Wohnen für HilfeMein Mitbewohner ist ein Rentner

Das Projekt "Wohnen für Hilfe" bietet Studenten kostenlosen Wohnraum. Dafür helfen sie dem oft betagten Wohnpartner im Haushalt. Ein Generationsvertrag, der funktioniert. von 

Anna Weigelt und Heinz-Hermann Bald wohnen in einer WG

Anna Weigelt und Heinz-Hermann Bald wohnen in einer WG  |  © Birk Grüling

Von ihrem Schreibtisch aus blickt Anna Weigelt auf die Häuser und sauber angelegten Gärten der Kieler Vorstadt. Etwas über 20 Quadratmeter ist ihr Zimmer groß, nebenan liegen noch ein kleines Bad und eine Kochnische. Rund 20 Minuten braucht die Italienisch-Studentin von hier zur Uni. "Ich genieße die ruhige Umgebung und das Zimmer ist als Rückzugsort zum Lernen ideal", sagt sie. Ein Stockwerk darunter lebt ihr Wohnpartner und Hauseigentümer Heinz-Hermann Bald, ein rüstiger 81-Jähriger mit funkelnden Augen und norddeutschem Humor.

Zusammengebracht hat die beiden Wohnen für Hilfe . Das in Schleswig-Holstein noch junge Projekt vermittelt Wohnraum an Studenten. Für ihr Zimmer zahlen diese nichts, stattdessen helfen sie im Alltag – eine Stunde im Monat pro Quadratmeter Wohnfläche. Darunter fallen zum Beispiel die Mitarbeit im Haushalt oder Garten, Nachhilfe für die Kinder oder der Spaziergang mit dem Hund, pflegerische Dienste sind ausgeschlossen.

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In welchem Rahmen, die Hilfe gesucht wird, klären alle Beteiligten im Vorfeld. Für die passenden Wohnpartnerschaften sorgt in Kiel Alexandra Dreibach vom Studentenwerk Schleswig-Holstein . Sie verwaltet auch die Bewerbungsbögen der Studenten und Wohnraumanbieter. "Ich habe im Gefühl, wer zu wem passt. Das Zwischenmenschliche muss stimmen. Schließlich vermitteln wir keine Putzkräfte, sondern Wohngemeinschaften", sagt sie.

Mehr Leben in der Bude

Für Anna ist das Projekt ein Glücksfall, schon vor Semesterstart hatte sie die Zusage für das Zimmer, unter Kieler Studenten keineswegs die Regel. Wie in vielen Universitätsstädten ist auch hier Wohnraum knapp. Laut dem Studentenwerk Schleswig-Holstein waren zu Semesterstart über 800 Studierende ohne Wohnung. Die übliche Besichtigungsodyssee blieb der 20-Jährigen erspart. Kurz bevor sie mit ihren Eltern zur Wohnungssuche nach Kiel fahren wollte, stieß sie im Internet auf Wohnen für Hilfe. "Eigentlich habe ich gar nicht lange überlegt und den Online-Bewerbungsbogen ausgefüllt. Kaum 24 Stunden später stand ich in meinem heutigen Zimmer und habe das Wohnpartnerschaftsabkommen unterzeichnet", erzählt sie.

Bei Heinz-Hermann Bald und Anna Weigelt hat die Chemie auf Anhieb gestimmt. Die Studentin hilft beim Laubharken und Schneeschippen, auch den Garten haben beide zusammen winterfest gemacht. Wie die meisten beteiligten Senioren ist auch der Witwer im Alltag selbstständig. "Wir leben beide unsere Leben und manchmal läuft man sich über den Weg", sagt er.

Leserkommentare
  1. Auch mir erschließt sich ihr Kommentar nicht. Was hat denn der Staat damit zu tun?

    Ich finde diese WG-Idee großartig.

    4 Leserempfehlungen
    • Anja66
    • 28. Dezember 2012 17:22 Uhr

    notwendigerweise auf Studenten beschränkt, auf jedenfall für alle geeignet, für die WG ein passender Weg ist und die - auch das nicht notwendiger Weise - eine Bleibe für begrenzte Zeit suchen.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "schöne Idee"
  2. Ich verstehe den Zusammenhang nicht. Der Staat ist schuld, weil Rentner sich einsam fühlen?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Arme Gesellschaft"
    • ahaaa
    • 28. Dezember 2012 17:04 Uhr

    Würde ich studieren und auf der Suche nach einer Bleibe sein, wäre das wirklich eine Maßnahme. Lieber so als in einer Studenten-WG, in der jedes Wochenende gefeiert wird.
    Gut, dass ich mit dem Thema schon durch bin.

    Eine Leserempfehlung
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    • Anja66
    • 28. Dezember 2012 17:22 Uhr

    notwendigerweise auf Studenten beschränkt, auf jedenfall für alle geeignet, für die WG ein passender Weg ist und die - auch das nicht notwendiger Weise - eine Bleibe für begrenzte Zeit suchen.

  3. Studien-Gebühren und zu wenige bezahlbare Wohnungen. Wenn ich studieren will, dann muss ich mich voll und ganz auf mein Studium konzentrieren können um es schnell und mit guten Noten abzuschließen. Und ein Zivildienstleistender ehm ich meinte Student ist für manche nur eine billige Arbeitskraft. Ich würde als Student vorher genau festlegen wie viele Stunden in der Woche gearbeitet werden soll. Ich empfehle hier nicht mehr als 12 Stunden, ansonsten kommt das Studium zu kurz.

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    Antwort auf "Arme Gesellschaft"
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    "eine Stunde im Monat pro Quadratmeter Wohnfläche", das ist doch mehr als fair und schadet keinem Studium. Mehr als 20h/Monat werden das doch wohl seltenst.

    Die Zeit spart man sich locker an durchwachten Nächten wegen Partys und anderen Störfeuern.

    • Panic
    • 29. Dezember 2012 16:55 Uhr

    Ich denke, jeder Student ist selbst in der Lage zu beurteilen, wie viel Zeit er in diese gute Idee investiert. Ihren 12-Stunden Plan haben Sie demnach einfach mal so ins Forum geworfen. Desweiteren sind Studenten in diesem Falle keine billigen Arbeitskräfte, sondern eine echte Hilfe und ich denke auch eine gute Alternative. Denn hier können beide voneinander lernen und profitieren.

    cheers

    • Panic
    • 29. Dezember 2012 16:55 Uhr

    Ich denke, jeder Student ist selbst in der Lage zu beurteilen, wie viel Zeit er in diese gute Idee investiert. Ihren 12-Stunden Plan haben Sie demnach einfach mal so ins Forum geworfen. Desweiteren sind Studenten in diesem Falle keine billigen Arbeitskräfte, sondern eine echte Hilfe und ich denke auch eine gute Alternative. Denn hier können beide voneinander lernen und profitieren.

    cheers

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