StudentenfragenWie lange darf eine Klausurkorrektur dauern?

Der Professor gibt auch nach Monaten die Klausur nicht zurück. Wie können sich Studenten dagegen wehren? von Julian Kirchherr

Ich warte seit über drei Monaten auf die Rückgabe einer Klausur. Wie lange darf sich ein Professor dafür Zeit lassen?, fragt die Jura-Studentin Vanessa Chromy.

Liebe Vanessa Chromy,

wenn Sie schnell Feedback benötigen, können Sie Ihren Professor zunächst um eine Bescheinigung bitten. Dieses Dokument bestätigt, dass Sie die Klausur geschrieben haben und mit einer akzeptablen Note zu rechnen ist. "Vielen Arbeitgebern genügt das bereits", sagt Dieter Timmermann, der Präsident des Deutschen Studentenwerks. Falls das Klausurergebnis für die Immatrikulation in einem neuen Studiengang benötigt wird, sollte solch eine Bescheinigung ebenfalls reichen.   

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An einigen Universitäten sind die Korrekturzeiten in den Prüfungsordnungen festgelegt. Falls der Professor auf freundliche Nachfragen nicht reagiert, lohnt es sich, diese Dokumente zu durchforsten und auf mögliche Fristen zu verweisen. Eine Grundsatzentscheidung zu einheitlichen und verbindlichen Korrekturzeiträume haben die deutschen Hochschulen bisher aber nicht verabschiedet. 

Falls der Professor Ihre Bitten weiterhin ignoriert, können Sie das Prüfungsamt kontaktieren. "Von dort kann schnell auf den säumigen Professor eingewirkt werden", sagt der Politikwissenschaftsdozent Ingo Take. Ansonsten kann man das Problem mit der Fachschaft diskutieren. Wenn das nicht hilft, können Sie auch die Hochschulleitung kontaktieren.

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Als letzter Schritt bleibt, vor Gericht zu ziehen. "Das Verwaltungsrecht ermöglicht eine Klage wegen Unzumutbarkeit, sofern die fehlende Note zum Beispiel den Einstieg ins Berufsleben verhindert", sagt Christian Birnbaum, Anwalt für Hochschulrecht. "Die Rechtslage ist in solchen Fällen allerdings nicht ganz eindeutig." Setzt man den Prüfer juristisch unter Druck, besteht außerdem die Gefahr, dass darunter die Bewertung leidet. "Deshalb ist das nur in äußerster Not eine Option", sagt Birnbaum.

Um das Problem in Zukunft zu vermeiden, rät der Ökonom Detlef Braun, noch im Seminar einen fixen Termin für die Klausurrückgabe und Notenbekanntgabe mit dem Dozenten festzulegen. Das befördert die Verhandlungsmacht, wenn der Professor plötzlich bummelt. "Aus meiner Sicht sollte die Korrekturzeit vier bis maximal acht Wochen betragen", sagt Braun.  

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Leserkommentare
  1. In der Theorie gibt´s einige Möglichkeiten, aber in der Praxis sieht es da eher schwer aus.
    Wie genau soll den das Prüfungsamt auf einen Professor "einwirken"?
    Mehr als mal anrufen und drum bitten können die auch kaum. Und wenn der Professor charakterlich Ausschuss ist (kommt leider durchaus vor), dann ist es ihm völlig egal. Auch wenn er damit den Studenten die Zukunft verbaut.

    Eine wirksame Handhabe gibt es nicht. Selbst die Klage bringt nichts, denn das dauert, was bei laufenden Fristen Mist ist, und ist erstmal teuer. Und darunter wird die Bewertung leiden.

    Die beste Lösung wäre eine festgesetzte Frist. Eine KLausur mit bestimmten Umfang muss in x Wochen korrigiert werden. Braucht der Professor länger, gibts weniger Geld, denn dafür wird er ja bezahlt, auch wenn einige (viele?) Professoren das manchmal gerne vergessen würden.

