Die EU will Europas Universitäten für Studenten aus der ganzen Welt leichter zugänglich machen. Gelockerte Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen sollen Talente anlocken, sagte die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström am Montag. Auch innerhalb der EU sollen Studenten und Forscher unkomplizierter das Land wechseln können.

Deutschland dürfte dieser Vorstoß gelegen kommen. Wenn in einigen Jahren die doppelten Abiturjahrgänge ihre Abschlüsse gemacht haben, werden die deutschen Universitäten verstärkt auf ausländisches Interesse angewiesen sein. Aktuell gibt es rund 250.000 ausländische Studenten. Margret Wintermantel, die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), fordert, bis 2020 sollten es 300.000 sein.

Die Devise ist klar: Nur international ausgerichtete Universitäten werden langfristig erfolgreich sein. Doch wie steht es um die Internationalisierung der deutschen Hochschulen? Auf den ersten Blick ganz gut: Fast 800 englischsprachige Bachelor- und Masterprogramme listet die Website des Deutschen Akademischen Austauschdienstes auf. Viele der Programme kosten nicht einmal Studiengebühren.

Nur die Hälfte macht einen Abschluss

Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass Deutschland ausländische Studenten eher verschreckt. Eine 2012 veröffentlichte Studie des Bildungsforschers Ulrich Heublein ergab: Nur die Hälfte der ausländischen Studenten in Deutschland macht einen Abschluss. Dazu beantragt nur jeder Vierte, nach dem Studium in Deutschland bleiben zu können – dabei geben rund 80 Prozent an, gerne bleiben zu wollen. Frühere Untersuchungen des Hochschulinformationssystems ergaben, dass rund 40 Prozent der ausländischen Studenten nur einmal pro Woche oder seltener Kontakt zu ihren deutschen Kommilitonen haben.

Mit internationalen Magneten wie etwa Großbritannien kann Deutschland nicht mithalten. Top-Platzierungen von Institutionen wie Cambridge und Oxford in Rankings wecken weltweit Interesse. Doch auch hierzulande gibt es Ansätze, internationale Studenten stärker anzusprechen. "Eine nicht unwesentliche Anzahl deutscher Unis versucht inzwischen, mit der ausländischen Konkurrenz mitzuhalten", sagt Nina Grether von der europäischen Internetplattform StudyPortals. Die FU Berlin lege großen Wert auf ihre englischsprachigen Kurse und weltweite Zweigstellen. "Auch die Jacobs University und die Uni Göttingen gelten als fortschrittlich." Als Vorreiter in der Betreuung ausländischer Studenten gilt die Universität Bremen: Hier gibt es ein Mentorenprogramm für ausländische Studenten.

Noch allerdings gibt es kein deutsches Pendant zu Vorreiteruniversitäten, wie etwa dem Institut d´Etudes Politiques de Paris (SciencesPo) in Frankreich. Mehr als 45 Prozent der Studenten kommen hier aus dem Ausland. "Die Abbrecherquote ist verschwindend gering", sagt Francis Vérillaud, der Direktor für internationale Angelegenheiten. Charakteristisch sind die Studieninhalte: Unterrichtet wird nicht nur das Curriculum des Faches. Creditpoints gibt es auch für Musik-Kurse, künstlerische Projekte und den Besuch von Vorlesungen, die sich mit Themen abseits der klassischen Bachelor-Themen bewegen, zum Beispiel: "Was verbindet Deutschland und Frankreich?" Es ist eine Mischung aus internationaler Bildung und französischer Lebenskultur, die an der SciencesPo gelehrt wird. Francis Vérillaud nennt es Métissage, die Vermischung verschiedener Nationalitäten.

Vorbilder gibt es auch außerhalb Europas. Mit fast 10.000 ausländischen Studenten ist die University of Southern California die internationalste Universität in den USA. Eine eigene Abteilung widmet sich dem Wohlergehen der ausländischen Studenten: sie bietet Workshops, Festivals, Konferenzen, Mentoren-Programme und Reisetrips in den Ferien an.

Die EU plant, die vereinfachten Einreisebestimmungen für Studenten bis zum Jahr 2016 umzusetzen. Bis dahin muss sich in Deutschland einiges getan haben. Denn EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hat sicher nicht unrecht, wenn sie sagt: "Diese Menschen werden für uns in Zukunft der Schlüssel zu Entwicklung und Wachstum sein."