StudentenfragenWas tun, wenn das Bafög nicht kommt?

Der Bafög-Antrag ist gestellt, wird aber monatelang nicht bearbeitet. Was können Studenten dagegen tun? von Julian Kirchherr

Ich bin auf das Bafög angewiesen. Was mache ich, wenn mein Antrag nicht zügig bearbeitet wird?, fragt die BWL-Studentin Maya Miah.

Liebe Maya Miah,

zunächst sollten Sie überprüfen, ob der eingereichte Antrag vollständig ist. "Bei unzähligen Anträgen werden wesentliche Informationen nicht übermittelt", sagt Dieter Timmermann, der Präsident des Deutschen Studentenwerks. Falls Sie nicht sicher sind, ob Sie etwas vergessen haben, lassen Sie die Vollständigkeit direkt im Bafög-Amt prüfen

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Grunsätzlich sollte jeder Antrag so früh wie möglich gestellt werden. "Wir raten Studenten dazu, Anträge nach Möglichkeit bereits im Frühsommer zu stellen", sagt Katharina Mahrt vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS).  Wer den Antrag erst im Oktober stellt, müsse auf die erste Überweisung oft bis Februar warten.

Gibt es sechs Wochen nach Antragsstellung noch keinen Bescheid vom Bafög-Amt oder ist das Geld nach zehn Wochen nicht auf dem Konto, kann man eine Vorschusszahlung beantragen. Vier Monate lang erhält man dann je 360 Euro. Vor Ablauf dieser Fristen kann bereits überbrückende Sozialhilfe beantragt werden. "Eine weitere Möglichkeit ist, sich an die Darlehenskassen der Studierendenwerke zu wenden", rät Mahrt. 

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Als letzte Möglichkeit bleibt, vor Gericht zu ziehen. "Drei Monate nach Antragsstellung ist eine Untätigkeitsklage vor dem Verwaltungsgericht statthaft", sagt Christian Birnbaum, ein Anwalt für Hochschulrecht. Für ein solches Verfahren kann man auch Prozesskostenhilfe beantragen. Meist genügt aber schon, dem Bafög-Amt eine Klage anzudrohen. "Behördliche Sachbearbeiter bedienen die unbequemsten Antragssteller zuerst", sagt Birnbaum. 

Grund für die Verspätungen sind allerdings selten faule Sachbearbeiter. Vielmehr sind die Bafög-Ämter chronisch unterbesetzt. Während die Hochschulen von Studenten überlaufen werden, ist das Personal in Bafög-Ämtern seit Jahren nicht aufgestockt worden. 2010 musste ein Sachbearbeiter durchschnittlich bis zu 500 Anträge pro Jahr bearbeiten. Mittlerweile sind es rund 750.   

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Leserkommentare
    • Mari o
    • 04. April 2013 18:22 Uhr

    Persönlich den Antrag gegen Amtsstempel abgeben.
    Am besten wäre es gleich mit der Beantragung einen Antrag auf Vorschuß zu stellen.Denn die Bearbeitung des Vorschusses dauert evtl.auch wieder 4 Wochen.Treffen sich zwei Beamte auf´m Flur sagt der eine:"Naa,kannste auch nicht schlafen".usw.usf.

    • illyst
    • 04. April 2013 18:31 Uhr

    Bafög fürs Fachabi beantragt, zugegebener Maße erst zu Schulbeginn, fehlte bis September der Bescheid meiner Halbweisenrente.
    Ende Jänner, Anfang Februar kam dann das Geld, nachdem ich das Fachabi abgebrochen habe weil ich nicht wusste von was ich leben soll.

    4 Leserempfehlungen
  1. Es tut mir leid, wenn ich das so deutlich sagen muss, aber die Ausführungen des Herrn Timmermann sind schlichtweg nicht korrekt.

    Wie ich neulich unter einem anderen Artikel bereits geschildert habe, gibt es die klare Anweisung an die Mitarbeiter eines Bafög-Amtes, keine Auskünfte bei Nachfrage zu erteilen.

    Ich habe meinen Antrag mehr als fristgerecht eingereicht und persönlich abgegeben. Bei Nachfrage, was doch noch fehlen könnte gab es die Antwort:

    "Ich bin nicht befugt Ihnen darüber Auskunft zu erteilen."

    Es ist Ihnen freigestellt, sich selbst darüner eine Meinung zu bilden.