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    Sie haben sicher recht das es Professoren gibt, denen manches wichtiger ist als ihr Lehrauftrag. Zumal der Titel den sie tragen nicht selten Türen in eigener Sache öffnet.

    Man muss aber auch bedenken, daß
    a) Klausuren regelmäßig nicht vom Professor, sondern von den Assistenten bewertet werden und es helfen kann, sich an diese mit der Bitte um Beschleunigung zu wenden, und
    b) manche Klausuren auch Zeit in der Benotung brauchen. Dies führt regelmäßig dazu, das die Klausuren entweder im Eilverfahren benotet werden (was je nach Einzelfall für den Studenten große Vor-, aber auch große Nachteile haben kann), oder das deren Korrektur manchmal nicht fristgerecht möglich ist. Jeder, der schon einmal die Aufgabe hatte, 170 Klausuren benoten zu müssen, kennt das Problem.

    Ich will damit niemanden in Schutz nehmen, ich möchte nur darauf hinweisen, daß der Wissenschaftsbetrieb keine Maschine ist, bei deren Versagen immer nur speziell ein Einzelteil schuld ist.

    Zwar hat auch ein Prüfungsamt keine rechtliche Handhabe, einen Professor zur Benotung zu zwingen, allerdings können im 2-Wochen-Takt versendete Emails des Prüfungsamtes einen so hohen "Nerv-Faktor" erzeugen, dass im Zweifel lieber endlich korrigiert und benotet wird.

    Außerdem kann ein Prüfungsamt besser mit der "Zuckerbrot und Peitsche-Methode" arbeiten ("Sehr geehrter Herr Professor XYZ, wenn Sie für das Gutachten noch Zeit brauchen, vielleicht könnten Sie schon mal die Note /das Bestehen attestieren und das Gutachten nachreichen") OHNE das der Student Sorge tragen muss, dass die Bewertung schlechter wird, denn der Zorn des Profs richtet sich ja im Zweifel gegen die Nervensägen vom Prüfungsamt.

    Hallo Dielektrikum,

    laut Dieter Timmermann, Präsident des Deutschen Studentenwerks, wirkt das Prüfungsamt zumeist so auf den säumigen Professor ein:

    "Werden die Fristen überschritten, so mahnt das jeweilige Prüfungsamt den Prüfe kurz nachdem die Frist überschritten ist. Nach einem weiten Zeitraum (z. B. 2 Wochen) gib es eine zweite Mahnung. Bleibt auch die wirkungslos, wird erneut eine Frist gesetzt mit der Androhung, dass die Begutachtung dem Gutachter entzogen wird. Wird auch diese Frist nicht eingehalten, wird die jeweilige Arbeit ein anderer Gutachter gebeten, die Arbeit zu korrigieren. Für die jeweils betroffenen Studierenden bedeutet das natürlich immer längere Wartezeiten bis hin zum Verpassendes nächsten Studienabschnitts."

    Viele Grüße
    Julian Kirchherr

  2. Sie haben sicher recht das es Professoren gibt, denen manches wichtiger ist als ihr Lehrauftrag. Zumal der Titel den sie tragen nicht selten Türen in eigener Sache öffnet.

    Man muss aber auch bedenken, daß
    a) Klausuren regelmäßig nicht vom Professor, sondern von den Assistenten bewertet werden und es helfen kann, sich an diese mit der Bitte um Beschleunigung zu wenden, und
    b) manche Klausuren auch Zeit in der Benotung brauchen. Dies führt regelmäßig dazu, das die Klausuren entweder im Eilverfahren benotet werden (was je nach Einzelfall für den Studenten große Vor-, aber auch große Nachteile haben kann), oder das deren Korrektur manchmal nicht fristgerecht möglich ist. Jeder, der schon einmal die Aufgabe hatte, 170 Klausuren benoten zu müssen, kennt das Problem.

