Studentenfragen: Wie lange darf eine Klausurkorrektur dauern?
Der Professor gibt auch nach Monaten die Klausur nicht zurück. Wie können sich Studenten dagegen wehren?
Ich warte seit über drei Monaten auf die Rückgabe einer Klausur. Wie lange darf sich ein Professor dafür Zeit lassen?, fragt die Jura-Studentin Vanessa Chromy.
Liebe Vanessa Chromy,
wenn Sie schnell Feedback benötigen, können Sie Ihren Professor zunächst um eine Bescheinigung bitten. Dieses Dokument bestätigt, dass Sie die Klausur geschrieben haben und mit einer akzeptablen Note zu rechnen ist. "Vielen Arbeitgebern genügt das bereits", sagt Dieter Timmermann, der Präsident des Deutschen Studentenwerks. Falls das Klausurergebnis für die Immatrikulation in einem neuen Studiengang benötigt wird, sollte solch eine Bescheinigung ebenfalls reichen.
An einigen Universitäten sind die Korrekturzeiten in den Prüfungsordnungen festgelegt. Falls der Professor auf freundliche Nachfragen nicht reagiert, lohnt es sich, diese Dokumente zu durchforsten und auf mögliche Fristen zu verweisen. Eine Grundsatzentscheidung zu einheitlichen und verbindlichen Korrekturzeiträume haben die deutschen Hochschulen bisher aber nicht verabschiedet.
Falls der Professor Ihre Bitten weiterhin ignoriert, können Sie das Prüfungsamt kontaktieren. "Von dort kann schnell auf den säumigen Professor eingewirkt werden", sagt der Politikwissenschaftsdozent Ingo Take. Ansonsten kann man das Problem mit der Fachschaft diskutieren. Wenn das nicht hilft, können Sie auch die Hochschulleitung kontaktieren.
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Als letzter Schritt bleibt, vor Gericht zu ziehen. "Das Verwaltungsrecht ermöglicht eine Klage wegen Unzumutbarkeit, sofern die fehlende Note zum Beispiel den Einstieg ins Berufsleben verhindert", sagt Christian Birnbaum, Anwalt für Hochschulrecht. "Die Rechtslage ist in solchen Fällen allerdings nicht ganz eindeutig." Setzt man den Prüfer juristisch unter Druck, besteht außerdem die Gefahr, dass darunter die Bewertung leidet. "Deshalb ist das nur in äußerster Not eine Option", sagt Birnbaum.
Um das Problem in Zukunft zu vermeiden, rät der Ökonom Detlef Braun, noch im Seminar einen fixen Termin für die Klausurrückgabe und Notenbekanntgabe mit dem Dozenten festzulegen. Das befördert die Verhandlungsmacht, wenn der Professor plötzlich bummelt. "Aus meiner Sicht sollte die Korrekturzeit vier bis maximal acht Wochen betragen", sagt Braun.









Sie haben sicher recht das es Professoren gibt, denen manches wichtiger ist als ihr Lehrauftrag. Zumal der Titel den sie tragen nicht selten Türen in eigener Sache öffnet.
Man muss aber auch bedenken, daß
a) Klausuren regelmäßig nicht vom Professor, sondern von den Assistenten bewertet werden und es helfen kann, sich an diese mit der Bitte um Beschleunigung zu wenden, und
b) manche Klausuren auch Zeit in der Benotung brauchen. Dies führt regelmäßig dazu, das die Klausuren entweder im Eilverfahren benotet werden (was je nach Einzelfall für den Studenten große Vor-, aber auch große Nachteile haben kann), oder das deren Korrektur manchmal nicht fristgerecht möglich ist. Jeder, der schon einmal die Aufgabe hatte, 170 Klausuren benoten zu müssen, kennt das Problem.
Ich will damit niemanden in Schutz nehmen, ich möchte nur darauf hinweisen, daß der Wissenschaftsbetrieb keine Maschine ist, bei deren Versagen immer nur speziell ein Einzelteil schuld ist.
