ZEIT ONLINE: Es stimmt also, dass Zahnmediziner weniger Zeit in die Lehre investieren müssen?

Malte: Nur bis zum Physikum.

Max: Danach dreht sich das komplett um. Während der Vorklinik, also die ersten fünf Semester bis zum Physikum, ist unser Programm etwas abgespeckter als bei den Humanmedizinern.

Malte: Die Zahnis mussten gefühlt zweimal pro Woche in die Uni und wir hatten jeden Tag Pflichtprogramm. Wir saßen zum Beispiel im selben Physiologieseminar und mussten einen Kurzvortrag halten und die Zahnis nicht.

Max: Das liegt an den verschiedenen Approbationsordnungen.

Malte: Die Uni verschärft damit die Vorurteile –

Max: – wobei das mit der neuen Approbationsordnung geändert werden soll. An einigen Unis gilt sie schon: Die Vorklinik ist dann bei Zahn- und Humanmediziner gleich.

ZEIT ONLINE: Und nach dem Physikum?

Malte: Da ist unser Studium völlig verschieden. Die Zahnis müssen ab dem sechsten Semester jeden Tag behandeln. Sie haben eine Anwesenheitspflicht von 8:00 bis 18:00 Uhr und sie müssen immer gut vorbereitet sein, falls der betreuende Arzt sie abfragt. Bei uns interessiert das erst einmal nicht, Hauptsache du bestehst die Klausuren. Zu den Vorlesungen konnte ich gehen oder nicht.

ZEIT ONLINE: Ihr macht jetzt beide euer Examen. Was müsst ihr dafür lernen?

Malte: Alles. Geschichte der Medizin, Statistik, Innere Medizin, Chirurgie, Pharmakologie... Das Klinikexamen für Mediziner hat 21 Fächer. Wir schreiben Multiple-Choice-Klausuren. Im Mündlichen haben wir dann Innere Medizin, Chirurgie ein Wahlfach, bei mir ist das Gynäkologie und ein Fach, das zugelost wird.

Max: Bei uns sind es 14 Fächer: Sieben zahnmedizinische und sieben humanmedizinische. Es gibt mündliche und praktische Prüfungen: Man muss vielleicht eine Krone, eine Füllung oder eine Wurzelbehandlung machen und dann die Theorie dahinter erklären.

ZEIT ONLINE: Was würdet ihr an eurem Studium verändern, wenn ihr könntet?

Malte: Mehr Praxisbezug. Auch wenn die Veranstaltung "Praktikum Chirurgie" heißt, macht man zehn Semester lang nichts Praktisches, sondern erst im Praktischen Jahr. Das beneide ich wirklich an dem Zahnmedizinstudium: die Praxis und den Kontakt zum Patienten von Anfang an. Und die Betreuung ist bei den Zahnis besser, weil sie weniger Leute im Semester sind. Bei uns wirst du in der Masse durchgeschleust. Die sind so knapp 40 und wir Pi mal Daumen 200.

Max: Still und heimlich wäre Malte nämlich gern Zahnarzt!

Malte: Nee, wäre er nicht!

Max: Er ist immer sehr interessiert, was bei uns abgeht.

Malte: Man muss ja über den Tellerrand hinaus schauen, falls mal jemand eine zahnmedizinische Frage hat.