    2 Leserempfehlungen
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    bei meinen Anträgen, die ich immer persönlich abgegeben habe, wurde auch gleich geschaut, ob diese vollständig sind. Wenn nicht, hab ich das auch gleich erfahren.
    Vielleicht ist das aber auch von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter unterschiedlich.

    Warum sollte man über die Vollständigkeit des eigenen Antrags keine Auskunft bekommen dürfen? Dann hätte der Sachbearbeiter/die Sachbearbeiterin das Thema Datenschutz wohl etwas zu ernst genommen :-)

  2. bei meinen Anträgen, die ich immer persönlich abgegeben habe, wurde auch gleich geschaut, ob diese vollständig sind. Wenn nicht, hab ich das auch gleich erfahren.
    Vielleicht ist das aber auch von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter unterschiedlich.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "purer Schwindel"
  3. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/sam

    Eine Leserempfehlung
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    S*** u*! Wenn man studieren will und auf Bafög angewiesen ist und trotzdem arbeiten geht damit es klappt.. man also gegenüber den Mami und Papi finanzierten eh schon genug Nachteile hat, dann wäre es wenigstens fair die Anträge entsprechend schnell zu bearbeiten... Wenn man mal das halbe Semester kaum bzw. auch mal kein Geld hat dann studiert es sich schlecht.. Sie wissen schon leerer MAgen und so!
    Davon ab wenn ich mir bei der Rückzahlung (ja die Hälfte der Kohle bzw. 10000€ gehören so gesehen eh mir!) dann gibt es nach 45 Tagen Verzugszinsen die sich gewaschen haben!

    So ist Deutschland, aber schön das Sie dass auch noch verteidigen!
    Alle gegen alle so wie es sich in einer Demokratie heute eben auch gehört...

  4. "zunächst sollten Sie überprüfen, ob der eingereichte Antrag vollständig ist."

    Das hat mit der Verzögerung nichts zu tun. Wird der Antrag nämlich bearbeitet und es fehlt was, bekommt man eine Rückmeldung. Hört man nichts, heißt das schlicht, dass der Antrag noch nicht durchgesehen wurde.

    Mir ist das auch einmal passiert, ich habe knapp 3 Monate gewartet, bis ich hin bin, weil ich pleite war. Aussage meines Sachbearbeiters, als ich meinte, dass ich in der kommenden Woche die Miete zahlen müsse: "Was regen Sie sich denn so auf, Sie bekommen es doch nachgezahlt?"
    Wenn ich bei Sozialleistungen solange Reserven aufbrauchen könnte, wie die Wartezeit beträgt, dann bräuchte ich den Mist ja nicht beantragen.

    Und was generell die Antragstellunge angeht: es ist ein bürokratisches Moloch, dass man jedes Jahr den kompletten Antrag neu ausfüllen muss. Änderungen muss man ja ohnehin melden, wenn sie auftreten.Ich denke, dass man durch eine vereinfachte, einseitige Verlängerungsbeantragung immens viel Papierkram und Zeit auf Seiten der Studenten wie auf Seiten der Ämter sparen könnte.

    13 Leserempfehlungen
  5. Warum sollte man über die Vollständigkeit des eigenen Antrags keine Auskunft bekommen dürfen? Dann hätte der Sachbearbeiter/die Sachbearbeiterin das Thema Datenschutz wohl etwas zu ernst genommen :-)

    Antwort auf "purer Schwindel"
  6. 750 Anträge ? Das sind ja rund 4 Anträge pro Tag (ein bisschen weniger!) ! Ich nehme alles zurück, was ich jemals über Beamte gesagt habe....die tuen ja noch weniger !

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    ...mit einem Rattenschwanz an Prüfungsfeldern und Unterlagen. Hier geht es nicht mal eben um die Beantragung eines Nummernschildes für das neue Auto (für das der typische Deutsche sich aber klaglos in eine Reihe mit 100 Leuten ab 5 Uhr morgens stellt, komisch...).

    Der Antrag muss vollständig geprüft werden und die Höhe der individuellen Leistung berechnet werden und in einen Bescheid (Verwaltungsakt) gegossen, aus dem exakt hervorgeht, wie lange, wie hoch und weshalb jemand etwas erhält. Ein falscher Bescheid bringt nur Ärger und Anfechtbarkeit mit sich.

    Ich jedenfalls kann mir vorstellen, dass vier Anträge dieser Art pro Tag eine Menge Arbeit für einen Sachbearbeiter sind. Addieren wir dazu noch die meist sehr rustikale EDV-Ausstattung einer deutschen Behörde und es dauert eben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bafög | Student | Euro | Geld | Gericht | Information
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