An meiner Uni gab es ebenfalls einen Interessenskonflikt zwischen Professor und Prüflingen bezüglich der Korrekturdauer. Der Professor sollte weit über 500 Klausuren in vier Wochen korrigieren und machte daraufhin geltend, dass hierunter die Gründlichkeit leiden würde und dass zusätzliche bezahlte Korrektoren eine Lösung wären. Die Uni wollte sich aber hierauf nicht einlassen und beharrte auf der vierwöchigen Frist. Die Lösung kam von der Fachschaft: Alle Studenten, die die Klausur geschrieben hatte, konnten unverzüglich eine Teilnahmebescheinigung einfordern und die Studenten, welche nachweisen konnten, dass die Klausurnote z.B. für Bewerbungen dringend benötigt würde, wurden bevorzugt. Angeblich war ein solcher Nachweis bereits durch eine vollständige Bewerbungsmappe erbracht. Der Professor bekam acht Wochen Zeit, die Studenten bekamen ihre Noten je nach Dringlichkeit und die Uni sparte Geld.
Also der Klageweg scheint mir sehr "vielversprechend" zu sein ... ehe das Gerichtsverfahren in Gang gebracht wird, wird der Professor sicher auch die Klausur fertig haben. Denn die Gerichte sind ebenso überlastet wie das deutsche Wissenschaftssystem ...
Zu meiner Zeit an der Uni als Dozent haben wir zwar versucht, die Klausuren innerhalb 6 bzw. 8 Wochen (je nach Abschluss und Studiengang) zu korrigieren, aber etliche hundert Klausuren in mehreren Fächern korrigieren sich nicht von allein. Natürlich möchten die Studenten gerne schnelle Ergebnisse, und genauso möchten auch Mitarbeiter und Professoren die dicken Klausurstapel vom Tisch bekommen. Aber im Hamsterlaufrad Uni gibts auch noch genügend andere Dinge zu erledigen, die ebenso dringlich sind. Verspätete Korrekturen sind in den wenigsten Fällen auf Boshaftigkeit oder fahrlässige Bummelei zurückzuführen. Und nach etlichen Mails und Anrufen von wartenden Studenten ist die Motivation zum Erledigen der Korrektur durchaus hoch, um die nervigen Nachfragen loszuwerden ;-)
Strengere Regeln helfen wenig, wenn sie unrealistisch sind. Wie so vieles andere im Hochschulsystem liegt die Grundproblematik darin, dass die Wissenschaftler viel leisten sollen, aber dafür nur äußerst unzureichend ausgestattet werden.
In der Theorie gibt´s einige Möglichkeiten, aber in der Praxis sieht es da eher schwer aus.
Wie genau soll den das Prüfungsamt auf einen Professor "einwirken"?
Mehr als mal anrufen und drum bitten können die auch kaum. Und wenn der Professor charakterlich Ausschuss ist (kommt leider durchaus vor), dann ist es ihm völlig egal. Auch wenn er damit den Studenten die Zukunft verbaut.
Eine wirksame Handhabe gibt es nicht. Selbst die Klage bringt nichts, denn das dauert, was bei laufenden Fristen Mist ist, und ist erstmal teuer. Und darunter wird die Bewertung leiden.
Die beste Lösung wäre eine festgesetzte Frist. Eine KLausur mit bestimmten Umfang muss in x Wochen korrigiert werden. Braucht der Professor länger, gibts weniger Geld, denn dafür wird er ja bezahlt, auch wenn einige (viele?) Professoren das manchmal gerne vergessen würden.
Sie haben sicher recht das es Professoren gibt, denen manches wichtiger ist als ihr Lehrauftrag. Zumal der Titel den sie tragen nicht selten Türen in eigener Sache öffnet.
Man muss aber auch bedenken, daß
a) Klausuren regelmäßig nicht vom Professor, sondern von den Assistenten bewertet werden und es helfen kann, sich an diese mit der Bitte um Beschleunigung zu wenden, und
b) manche Klausuren auch Zeit in der Benotung brauchen. Dies führt regelmäßig dazu, das die Klausuren entweder im Eilverfahren benotet werden (was je nach Einzelfall für den Studenten große Vor-, aber auch große Nachteile haben kann), oder das deren Korrektur manchmal nicht fristgerecht möglich ist. Jeder, der schon einmal die Aufgabe hatte, 170 Klausuren benoten zu müssen, kennt das Problem.
