Die Teilnehmerin Tran Nguyen beim Famelab 2013 © Carmen Pförtner

Tran Nguyen steht in einem weißen Kittel auf der Bühne. Um ihren Hals baumelt ein Stethoskop, in ihrer Hand hält sie eine weiße Kugellampe im Ikea-Stil. Die Lampe soll einen Fluoreszenzfarbstoff darstellen. Ihre 900 Zuschauer erklärt sie zu Versuchsbakterien. "Wie schaffen es so viele kleine Bakterien, einen Menschen so krank zu machen?", fragt sie in die Dunkelheit der Stuhlreihen vor sich. Die Antwort gibt sie selbst: "Wenn ihr mich plattmachen wollt, müsst ihr nur alle gleichzeitig auf die Bühne rennen. Gegen Euch alle hab ich keine Chance." Würde jeder einzelne allerdings allein kommen – dann sähe die Sache schon anders aus. Selbstbewusst stemmt sie die Hände in die Hüfte.

Mit ihren 21 Jahren ist Tran Nguyen die jüngste Teilnehmerin im Finale des FameLab, einer Art Casting-Show für wortgewandte Wissenschaftler. Es ist ihr erster Wissenschaftswettkampf. Seit acht Monaten forscht sie an der Bekämpfung der nosokomialen Infektion, unter den Nicht-Medizinern als Krankenhaus-Keim bekannt. 180 Sekunden hat sie Zeit, dem Publikum und der Jury möglichst unterhaltsam zu erklären, woran sie genau arbeitet.

Der Fluoreszenzfarbstoff sei dafür da, die guten von den bösen Bakterien zu unterscheiden, sagt Tran Nguyen, "schließlich seit ihr ja nicht allesamt böse". Die Bühne verdunkelt sich, im Inneren der Lampe glimmt eine Lichterkette. "Der Farbstoff reagiert auf die Bakterien", erklärt Nguyen. So könne sie gezielt Bakterien unterscheiden und die bösen mit einem "Anti-Teamwork"-Medikament bekämpfen. Das sei besser als Antibiotika, denn das würde alle Bakterien plattmachen, egal ob gut oder böse.

Knackig, kurz und witzig sind die Vorträge auf der Bühne, riesig dahinter das Themengebiet, an dem die elf Teilnehmer arbeiten: Wie entsteht ein epileptischer Anfall? Womit lassen sich biologische Giftstoffe erkennen? Wird unser Kühlschrank bald für uns einkaufen? 

Content, Clarity, Charisma – nach diesen Kriterien urteilt die Jury

Zur Veranschaulichung ist ihnen alles erlaubt, was am eigenen Körper auf die Bühne getragen werden kann – vom Pizzakarton bis zur eigenen Tochter. Die elf Forscher haben sich in sechs Vorentscheiden in ganz Deutschland für das Finale qualifiziert. In 23 Ländern wird der Wissenschaftswettbewerb ausgetragen, zum dritten Mal auch in Deutschland. Der Gewinner wird sich im Juni mit der weltweiten Konkurrenz messen dürfen, beim International Cheltenham Science-Festival in England, einem der renommiertesten Wettbewerbe weltweit.

Am Rand der Bühne sitzen drei Männer im Anzug und eine Frau in Schwarz. Auf Klemm-Brettchen macht sich die Jury Notizen. Am Ende des Vortrags stellen sie den Teilnehmern kritische Fragen: Was ist das Ziel der Forschung? Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung? Gibt es eine Bedeutung für die Menschheit? Nach drei Kriterien – Content, Clarity, Charisma – fällt sie ihre Urteile.

Am wichtigsten ist, dass es solche Wettbewerbe gibt, sagt Jury-Mitglied Peter-Matthias Gaede, Wissenschaftsjournalist und Chefredakteur von GEO. "Alle Kandidaten hier beweisen, dass Wissenschaft sexy sein kann."

Menschen für Wissenschaft zu begeistern, das ist hier das Ziel. "Wissenschaftskommunikation wird an Unis immer wichtiger", sagt Julia Rawlins vom British Council, das die Schirmherrschaft des Wettbewerbs innehat. "Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft." Und junge Leute für naturwissenschaftliche Forschung begeistern. Dass das immer besser funktioniere, zeige auch die steigende Besucherzahl. "Hier setzen sich 900 Menschen von jung bis alt an einem Samstagabend in einen dunklen Raum, obwohl draußen bestes Grillwetter ist."

Am Ende siegt die jüngste Teilnehmerin: Tran Nguyen. Als Gaede die Beurteilung der Jury verliest, schlägt sie hinter der Bühne die Hände vor den Mund. "Ich bin sprachlos", sagt sie, "und dabei bin ich es normalerweise, die die Bakterien sprachlos macht."