StudentenfragenHabe ich versehentlich plagiiert?

Prominente Politiker mussten zurücktreten, weil sie abgeschrieben haben. ZEIT ONLINE gibt Tipps, wie Studenten ihre Arbeiten vor der Abgabe überprüfen können. von Julian Kirchherr

Die Debatte über Annette Schavans Dissertation hat mich verunsichert. Wie überprüfe ich meine eigene Arbeit auf Plagiate?, fragt der Psychologie-Student Jakob Richert.

Lieber Jakob Richert,

zunächst können Sie Ihre Arbeit mit einer Plagiatssoftware überprüfen, die man im Internet herunterladen kann. Sie findet grobe Eins-zu-eins-Plagiate innerhalb von Sekunden.

Anzeige

Ein Programm, das mittlerweile an über 80 deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen genutzt wird, ist turnitin. Sie können es möglicherweise über Ihre Hochschule kostenlos nutzen. Brauchbare Alternativen sind Urkund und Ephorus. Kurze Texte können Sie außerdem gratis bei PlagAware kontrollieren lassen.

Aber die Technik kommt leicht an ihre Grenzen – etwa durch veränderten Satzbau oder das Verwenden von Synonymen. Laut Software ist alles okay; der Dozent sieht das aber womöglich anders.   

Studentenfragen

Was tun, wenn das Bafög nicht kommt? Wie kann ich mich gegen ungerechte Noten wehren? Wenn Sie eine Frage zum Studium haben, schreiben Sie uns!

In unserer Serie recherchiert ein Autor von ZEIT ONLINE regelmäßig die wichtigsten Fakten und holt Rat von Experten ein. 

Die Politikwissenschaftsdozentin Anke Hassel sagt, ein Plagiat lasse sich oft am Schreibstil festmachen. "Wenn auf eine holprige Einleitung ein Absatz in geschliffenem Akademiker-Deutsch folgt, werde ich wach." Hassel rät Studierenden, Formulierungen, die als Plagiat ausgelegt werden könnten, in verschiedenen Varianten bei Google einzugeben. So werde schnell sichtbar, was selbst entwickelt ist, und wer unabsichtlich im Copy-Shake-Paste-Verfahren gearbeitet hat.

Außerdem rät sie: "Die meisten Seminararbeiten basieren auf wenigen zentralen Texten." Diese Texte sollten vor Abgabe erneut gelesen werden. Dabei sollte man darauf achten, ob einem Textstellen auffallen, die genau so in der eigenen Arbeit stehen, ohne dass man sie als Zitat kenntlich gemacht hat.

Wer versehentliche Plagiate fürchtet, ist aber ohnehin schon auf dem richtigen Pfad. Ist man sich des Problems bewusst, wird man weder ganze Passagen noch zentrale Formulierungen aus dem Internet in die eigene Arbeit kopieren.    

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes wurde eine Untersuchung zur Wirksamkeit verschiedener Plagiatssoftwares zitiert. Die Autorin dieser Untersuchung, Debora Weber-Wulff, rät Studenten nicht zur Nutzung dieser Programme.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • 可为
    • 14. März 2013 17:27 Uhr

    "zunächst können Sie Ihre Arbeit mit einer Plagiatssoftware überprüfen, die man im Internet herunterladen kann. Sie findet grobe Eins-zu-eins-Plagiate innerhalb von Sekunden"

    Da gibt die Redaktion den perfekten Tip für jeden Abschreiberling welchen Teil seiner Kopien er besser verschleiern oder umformulieren sollte...Toll!

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... ein Quatsch. Damit wird er nur aufmerksam gemacht, wo er besser die entsprechende Quelle dranhängen sollte. Es ist niemandem verboten Texte oder Textteile zu kopieren, es muss eben nur entsprechend gekennzeichnet werden.

    Sie halten womöglich auch ein Video, in dem erklärt wird, was für Rechte man bei einer Polizeikontrolle hat, für ein howto für Kriminelle, wa? Und ein Anwalt vor Gericht ist eigentlich auch nur Verbrechensgehilfe?

    Ich möchte mal behaupten, dass z.B. Geisteswissenschaftler NIE 100%ig sicher sein können, nicht plagiiert zu haben. Oyamat hat schon treffend beschrieben, weshalb. Als ich vor einiger Zeit meine Wissenschaftliche Arbeit schrieb, hatte ich 20 Bücher auf dem Tisch und mindestens 30 Artikel als pdf als Grundlage. Da mal etwas so zu formulieren, dass es wie ein absichtliches Plagiat wirkt, passiert viel schneller, als man denkt.

    Zitat Chris79:
    "Mir kommt bei solchen Sprüchen immer der leise Verdacht, dass der Ankläger selber wenig Ahnung von der Materie hat. Aber wie gesagt, ich will Ihnen da nichts unterstellen."

    .

  1. Zitat: "So werde schnell sichtbar, was selbst entwickelt ist, und wer unabsichtlich im Copy-Shake-Paste-Verfahren gearbeitet hat."

    Wie kann man denn bitteschön "unabsichtlich" plagiieren? Wer abschreibt ist es sich stets bewusst und sollte einfach die Gänsefüßchen setzen und seine Quelle dazu schreiben.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Klar, man schreibt so eine Arbeit ja auch in eins runter...
    Unabsichtlich plagiieren kann man zum Beispiel, wenn man aus einer von vielen, vielen Quellen ein Zitat in seine Notizen oder seinen Entwurf schreibt und dann vergisst, es zu kennzeichnen, oder die Kennzeichnung beim Übergang zum fertigen Werk verschludert. Verschludern ist gar nicht schwer und auch ohne Vorsatz möglich ;) Sollte aber natürlich nicht passieren.

    Vielleicht sind Sie ja die Ausnahme und können eine Dissertation einfach so herunterschreiben und sich immer ganz genau erinnern, was sie wann wo gelesen haben. Mir kommt bei solchen Sprüchen immer der leise Verdacht, dass der Ankläger selber wenig Ahnung von der Materie hat. Aber wie gesagt, ich will Ihnen da nichts unterstellen.

    Ich weiß in den schlimmsten Phasen nicht mal mehr, was ich gestern geschrieben habe. Ich schiebe und kopiere, füge hier ein und lösche da. Ab und zu verschwindet auch eine Fußnote beim Überarbeiten und ich muss Wochen später mühsam rekonstruieren, wo genau ich das Zitat denn jetzt her hatte. Manchmal lese ich Sätze in meiner Arbeit und denke: Toll, das hast Du geschrieben?

    Vielleicht bin ich schlicht ein Chaot. Mir würde die entsprechende Software in jedem Fall helfen.

    Ich kann Ihnen nur zustimmen, "unbewusst plagieren" ist unmöglich - ausser vielleicht in einem Fall. Wer selbst bereit ein Paper veröffentlicht hat kann durchaus unbewusst ein Plagiat der eigenen Arbeit erstellen - das ist dann durchaus unsaubere Arbeiten.

    Ein Plagiat hinsichtlich des Werks eines anderen kann man entweder nur bewusst erstellen - dann ist es win Vergehen, oder man hat das Pech das man tatsächlich etwas gleich formuliert. Letzteres kann auftreten dürfte aber selten sein.
    Und an jene welche Notizzettel erwähnen - man sollte Zitate in den eigenen Notizen dann eben kennzeichnen, das ist doch kein Problem. Auch muss man ein. Dissertation nicht auf einmal schreiben sondern kann sie über die Jahre aufbauen - dann benötigt man auch nicht hunderte von Notizzetteln.

  2. ... ein Quatsch. Damit wird er nur aufmerksam gemacht, wo er besser die entsprechende Quelle dranhängen sollte. Es ist niemandem verboten Texte oder Textteile zu kopieren, es muss eben nur entsprechend gekennzeichnet werden.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sehr sinnig"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 可为
    • 14. März 2013 20:13 Uhr

    dass man einen Text wörtlich übernommen hat, und zufällig die Kennzeichnung vergessen...Das halte ich für den eher unwahrscheinlicheren Einsatz dieser Software von Seite des Schreibers.

    • 可为
    • 14. März 2013 20:13 Uhr

    dass man einen Text wörtlich übernommen hat, und zufällig die Kennzeichnung vergessen...Das halte ich für den eher unwahrscheinlicheren Einsatz dieser Software von Seite des Schreibers.

    Antwort auf "Was für ..."
  3. Naja, man kann schon ein Plagiat erzeugen, ohne abzuschreiben. Zum einen gibt es Nachschöpfungen. Für das Abtasttheorem war die Zeit in den dreißiger Jahren einfach reif, und so nennen wir heute Shannon, Wiener, Khinchin (in seinen diversen Schreibweisen) und noch irgend so einen Russen, die alle unabhängig voneinander das Abtasttheorem entdeckt haben. Die Differentialrechnung wurde mehrfach erfunden, etc. pp. Das Nachschöpfen originärer Gedankengänge anderer Leute kann auch Studierenden passieren. Zum zweiten ist formelhaftes Deutsch ein großes Problem. Natürlich gibt es Leute, die jeden ihrer Sätze fünf Minuten wenden. Aber es gibt auch Leute, die wie in einem Flow schreiben. Nach meiner Erfahrung finden sich in letzteren Texten sehr viel mehr Übernahmen von prägnanten Formulierungen und Bildern des Vorlagentextes, und wenn dann nicht geprüft wird, wo gleichlautende Wortketten in Vorlagentext und eigener Arbeit auftauchen, ist der Verdacht eines Plagiats beim gut eingelesenen Korrekteur schnell da. Ich möchte meinen Flow-Künstlern immer gerne "mehr Sorgfalt" zurufen. Das tue ich auch meist und bitte um ein Vorschlussexemplar, bevor ich korrigiere, denn bei meinen Prüflingen ist das Bewusstsein für das absolute Fälschungsverbot viel wichtiger als umgedichtete, ungenügend gekennzeichnete Excerpte im Grundlagenteil. Aber so hat jede Disziplin ihre Spezialisten; die einen haben ihren Guttenberg, die anderen ihren Hwang.

    6 Leserempfehlungen
  4. Klar, man schreibt so eine Arbeit ja auch in eins runter...
    Unabsichtlich plagiieren kann man zum Beispiel, wenn man aus einer von vielen, vielen Quellen ein Zitat in seine Notizen oder seinen Entwurf schreibt und dann vergisst, es zu kennzeichnen, oder die Kennzeichnung beim Übergang zum fertigen Werk verschludert. Verschludern ist gar nicht schwer und auch ohne Vorsatz möglich ;) Sollte aber natürlich nicht passieren.

    11 Leserempfehlungen
  5. Der Link zu Copy-Shake-Paste funktioniert nicht. Sollte er hierhin führen?
    http://copy-shake-paste.b...

  6. Vielleicht sind Sie ja die Ausnahme und können eine Dissertation einfach so herunterschreiben und sich immer ganz genau erinnern, was sie wann wo gelesen haben. Mir kommt bei solchen Sprüchen immer der leise Verdacht, dass der Ankläger selber wenig Ahnung von der Materie hat. Aber wie gesagt, ich will Ihnen da nichts unterstellen.

    Ich weiß in den schlimmsten Phasen nicht mal mehr, was ich gestern geschrieben habe. Ich schiebe und kopiere, füge hier ein und lösche da. Ab und zu verschwindet auch eine Fußnote beim Überarbeiten und ich muss Wochen später mühsam rekonstruieren, wo genau ich das Zitat denn jetzt her hatte. Manchmal lese ich Sätze in meiner Arbeit und denke: Toll, das hast Du geschrieben?

    Vielleicht bin ich schlicht ein Chaot. Mir würde die entsprechende Software in jedem Fall helfen.

    12 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Hochschule | Autor | Dissertation | Internet | Plagiat
Service