Ich will damit niemanden in Schutz nehmen, ich möchte nur darauf hinweisen, daß der Wissenschaftsbetrieb keine Maschine ist, bei deren Versagen immer nur speziell ein Einzelteil schuld ist.
Zwar hat auch ein Prüfungsamt keine rechtliche Handhabe, einen Professor zur Benotung zu zwingen, allerdings können im 2-Wochen-Takt versendete Emails des Prüfungsamtes einen so hohen "Nerv-Faktor" erzeugen, dass im Zweifel lieber endlich korrigiert und benotet wird.
Außerdem kann ein Prüfungsamt besser mit der "Zuckerbrot und Peitsche-Methode" arbeiten ("Sehr geehrter Herr Professor XYZ, wenn Sie für das Gutachten noch Zeit brauchen, vielleicht könnten Sie schon mal die Note /das Bestehen attestieren und das Gutachten nachreichen") OHNE das der Student Sorge tragen muss, dass die Bewertung schlechter wird, denn der Zorn des Profs richtet sich ja im Zweifel gegen die Nervensägen vom Prüfungsamt.
Sie haben sicher recht das es Professoren gibt, denen manches wichtiger ist als ihr Lehrauftrag. Zumal der Titel den sie tragen nicht selten Türen in eigener Sache öffnet.
Man muss aber auch bedenken, daß
a) Klausuren regelmäßig nicht vom Professor, sondern von den Assistenten bewertet werden und es helfen kann, sich an diese mit der Bitte um Beschleunigung zu wenden, und
b) manche Klausuren auch Zeit in der Benotung brauchen. Dies führt regelmäßig dazu, das die Klausuren entweder im Eilverfahren benotet werden (was je nach Einzelfall für den Studenten große Vor-, aber auch große Nachteile haben kann), oder das deren Korrektur manchmal nicht fristgerecht möglich ist. Jeder, der schon einmal die Aufgabe hatte, 170 Klausuren benoten zu müssen, kennt das Problem.
Ich will damit niemanden in Schutz nehmen, ich möchte nur darauf hinweisen, daß der Wissenschaftsbetrieb keine Maschine ist, bei deren Versagen immer nur speziell ein Einzelteil schuld ist.
Zwar hat auch ein Prüfungsamt keine rechtliche Handhabe, einen Professor zur Benotung zu zwingen, allerdings können im 2-Wochen-Takt versendete Emails des Prüfungsamtes einen so hohen "Nerv-Faktor" erzeugen, dass im Zweifel lieber endlich korrigiert und benotet wird.
Außerdem kann ein Prüfungsamt besser mit der "Zuckerbrot und Peitsche-Methode" arbeiten ("Sehr geehrter Herr Professor XYZ, wenn Sie für das Gutachten noch Zeit brauchen, vielleicht könnten Sie schon mal die Note /das Bestehen attestieren und das Gutachten nachreichen") OHNE das der Student Sorge tragen muss, dass die Bewertung schlechter wird, denn der Zorn des Profs richtet sich ja im Zweifel gegen die Nervensägen vom Prüfungsamt.
Zwar hat auch ein Prüfungsamt keine rechtliche Handhabe, einen Professor zur Benotung zu zwingen, allerdings können im 2-Wochen-Takt versendete Emails des Prüfungsamtes einen so hohen "Nerv-Faktor" erzeugen, dass im Zweifel lieber endlich korrigiert und benotet wird.
Außerdem kann ein Prüfungsamt besser mit der "Zuckerbrot und Peitsche-Methode" arbeiten ("Sehr geehrter Herr Professor XYZ, wenn Sie für das Gutachten noch Zeit brauchen, vielleicht könnten Sie schon mal die Note /das Bestehen attestieren und das Gutachten nachreichen") OHNE das der Student Sorge tragen muss, dass die Bewertung schlechter wird, denn der Zorn des Profs richtet sich ja im Zweifel gegen die Nervensägen vom Prüfungsamt.
