StudentenjobsMein 400-Euro-Job als Aktmodell

Rikschafahrer, Hauswächter, Aktmodell: Nicht jeder Student muss kellnern gehen. Wir zeigen fünf ausgefallene und überdurchschnittlich bezahlte Arbeiten. von Benedikt Peters

Zwei von drei Studenten arbeiten laut Studentenwerk neben dem Studium. Die meisten von ihnen kellnern, kopieren oder kassieren. Dabei gibt es noch ganz andere Nebenjobs. Wir stellen ausgefallene Arbeitsfelder vor.

Claqueur

Wer lieber klatscht statt klotzt, eignet sich prima als Claqueur. Der Job besteht darin, "richtig Stimmung zu machen", wie Klaus Bernhard sagt. Er ist Eventmanager bei der Firma Rent-A-Fan. In ganz Deutschland schickt das Unternehmen seine Claqueure zu Rockkonzerten, Messen und Informationstagen, deren Veranstalter Angst vor zu wenigen Besuchern haben. Abgesehen von politischen Ereignissen wie Demonstrationen und Parteitagen gibt es keine Tabus. Der Lohn ist üppig: Fürs Klatschen, Anfeuern und Feiern bekommen die Claqueure je nach Auftrag 15 bis 20 Euro Stundenlohn. Eventmanager Bernhard zufolge hat das viele Jobsuchende überzeugt: 6.000 Stimmungsmacher seien schon in der Rent-A-Fan-Datenbank registriert, ungefähr drei Viertel von ihnen Studenten. Zudem sei der Job sehr flexibel: "Die Events finden ziemlich kurzfristig statt und man kann von Mal zu Mal entscheiden, ob man Lust hat, hinzugehen." Allerdings ist auch die Arbeit eines Claqueurs nicht ohne Nachteile: "Wie viel Geld man monatlich verdient, ist nicht vorherzusagen. Für manche Claqueure gibt es nur ein bis zwei Aufträge im Jahr", sagt Bernhard. Und lustig sind die Veranstaltungen auch nicht immer. So mancher Claqueur wurde schon für eine Beerdigung gebucht.

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Hauswächter

Ein Hauswächter hingegen weiß genau, was er verdient: exakt null Euro. Dafür aber wohnt er dort, wo es sich kaum ein Student leisten kann: in großzügigen, verlassenen Bauten, einem Schloss etwa, einer Luxusvilla oder einem alten Herrenhaus. Und dafür zahlt er keine horrenden Mieten, sondern nur 185 Euro Verwaltungsgebühr. Aufgaben hat der Hauswächter nicht, er muss nur wohnen. Die Idee dahinter: Leerstehende Häuser verlieren schnell an Wert, weil die Gebäudesubstanz verfällt. Bewohner aber heizen, lüften und helfen so, das Haus instand zu halten. Außerdem stehen Prunkbauten oft fernab von Wohnsiedlungen, daher sind die Hauswächter auch aus einem anderen Grund nützlich: Sie schützen vor Vandalismus, Graffiti und Diebstahl. Allerdings kann der Traum vom eigenen Schloss schnell vorbei sein: Wenn sich ein Käufer findet, dann müssen die Hauswächter binnen wenigen Wochen ausziehen. "Damit eignet sich das Angebot sehr gut für Studenten, denn die haben oft noch keine Kinder und sind flexibel", sagt Dirk Rahn von der Firma Camelot, die Hauswächter vermittelt. Das oberste Gebot für einen Hauswächter sei Verlässlichkeit, daher würden die Kandidaten in persönlichen Gesprächen ausgewählt und die bewohnten Objekte regelmäßig kontrolliert. Die anvertraute Immobilie muss pfleglich behandelt werden, Studentenpartys sind verboten. Neben den Luxusvillen schickt Camelot auch Hauswächter in ausgefallenere Gebäude: In Berlin etwa wohnt ein Student in einem leerstehenden Krankenhaus, anderswo hütet ein Mitarbeiter ein altes Gefängnis.

Leserkommentare
  1. Aktmodell ist wohl einer der ältesten Hiwi Jobs an Kunstinstituten.
    Also son groß ist die Neuigkeit nict.

    4 Leserempfehlungen
    • DerDude
    • 11. Januar 2013 20:22 Uhr

    Abgesehen von den Claqueuren bewegen sich die Löhne IMHO auf einem ziemlich durchschnittlichen Niveau. Eine Putzfrau würde auch nicht weniger verdienen...

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    "Eine Putzfrau würde auch nicht weniger verdienen..."

    Das ist richtig, aber welche Erwartung steckt denn hinter dieser Bemerkung?

    Es handelt es um Jobs, die vielleicht ausgefallen sind, aber keine weitere Qualifikation erfordern. Warum sollte der Student dafür mehr Geld bekommen als eine hart arbeitende Putzfrau?

