Studentenprojekt : Eine Mülltonne als Wohnung für arme Rentner

In der Wohntonne des Designstudenten Philipp Stingl gibt es statt Müll einen Mini-Haushalt. Im Interview sagt er, warum sein Werk die Altersarmutsdebatte widerspiegelt.
Der Design-Student Philipp Stingl sitzt in der von ihm entworfenen Wohntonne. © dpa

ZEIT ONLINE: Sie haben eine gewöhnliche gelbe Mülltonne zu einem bewohnbaren Container umgebaut. Wie kommt man denn auf so eine Idee?

Stingl: Ich studiere Industriedesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, und die Tonne entstand in einem Studienprojekt zum Thema "Ü60 – Design für morgen". Will heißen: Design für Menschen, die alt sind oder in Zukunft alt sein werden. Diese Tonne ist sozusagen mein Zukunftsszenario. Wir haben festgestellt, dass in der Diskussion über den demografischen Wandel immer sehr negativ argumentiert wird. Das wollte ich ein bisschen überspitzen.

ZEIT ONLINE: Indem Sie Senioren in Mülltonnen wohnen lassen?

Stingl: Ich dachte mir: Na ja, wenn künftig also so viele alte Menschen Teil unserer Gesellschaft sind, dann kollabiert das Sozialsystem, die Leute werden ohne Rente verarmen und auf der Straße leben. Und damit sie dort leben können, gibt es dann eben diese "humanitären Hilfscontainer". Die werden dann an irgendwelchen Plätzen aufgestellt, damit die Alten darin leben und vielleicht auch Rohstoffe sammeln können.

ZEIT ONLINE: Ihr Werk wurde auf der Kunst- und Gewerbemesse im Leipziger Grassimuseum ausgestellt. Wie reagierten die Besucher?

Stingl: Bei den Reaktionen war wirklich alles dabei: von Empörung bis zu Verständnis und Lob. Besonders lustig war es, weil ich dort manchmal auch in der Tonne war und mir einen Spaß daraus gemacht habe, ein bisschen darin zu schlafen oder so. Die Leute konnten wie in einen Hamsterkäfig reingucken, das funktionierte super.

ZEIT ONLINE: Wie ist Ihre Wohntonne eigentlich ausgestattet?

Stingl: Sie verfügt über einen abschließbaren Wohnraum, außen montierte Frischwassertanks mit Wasserleitung nach innen und einer Abwasservorrichtung, außerdem über einen angehängten Container als Badewanne. Daneben gibt es Abfallsortierbehälter im oberen Bereich über dem Wohnraum, wo die Passanten Bioabfälle spenden oder die Bewohner Pfandflaschen oder andere wertvolle Rohstoffe sammeln können. Im Deckel befindet sich noch Stauraum für Kleidung und Ähnliches.

ZEIT ONLINE: Und wie sieht es innen aus?

Stingl: Die Basisausstattung besteht aus Feuerlöscher, Gaskocher, Verbandskasten, Müllgreifer und Wecker. Der Rest ist dann dem Mieter oder Besitzer überlassen. Das ist sozusagen ein bisschen Customization möglich.

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Kommentare

35 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Kunst, die provoziert

OK, die Story wird als ernst gemeint verkauft/veröffentlicht.
Das ist nun aber unter Garantie eine geschickte Selbstvermarktung oder eine Aktion um Bewußtsein zu schaffen.

Ansonsten wäre es Quatsch mit Soße.
[...]

Ansonsten gilt die alte Museumsputzfrauen-Frage:
Ist das Kunst oder kann das weg?

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls