Politplag : "15 Euro brutto pro Stunde ist nicht übertrieben"

Der Gründer der Plattform VroniPlag will sich die Jagd auf Plagiate künftig durch Bürgerspenden finanzieren lassen. Im Interview sagt er, wie sein Hobby zum Beruf wurde.

ZEIT ONLINE: Nach VroniPlag haben Sie nun eine neue Plattform namens Politplag gegründet. Sehen Sie es als Ihre Mission, Politiker zu stürzen?

Martin Heidingsfelder: Wir wollen verhindern, dass die Wähler weiterhin beschummelt werden. Der Doktor verleiht Politikern einen Vertrauensvorschuss, den sie womöglich nicht verdienen. Im Gegenteil: Plagiatoren sind unehrlich und unredlich. Genau das möchte ich mit Politplag dokumentieren. So können wir vielleicht vorbeugen, dass Plagiatoren überhaupt zur Wahl antreten.

ZEIT ONLINE: Das klingt ehrenwert. Allerdings wollen Sie mit Politplag auch Geld verdienen. Während das VroniPlag-Team ehrenamtlich arbeitete, sollen nun Bürger im Crowdfunding-Verfahren Geld spenden. Warum?

Heidingsfelder: Dissertationen zu prüfen, ist seit 2011 mein Hauptberuf. Es ist also schon lange kein Hobby mehr, sondern ich lebe davon.

ZEIT ONLINE: Für die erste Prüfung einer Arbeit nehmen Sie 300 Euro, jeder weitere Arbeitstag kostet 500 Euro. Sie verdienen gut, oder?

Heidingsfelder: Es geht. Sie müssen sich bewusst machen, dass ich meistens nicht acht, sondern 16 Stunden am Tag in der Bibliothek oder am Computer sitze und arbeite. Ein Verdienst von unter 15 Euro brutto pro Stunde ist nicht übertrieben, oder? Nebenbei arbeiten meine Mitarbeiter und ich auch unentgeltlich an vielen Dingen, die uns angetragen werden.

Martin Heidingsfelder

Martin Heidingsfelder ist der Gründer der Plagiatsplattform Vroniplag. Sein aktuelles Projekt ist die Internetseite Politplag, auf der er Dissertationen von Bundestagsabgeordneten prüfen möchte.

ZEIT ONLINE: Berichten zufolge untersuchen sie als nächstes die Arbeit von Johanna Wanka, der Nachfolgerin von Annette Schavan.

Heidingsfelder: Ich werde mir die Dissertation schicken lassen, aber ich weiß nicht, wann ich dazu komme, sie durchzusehen. Außerdem ist es eine mathematische Arbeit, die müsste ich an einen meiner Experten übergeben.

ZEIT ONLINE: Motiviert Sie zusätzlich, dass Sie selbst für den Deutschen Bundestag kandidieren?

Heidingsfelder: Nein. Ich kandidiere nur als Füllkandidat bei der Piratenpartei, damit diese hoffentlich die Fünf-Prozent-Hürde in Bayern und im Bund überspringt.

ZEIT ONLINE: Warum war es eigentlich nötig, eine neue Plattform zu gründen?

Heidingsfelder: VroniPlag Wiki war mein Baby. Ziel war, dass VroniPlag Wiki wächst und insbesondere in der Wissenschaft Dinge in Bewegung setzt. Doch jetzt fährt das nur noch kleine Team einen Kuschelkurs, über den ich mich echauffieren kann: Anstatt mit ihren Funden an die Öffentlichkeit zu gehen und politisch aktiv zu werden, sitzen sie fleißig an ihren Schreibtischen und dokumentieren lediglich. Das reicht aber nicht. Früher haben wir ordentlich Wirbel gemacht, wenn wir Plagiate bei politischen Persönlichkeiten entdeckten. Dieses Engagement weicht zunehmend einer zögerlichen Haltung. Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere skandalöse Fälle aufgedeckt, aber die letzten politischen Verdachtsfälle gingen zugunsten der Plagiatoren aus.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Heidingsfelder: Jürgen Goldschmidt, der FDP-Bürgermeister aus Forst, hat sogar bei der Super Illu abgeschrieben. Das hat ja wohl nichts mit guter wissenschaftlicher Arbeit zu tun. Anstatt Herrn Dr. Goldschmidt den Titel zu entziehen, hat die TU Berlin ihm sogar erlaubt, seine Dissertation im Nachhinein zu korrigieren. Stellen Sie sich das einmal vor: Das ist ja so, als würde man einem Schulkind erlauben, seine mangelhafte Mathearbeit einfach noch einmal zu schreiben. Auch hier hätte man mehr Wirbel machen müssen. Die Dissertation von FDP-Politiker Daniel Volk weist auf mehr als einem Drittel der Seiten Plagiate auf. Auch in der Arbeit des CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg haben wir Plagiate gefunden. Beide durften ihren Titel behalten und Vroni Plag Wiki hat nichts dagegen getan.

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Kommentare

64 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

was ist schräg?

Sie scheinen ja in einer geraden eigenen Welt zu leben, dass Ihnen das schrägt vorkommt.
Wieviele Leute sind im Schützenverein und schießen gerne mit großen Wummen rum, das kommt mir eher schräg vor.
Oder mit einem dicken Auto zu rasen und dabei sein leben und das anderer zu riskieren.
denken sie mal drüber nach...

Ansonsten: Schöner Artikel, es braucht mehr Leute mit Rückgrat wie den Herrn :).