    Ich will damit niemanden in Schutz nehmen, ich möchte nur darauf hinweisen, daß der Wissenschaftsbetrieb keine Maschine ist, bei deren Versagen immer nur speziell ein Einzelteil schuld ist.

    7 Leserempfehlungen
  3. Zwar hat auch ein Prüfungsamt keine rechtliche Handhabe, einen Professor zur Benotung zu zwingen, allerdings können im 2-Wochen-Takt versendete Emails des Prüfungsamtes einen so hohen "Nerv-Faktor" erzeugen, dass im Zweifel lieber endlich korrigiert und benotet wird.

    Außerdem kann ein Prüfungsamt besser mit der "Zuckerbrot und Peitsche-Methode" arbeiten ("Sehr geehrter Herr Professor XYZ, wenn Sie für das Gutachten noch Zeit brauchen, vielleicht könnten Sie schon mal die Note /das Bestehen attestieren und das Gutachten nachreichen") OHNE das der Student Sorge tragen muss, dass die Bewertung schlechter wird, denn der Zorn des Profs richtet sich ja im Zweifel gegen die Nervensägen vom Prüfungsamt.

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    Gerade geisteswissenschaftliche Arbeiten lassen sich nicht im 15-Minuten-Takt bewerten. Ob Rumnerven da die richtige Strategie ist? Klar, dass jedem Studierenden seine Klausur am wichtigsten ist. Für den Dozenten hat der Tag aber auch nur 24 Stunden ... und es warten eben auch andere ... Doktoranden, Seminarteilnehmer ... und die Vorlesungen müssen auch vorbereitet und gehalten werden.

    • EsHaDo
    • 28. März 2013 19:13 Uhr

    Der beste Weg ist es wirklich in der Prüfungsordnung Fristen zur Kontrolle festzuhalten. Das scheint mir der einzig sinnvolle Weg, da man ein neutrales Dokument hat, auf das man sich berufen kann. So braucht man sich nicht als Student wie ein Bettler vorkommen, der nach Noten hechelt und hat als Dozent auch Chance sich zu verteidigen.
    Ein wichtiger Tipp: brauchen Sie die Noten eher, schreiben Sie es direkt auf die Klausur und weisen Sie den Dozenten darauf hin. Zu wichtigen Gründen zählen die o.g., aber NICHT folgende: "Ich will im Urlaub nicht lernen", "ich hab keine Lust immer ins Internet zu gucken und zu warten", "was haben Sie denn sonst bitte zu tun?"...

  4. An meiner Uni gab es ebenfalls einen Interessenskonflikt zwischen Professor und Prüflingen bezüglich der Korrekturdauer. Der Professor sollte weit über 500 Klausuren in vier Wochen korrigieren und machte daraufhin geltend, dass hierunter die Gründlichkeit leiden würde und dass zusätzliche bezahlte Korrektoren eine Lösung wären. Die Uni wollte sich aber hierauf nicht einlassen und beharrte auf der vierwöchigen Frist. Die Lösung kam von der Fachschaft: Alle Studenten, die die Klausur geschrieben hatte, konnten unverzüglich eine Teilnahmebescheinigung einfordern und die Studenten, welche nachweisen konnten, dass die Klausurnote z.B. für Bewerbungen dringend benötigt würde, wurden bevorzugt. Angeblich war ein solcher Nachweis bereits durch eine vollständige Bewerbungsmappe erbracht. Der Professor bekam acht Wochen Zeit, die Studenten bekamen ihre Noten je nach Dringlichkeit und die Uni sparte Geld.

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  5. Ich glaube, es ist eine ziemliche Seltenheit, dass Uni-Professoren Klausuren korrigieren. Das übernehmen in der Regel die Assistenten.