    Nur weil er Student ist und doch bitte schön das Statusgefüge respektiert werden soll?

  2. "Eine Putzfrau würde auch nicht weniger verdienen..."

    Das ist richtig, aber welche Erwartung steckt denn hinter dieser Bemerkung?

    Es handelt es um Jobs, die vielleicht ausgefallen sind, aber keine weitere Qualifikation erfordern. Warum sollte der Student dafür mehr Geld bekommen als eine hart arbeitende Putzfrau?

    Nur weil er Student ist und doch bitte schön das Statusgefüge respektiert werden soll?

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Überdurchschnittlich?"
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    • DerDude
    • 12. Januar 2013 17:27 Uhr

    Nicht mein Kommentar, der Artikel, indem er die Jobs als überbezahlt herausstellt, spielt (wenn man ihn so liest wie Sie) mit der Rolle des Studenten im Statusgefüge der Gesellschaft. Allerdings habe ich nicht unbedingt den Eindruck, dass sich diese Lesart hier aufdrängt.

    Ich für meinen Teil habe lediglich darauf hingewiesen, dass hier womöglich eine Fehleinschätzung des Autors vorliegt.

    @peter.n
    Alleine der Mindestlohn liegt im Gebäudereinigungsgewerbe bei 9€, es wäre daher interessant zu wissen, wo immer noch für 7€ gearbeitet wird. In Ballungsräumen sind für Putzfrauen bis zu 15€ pro Stunde drin.

  3. Radeln per Rikscha bildet, ist kommunikativ und quasi das Praktikum in puncto Umgang Menschen.
    Der Job ist einer der coolsten, vorausgesetzt man ist bereit schweißtreibend sein Brot zu verdienen. Und man sollte gute Stadtführungen möglichst auch in englisch anbieten können, um so erfolgreicher fällt die Tagesbilanz aus.
    Weniger toll ist die Wetterabhängigkeit, insbesondere Regen, bei Kälte läuft es trotzdem.
    Außerdem ist nicht jede Stadt wie München so lukrativ, aber in puncto Flexibilität geht da vieles. Fahrer/ innen erwarten meist feste Einkommen , das geht so nicht. Mal verdient man nur 20-30 € und dann können es bis zu 300 € an einem Tag werden (München zum O-fest mehr!)
    Obwohl in Großstädten die Geschäftsaussichten gut sind, halten sich Studenten eher zurück: die Hardcore-Fahrer sind eher Marke Lebenskünstler und überzeugungstäter.
    Meines Wissens ist an Rhein (köln und Bonn) und Ruhr (Düsseldorf ) noch ein ziemlich großer Bedarf an geeigneten Fahrern/ innen.

  4. ist nun der Sinn dieses Artikels? Nicht jeder Student muss sich als Leiharbeiter verdingen? Man kann auch Rikschfahren oder nackt posieren?
    Tolle Erkenntnisfortschritte! Gerd Schröder hätte seine wahre Freude.

  5. "Wir zeigen fünf ausgefallene und ÜBERDURCHSCHNITTLICH BEZAHLTE Arbeiten."

    Darum ging der von ihnen zitierte davon aus, dass die obigen Jobs mehr einbringen sollten als den einer Putzfrau. Nicht weil er die Arbeit selbiger herabsetzten wollte, sondern weil der Artikel suggerierte 5 lukrative Studentenjobs zu bieten.

    "Nur weil er Student ist und doch bitte schön das Statusgefüge respektiert werden soll?"

    Kann man hier ein wenig Verbitterung über die persönlich verpassten Bildungschancen herauslesen, oder woher rührt der Zynismus?

    3 Leserempfehlungen
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    *Zitierte, *der einer Putzfrau

    Was bekommt denn eine Putzfrau? Sie kann zwar auch auf 400-Euro-Basis arbeiten, aber nur die wenigsten kommen auf mehr als 10 Euro (im Gegensatz zu den vorgestellten Berufen hier). Oft liegt der Stundensatz für eine Reinigungskraft um die 7,-, manchmal auch darunter.

  6. *Zitierte, *der einer Putzfrau

  7. ...wie das Aktmodell seine Arbeit beschrieb. Anfang der 90er fand ich es unglaublich anstrengend. Mir war ständig kalt, alle Gliedmaßen schliefen ein, und das Angebaggere der Profs ging mir sehr bald auf die Nerven. Ja, die Studenten waren okay und die Bezahlung nicht schlecht, aber nach ein paar Monaten bin ich dann doch Kellnern gegangen.
    Vielleicht ist es für Jungs ja anders...

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  • Schlagworte Arbeitszeit | Auslandsstudium | Euro | FKK | Student | USA
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