Hallo Profdoc1,
das stimmt. Klagen sind in der Tat ein schwieriger Pfad, um die Klausurkorrektur zu erzwingen. Christian Birnbaum, Anwalt für Hochschulrecht, hat mir im Gespräch dazu diese Möglichkeiten vorgeschlagen:
"Das geeignete Mittel wäre eine so genannte Leistungsklage vor dem Verwaltungsgericht auf Korrektur der Arbeit. Wenn bei dringendem Bedarf, z.B. weil ansonsten die in Aussicht gestellte Anstellung verloren zu gehen droht, immer noch die Korrektur nicht erfolgt, ist auch ein Eilantrag an das Verwaltungsgericht möglich. Theoretisch kann die verzögerte Korrektur zu Schadensersatzansprüchen führen. Die Verlängerung der Ausbildung aufgrund der ausstehenden Korrektur kann zum verspäteten Einstieg in das Berufsleben führen. Allerdings setzt zivilrechtlich ein Schadensersatzanspruch voraus, dass der Betroffene seinerseits alles getan hat, um den Eintritt des Schadens zu verhindern, einschließlich dem möglichen rechtlichen Vorgehen. Wer also die Hände in den Schoß legt und die ausstehende Korrektur nicht einfordert, zur Not auch gerichtlich einfordert, wird mit Schadensersatzansprüchen nicht durchdringen."
Viele Grüße,
Julian Kirchherr
Wie schon deutlich wurde, ist der formale Rechtsweg langwierig und kann zu persönlichen Nachteilen führen (-> ggf. schlechtere Note, weil sich der Dozent gegängelt fühlt).
Jenseits davon ist es immer einen Versuch wert, höflich und ergebnisoffen nachzufragen und darzulegen, warum man die Note dringend braucht: Weil sonst der BAFöG-Anspruch verloren geht, weil man ein Jahr verliert, da man sich nicht für das geplante Masterstudium bewerben kann, weil andere Finanzierungs- oder sonstige Probleme daraus entstehen...
Die meisten Dozenten sind keine Unmenschen oder möchten sich nicht als solche fühlen. Erfahrungsgemäß hilft eine persönliche, ehrliche und höfliche Anfrage dieser Art, die Korrektur zu beschleunigen.
Damit vergibt man sich nichts und hat nichts zu verlieren - einen Versuch ist es immer wert!
Übrigens nenne ich immer zu Veranstaltungsbeginn meine Abgabe- und Korrekturfristen, dann wissen alle Bescheid. Ich weiß aber, dass das nicht alle so machen...
in den letzten 15 Jahren in DE, aber als ich noch an einer deutschen Uni gearbeitet habe, gab es Kollegen, denen war auch nicht mit Druck beizukommen, denen war es einfach egal, wie oft sich jemand beschwerte. Und Zensuren selbst in den PC eingeben gabs schon mal garnicht, dafuer war die Sekretaerin da. Im Ausland, insbesondere wenn die Studenten hohe Studiengebuehren zahlen muessen, bekommt man richtig Aerger mit dem Dekan/ Praesident (bspw. Forschungsmittel nicht mehr zu bewilligen, da man ja schon mit der Lehre ueberfordert sei), wenn man mit Korrekturen nicht in der Zeit ist. Bei einem verbeamteten deutschen Professor kann man wenig machen, wenn er hinreichend Beharrungskraefte hat. Von Klagen oder aehnlichen Druckmitteln wuerde ich persoenlich absehen, zumindest wenn direkt erkennbar ist, wer versucht Druck zu machen. Ich habe zu haeufig erlebt, dass dies sofort in der Note seinen Niederschlag fand. Ich glaube das Hauptproblem ist, dass fehlende Zeitmanagement an der Uni. Normalerweise weiss man am Anfang des Semesters, wann eine Klausur geschrieben wird und in etwa wieviele Studenten teilnehmen. Dann muss man sich eben die Zeit nach dem Termin freihalten und dann duerfte es auch kein Problem sein zeitig zu korrigieren.
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