Stipendium 5.000 Dollar fürs Mittelmäßigsein

Meist gibt es Stipendien für arme oder schlaue Studenten. Ein Amerikaner hat eine Förderung für Normalos ausgeschrieben. Die Resonanz ist groß. von 

Mittelmäßig ist man heutzutage lieber nicht. Die Krise ist überall, der Arbeitsmarkt unsicher und der demografische Wandel im Gange. Da überlebt nur, wer Superkräfte besitzt. Und der Normalo? Der wird von einem Bankberater über den Tisch gezogen, findet keinen Job, und wenn doch, muss er arbeiten, bis er 95 ist und tot umfällt. Pech, hätte er sich halt mehr anstrengen müssen.

Ein 30-jähriger Amerikaner sieht das anders und hat ein Stipendium für Durchschnittsstudenten ins Leben gerufen. Die zwei durchschnittlichsten aller Bewerber bekommen 5.000 Dollar. Wie man seine Durchschnittlichkeit unter Beweis stellt? "Beeindruckt uns bloß nicht!", rät er in einem Infovideo.

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Ist das die Tat eines Bildungsrevolutionärs, der die schnöselige Stipendiaten-Elite verabscheut? Der ein Zeichen setzen will gegen den Wettkampf im Bildungswesen oder die soziale Spaltung?

Der Mann heißt Streeter Seidell und ist Chefredakteur der Satire-Webseite CollegeHumor. Das Stipendium ist lustig gemeint, aber nicht nur: "Warum gibt es so viele Stipendien für die oberen und die unteren zehn Prozent – und keine für die 80 Prozent mittelmäßiger Studenten? Weil sich niemand für sie interessiert!", sagt Seidell.

Er findet das ungerecht. Schließlich haben die meisten Studenten in den USA Geldprobleme wegen der hohen Studiengebühren. Er selbst habe an keiner Uni Spuren hinterlassen, sagte Seidell in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. "Mein Leben hat sich auch so gut entwickelt." Keiner seiner Kollegen bei CollegeHumor sei als Student so herausragend oder so bedürftig gewesen, dass er Anspruch auf finanzielle Hilfe gehabt hätte. "Mittlerweile haben wir Geld zur freien Verfügung." Was läge da näher, als es einem netten Durchschnittsstudenten zu geben?

Seit Dienstag ist die Ausschreibung online, in den ersten 24 Stunden bewarben sich mehr als 500 Studenten. In vielen schlummert trotz Mittelmäßigkeit kreatives Potenzial: Gleich mehrere Bewerber sandten Videos ein, die sie beim Fernsehen zeigen.

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Leserkommentare
  1. Ich konnt mich irgendwie vor Lachen nicht halten. Sehr schön.

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    • Quadrat
    • 11. Januar 2013 19:47 Uhr

    "Meist gibt es Stipendien für arme oder schlaue Studenten"
    Wenn ich mir anschaue wieviele "deppen" an unserer Fakultät die Stipendien haben, dann kann nicht die Rede davon sein, dass Stipendien für schlaue Studenten ist. Im Gegenteil die schlauen gehen leer aus und diejenigen bekommen das Stipendium, die sich gut verkaufen können

    14 Leserempfehlungen
  2. Das ist eine super Sache. Ich schaue auch hin und wieder welche Stipendien angeboten werden, aber für mich trifft einfach keins zu.

    Dieses "Gut Verkaufen können" denke ich zeigt dass ein Student schlau ist. Wer nur im stillen Kämmerlein seine Topleistungen abrufen kann wird nicht weit kommen.

    Eine Leserempfehlung
  3. da nicht jede geistige Fähigkeit quantifizierbar ist (also sich in Klausurnoten wiederspiegelt), macht es sicherlich Sinn, Stipendien möglichst breit zu streuen - mit dem Optimum einer Förderung für jeden, der sich wissenschaftlich bilden will.

    Auf jeden Falle besser, als hierzulande, wo der wichtigste Schritt für ein Stipendium im Eintritt in eine Partei liegt.

    • vonDü
    • 12. Januar 2013 5:11 Uhr

    Die Idee vom Stipendium für Mittelmaß ist Blödsinn, aber die Kritik an den Vergabekriterien, halte ich für durchaus berechtigt. Und nicht nur ich, wenn ich Kommentar 2 und die Resonanz betrachte.
    Ich würde mich zwar dem Begriff "Deppen" nicht unbedingt anschließen, aber aus eigener Erfahrung, weiß ich, dass die Einserkandidaten, in der Praxis nicht automatisch auch Spitze waren.

    In der Wirtschaft hat man das längst erkannt, und vertraut bei der Auswahl der Bewerber schon länger nicht mehr nur auf Scheine, Turboabschlüsse und Noten.

    Für den praktischen Erfolg, der theoretischen, notendefinierten "Mittelmäßigkeit" gibt es genügend Beispiele und daher auch Gründe, die Auswahlkriterien zu erweitern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitsmarkt | Studiengebühr | Video | Dollar | Fernsehen | Geld
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