Promotion : "Der Doktortitel ist ein Antrieb"

Andreas Rademachers ist FDP-Kommunalpolitiker und schreibt gleichzeitig seine Doktorarbeit. Im Interview sagt er, warum ihn die Plagiatsaffären nicht davon abhalten.

ZEIT ONLINE: Herr Rademachers, Sie sind FDP-Kreistagsabgeordneter und promovieren außerdem in Geschichtswissenschaften. Müssen Sie sich gerade hämische Sprüche anhören?

Andreas Rademachers: Eigentlich nicht. Als zu Guttenberg, Koch-Mehrin oder Chatzimarkakis ihre Doktortitel verloren, war das noch anders. Jetzt aber ist die Luft raus aus der Debatte. Mittlerweile ist es ja beinahe schon Alltag, in der Zeitung über Politiker unter Plagiatsverdacht zu lesen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie die Plagiatsaffären im Hinterkopf, wenn Sie an Ihrer Dissertation schreiben?

Rademachers: Es stimmt, eine Doktorarbeit ist gerade für einen Nachwuchspolitiker mittlerweile mit einem gewissen Risiko verbunden. Sollte ich eines Tages den Sprung in die Berufspolitik wagen und stärker in der Öffentlichkeit stehen, könnte durchaus auch meine Doktorarbeit durchleuchtet werden.

ZEIT ONLINE: Hätten Sie etwas dagegen?

Rademachers: Plattformen wie PolitPlag und VroniPlag sind mir zu missionarisch. Es geht dort mittlerweile zu sehr um Effekthascherei. Ich werde meine Doktorarbeit aber vor Abgabe auf jeden Fall mit den gängigen Plagiatssoftwares testen, um sicherzustellen, dass mir keine Flüchtigkeitsfehler unterlaufen sind. Eine Plagiatsdebatte um meine Doktorarbeit möchte ich mir ersparen.

ZEIT ONLINE: Mal überlegt, die Promotion ganz abzubrechen?

Rademachers: Ich hoffe, dass in Zukunft auch junge Politiker weiter Doktorarbeiten schreiben werden. Politisches Engagement darf nicht zu einem Argument gegen eine Promotion werden. Plagiatsplattformen helfen natürlich, wissenschaftliche Standards hochzuhalten. Gleichzeitig müssen sie aber aufpassen, dass ihre Arbeit nicht zu einer Hexenjagd ausartet und politisch engagierte Studenten dann doppelt überlegen, ob sie wirklich eine Promotion beginnen. Für das Einhalten von Qualitätsstandards sind aus meiner Sicht in erster Linie die Doktorväter und Hochschulen verantwortlich, nicht Plagiatsjäger im Internet.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Gibt es natuerlich

Klar sowas soll vorkommen, insbesondere wenn
der Kandidat in einem Verhaeltnis (geschaeftlich, gesellschaftlich, privat etc. ) zu seinem Doktorvater steht, aber das bedeutet nicht, dass dies immer so locker ueber die Buehne geht. Verallgemeinerungen, sieht man vielleicht von Medizinern ab (die brauchen aber nicht einmal ein Jahr fuer ihre Diss. und teilweise reichen 30 Seiten aus.) helfen da nicht weiter.

Juristisch nicht

Leider ist so, das deutsche Richter keinen Grund sehen, eine Wahl wiederholen zu lassen, wenn ein Kandidat vorgibt ueber einen Dr Titel zu verfuegen, den er tatsaechlich jedoch nicht besitzt. Dies gilt auch dann, wenn der Kandidat seine Kompetenz aus dem Dr Titel ableitet. Zumindest wurde so wiederholt befunden. Also Politiker duerfen schon bei Ihrer Selbstvorstellung luegen, das sich die Balken biegen.