    Zur Thematik/Problematik Vorkorrektur:
    In schwierigen Fächern mit hoher Durchfallquote - in Fachkreisen manchmal, aber nicht(!) immer, auch "Aussiebe-Klausuren" genannt - ist es gar nicht so einfach, eine Klausur vorzeitig zu korrigieren bzw. schon zu benoten. Hintergrund ist der Umstand, dass der Bewertungs- bzw. Notenschlüssel oftmals erst dann final festgelegt wird, wenn alle Klausuren korrigiert wurden. Es gibt Klausuren, da kann man mit 20 % der maximal erreichbaren Punktzahl bereits bestanden und mit 50 % der maximal erreichbaren Punktzahl bereits eine 1,0 haben. In solchen Fällen ist eine sog. "Vorkorrektur" nicht einfach zu bewerkstelligen. Wenn der/die Studierende nicht gerade an der unteren Leistungsgrenze angesiedelt ist, kann man unter Umständen zumindest bestätigen bzw. bescheinigen, dass die Klausur bestanden wurde. Nicht selten passiert so etwas auch, wenn die bestandene Abschlussarbeit (heutzutage i. d. R. Bachelor- und/oder Masterthesis) Voraussetzung ist, um an weiteren Abschlussprüfungen teilnehmen zu können. Ob eine solche Arbeit zumindest bestanden ist oder nicht, kann man relativ schnell beurteilen.

    Für eine sehr schnelle Klausurkorrektur bietet sich ansonsten in vielen Fächern die - bei den Studierenden allerdings extrem unbeliebte - sog. Multiple-Choice-Klausur an, bei der "nur" noch angekreuzt werden muss.

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    In meiner Erfahrung (als Student) sind Multiple-Choice-Klausuren deutlich angenehmer als Klausuren, bei denen man das gesamte Wissen (natürlich als Antwort auf bestimmte Fragestellungen) so darstellen muss. So kann man sich an den gegebenen Antworten orientieren und auch mal durch Ausschlussverfahren Nicht-Wissen ausgleichen. Dass diese Klausuren sich auch noch leichter und schneller korrigieren lassen, klingt für mich nach einer Win-Win-Situation. So kann man sich schneller wieder den spaßigen Dingen im Studium widmen, die nicht stumpfes Auswendiglernen erfordern (z.B. Hausarbeiten) und so sollte es ja eigentlich auch sein (meiner Meinung nach).

  6. Hallo Dielektrikum,

    laut Dieter Timmermann, Präsident des Deutschen Studentenwerks, wirkt das Prüfungsamt zumeist so auf den säumigen Professor ein:

    "Werden die Fristen überschritten, so mahnt das jeweilige Prüfungsamt den Prüfe kurz nachdem die Frist überschritten ist. Nach einem weiten Zeitraum (z. B. 2 Wochen) gib es eine zweite Mahnung. Bleibt auch die wirkungslos, wird erneut eine Frist gesetzt mit der Androhung, dass die Begutachtung dem Gutachter entzogen wird. Wird auch diese Frist nicht eingehalten, wird die jeweilige Arbeit ein anderer Gutachter gebeten, die Arbeit zu korrigieren. Für die jeweils betroffenen Studierenden bedeutet das natürlich immer längere Wartezeiten bis hin zum Verpassendes nächsten Studienabschnitts."

    Viele Grüße
    Julian Kirchherr

  7. Gibt mittlerweile Systeme zur Verwaltung von Studenten, die nur eine bestimmte Zeit zwischen Prüfung und Noteneingabe zulassen. Wenn der Prof das nicht schafft: Pech gehabt, wird dann richtig viel Arbeit für ihn, weil dann die Noten nachträglich eingetragen werden müssen. Könnte man sicherlich wunderbar mit einer Unterschrift vom Dekan oder Rektor verbinden, sodass nur mit der entsprechenden Unterschrift Änderungen oder nachträgliche Eintragungen möglich sind. So ein System dürfte dann auch den langsamsten Prof beschleunigen, weil er dann öfters beim Rektor auf der Matte stehen und um eine Unterschrift bitten muss.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitgeber | Gericht | Immatrikulation | Rechtslage | Studiengang | Universität
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