Unterfinanzierte Hochschulen, Streit um Studiengebühren und zu viel Leistungsdruck im Studium – deutsche Studenten haben reichlich Gesprächsstoff. Wir haben in einer kleinen E-Mail-Umfrage Studierende nach ihren Wünschen an die neue Bildungsministerin Johanna Wanka gefragt.

Die Resonanz war so groß, dass wir sie auf Twitter fortführen wollen. Ergänzen Sie die Liste auf Twitter per Hashtag #wwünsche. Oder kommentieren Sie unter unserem Facebook-Post.

Hier eine Auswahl der Wanka-Wünsche, die Studenten per E-Mail an ZEIT ONLINE geschrieben haben:

Weniger Druck

Liebe Frau Wanka, bitte holen Sie uns zurück auf den Teppich – in Zeiten von Zeit-, Konkurrenz- und Leistungsdruck. Machen Sie Werbung für Auslandsjahre und Freiwilligendienste – aber nicht, um den Lebenslauf zu pimpen, sondern um herauszufinden, wo er überhaupt hinführen soll. Machen Sie Werbung für Pausen, fürs Luft Holen, fürs Rauskommen. Weil man erst abseits dieses ganzen Zirkus herausfinden kann, was wirklich wichtig ist.

Eva Schulz studiert Kommunikation, Kultur und Wirtschaft in Friedrichshafen.

Mehr Zeit zur Reflexion

Johanna Wanka, ich wünsche mir von Ihnen Wertschätzung von Zeit, Selbstständigkeit und Reflexion im Bachelor-Master-PhD-Zahnradgetriebe! Wir jungen Menschen wollen keine Presswurst der globalen Wirtschaft sein.

Johanna Hirschler, studiert Environmental and Resource Management an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus

Humboldt'sche Bildung

Liebe Frau Wanka, ihrer Vorgängerin Frau Schavan mag der Doktortitel berechtigterweise zum Verhängnis geworden sein, dennoch ist zu betonen: Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, dessen Bildungsziel der Bildungsabschluss oder der Bildungstitel ist. Ziel von Bildung sollte eine Art Humboldt’sche Vervollkommnung der Persönlichkeit sein, welche die Gesellschaft nachhaltig prägt. Wir sind Knowmaden und brauchen lebenslange Bildungsabonnements, um kontinuierlich aber zeitlich, örtlich und inhaltlich flexibel lernen und wirken zu können. Denn Bildung von heute ist morgen schon wieder Schnee von gestern. Wir müssen abwägen zwischen gesellschaftlicher Bildungseinheit und individueller Bildungsfreiheit, um so stetigen Wandel zu erlauben und wandelnde Stetigkeit zu erreichen. Liebe Frau Wanka, ich wünsche mir eine Bildungsrenaissance – für eine weise, nachhaltige und wertreiche Bildung.

Ali Aslan Gümüsay promoviert an der University of Oxford.

Mehr Freiheit und Verantwortung

In meinem Studium würde ich gerne an vielen Kursen teilnehmen, die nicht im Pflichtcurriculum enthalten sind. Und ich würde gerne mehr im Selbststudium erarbeiten. Ich kann gut lernen, wenn ich Zeit und Inhalt selber einteile. Von Ihnen, Frau Wanka, wünsche ich mir deshalb: Freiheit! Die Freiheit, mich selber für Kurse und Vorlesungen zu entscheiden, Kurse zu besuchen, die nicht Pflicht sind und Fächer im Selbststudium zu erarbeiten.

Würde ich dadurch eine schlechtere Ärztin werden? Ich glaube nicht. Meinetwegen lassen Sie ein paar Pflichtkurse bestehen. Die praktische Erfahrung finde ich sehr wichtig. Aber bitte: Geben Sie uns Studenten Freiheit und Verantwortung zurück. Beenden Sie die minutiöse Kontrolle. Ich bin mir sicher, dass wir Sie nicht enttäuschen werden. Und die Abschlussexamina zur Kontrolle können Sie ja beibehalten.

Lara Li Hesse studiert Medizin an der Universität zu Lübeck.

Mehr Entfaltung

Ich wünsche mir, dass das Studium kein Hamsterrad ist, sondern Zeit und Möglichkeit bietet, sich als Persönlichkeit mit seinen Interessen zu entfalten. Soll heißen: Gegen ein Rennfahrer-System, in dem es nur darum geht, Praktika und ähnliches zu absolvieren, um seinen Lebenslauf aufzupimpen – und für mehr Zeit, sich logisches Denken und Charakterstärke anzueignen.

Bojana Zivkovic studiert Jura an der Universität Heidelberg.

Ein Studium darf keine Schmalspurausbildung sein

Ich wünsche mir, dass es wieder Ziel der Bundespolitik wird, dass alle Studierenden die Chance auf ein gutes Studium bekommen – und nicht einige wenige auf ein sehr gutes, die meisten aber nur auf eine Schmalspurausbildung.

Thomas Weigelt promoviert an der Universität Hamburg in Jura.

Freiheit nicht nur an Privatunis

Ich habe sie gehabt, aber nur weil ich an einer Privatuni studiere: Freiheit! Ich konnte in den letzten viereinhalb Jahren selbst bestimmen, was ich lerne und was nicht (solange ich alle Prüfungen bestanden habe). Im Gespräch mit Studierenden staatlicher Unis habe ich immer wieder das Gefühl, dass diese Freiheit verloren gegangen ist und die Studenten gar nicht mehr die Möglichkeit bekommen, ihren Interessen nachzugehen.

Hyatt Balke-Want studiert Humanmedizin an der Uni Witten/Herdecke.

Ein selbstbestimmtes Studium für alle

Ich wünsche mir ein selbstbestimmtes, freies Studium für alle! Das heißt ohne Studiengebühren, ohne Anwesenheitspflichten sowie ohne Leistungs- und Zeitdruck. Ein Studium muss nicht immer praktisch sein. Studieren heißt auch mal, unpraktische Fragen zu stellen – ja, die Dinge zu hinterfragen. Dies mag auf dem Arbeitsmarkt zwar unpraktisch sein, ist aber für unsere Gesellschaft essenziell!

Richard Brand studiert Soziologie und Geographie an der Universität Hamburg.