"Wir suchen die Forscher von morgen." So lautete der Slogan des ersten Jugend-forscht-Wettbewerbs im Jahr 1965. Einer der Mitbegründer war der damalige Chefredakteur des Stern, Henri Nannen. Aus seinem kleinen Beitrag zur damaligen Bildungsdebatte ist der wohl bekannteste Nachwuchswettbewerb Deutschlands geworden. In diesem Jahr nehmen über 11.400 Schüler teil.

Ausgetragen wird der Wettbewerb in drei Runden: Die Sieger der Regionalwettbewerbe treten im März auf Landesebene an. Am Ende steht das Bundesfinale, das in diesem Jahr vom 30. Mai bis 2. Juni in Leverkusen stattfinden wird.

"Jugend forscht" ist ein Wettbewerb mit Renommee. Nicht selten werden die Sieger als Mini-Einsteins oder kleine Genies gefeiert. Doch was wird wirklich aus ihnen? Wir zeigen die Karrieren von vier ehemaligen Bundessiegern.

Marec Hase, Fahrradunternehmer

Seine Leidenschaft für Fahrräder entdeckte Marec Hase als Schüler. Viele Nachmittage schraubte und schweißte der Bochumer in der Garage seiner Eltern. Für eine gemeinsame Tour mit einem blinden Freund durch die Niederlande baute er ein Dreirad-Tandem: "Beide Fahrer konnten treten, aber nur einer musste lenken", erklärt er die Konstruktion.

Auf die Idee, sich damit bei Jugend forscht zu bewerben, brachte ihn seine Mutter. "Die Resonanz auf meine Erfindung hat mich überrascht. Scheinbar war ein Alltagsgegenstand wie das Fahrrad eine nette Abwechslung zu den anderen Erfindungen", sagt Hase. Mit seinem Dreirad gewann er 1989 den Bundeswettbewerb.

Nach dem Abitur und Zivildienst begann Hase eine Ausbildung zum Feinmechaniker und gründete eine Firma. Heute, fast 20 Jahre später, hat er 40 Mitarbeiter und produziert vor allem Spezialräder. Das Jugend-forscht-Rad ist allerdings nicht dabei.

Gisela Anton, Physik-Professorin

1975 stand Gisela Anton kurz vor dem Abitur, da riet ihr ein Physiklehrer, sie solle an dem damals noch unbekannten Wettbewerb namens Jugend forscht teilnehmen. Auf ein Thema stieß sie damals durch eine Beobachtung im Alltag. "Ich habe mich gefragt, warum schwere Holzbalken mit einer Kante aus dem Wasser schauen, während leichte mit einer flachen Seite oben im Wasser schwimmen." Für die Erklärung dieses Phänomens wurde sie mit dem Bundessieg belohnt.

Auf ihre Entscheidung für ein Physikstudium hatte dieser Erfolg allerdings keinen großen Einfluss; die Wahl hatte Anton schon viel früher getroffen. Nach dem Studium gründete Anton in Erlangen das Schülerforschungszentrum für Bayern. Dort will sie Jugendlichen die Lust am Forschen näherbringen. "Neugier, Kreativität und Durchhaltevermögen – diese für die Wissenschaft wichtigen Eigenschaften kann man Schülern bei solchen Wettbewerben oder freien Forschungsprojekten besser vermitteln als in der Schule", sagt sie. Das Reproduzieren von Formeln sage nur wenig über Forschergeist aus.

Einen Gewinn ganz anderer Art machte Anton noch vor ihrem Bundessieg bei Jugend forscht. Bereits im Landesfinale lernte sie ihren heutigen Ehemann Frank Anton, ebenfalls Physiker, kennen.