

    Sich nicht durch schriftlich-grammatische Fehldarstellung und der sich daraus ergebenden Unschlüssigkeit/Sinnlosigkeit verwirren zu lassen, sondern sich die eigentliche Frage zu erschließen, war Teil der Quizaufgabe.

    Antwort auf "ohne Titel"
  6. Jauch trifft in seiner Fadheit, Niveaulosigkeit und Einsilbigkeit den Publikumsgeschmack. An intellektuelle Fähigkeiten werden nur geringste Anforderungen gestellt.
    Ich frag mich auch immer und immer wieder, wie solche Typen wie Jauch, Bohlen, Broder & Co. im TV so hochgekommen sind.
    Das sind wohl Gradmesser für das aktuelle Kulturniveau Deutschlands. Kann mir jemand einen herausragenden Kulturträger Deutschlands nennen, so wie es sie in längst vergangenen Zeiten zu Dutzenden gab ?

    • Nero11
    • 22. Dezember 2012 0:12 Uhr

    damit ist der Sohn gemeint. Naja, ich hätte die Frage trotzdem richtig beantwrotet

  7. Super einstellung...bildleser kommentieren eben so wie die zeitung, die sie lesen

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