AtomstreitDeutsche Banken kündigen Konten iranischer Studenten

Wer finanziert das iranische Atomprogramm? Deutsche Banken verdächtigen iranische Gaststudenten und kündigen vorsichtshalber ihre Konten. Von Vera Cornette von Vera Cornette

Seine EC-Karte sollte er nie wiedersehen. Eigentlich wollte Informatik-Student Armin Hadavand in einer Münchner Commerzbank-Filiale nur 40 Euro abheben. Doch der Automat behielt seine Karte. "Ich war geschockt und konnte mir das nicht erklären", sagt der 25-Jährige. Am nächsten Tag bekam Armin Hadavand einen Brief, in dem die Bank ihm mitteilte, sie werde sein Konto schließen. Ohne Begründung.

Dass die Kündigung etwas mit seinem Herkunftsland Iran zu tun haben könnte, darauf kam Hadavand erst, als er mit iranischen Kommilitonen darüber sprach. Sie hatten ähnliche Briefe erhalten – auch von anderen Geldinstituten wie der Deutschen Bank und der HypoVereinsbank. Und sie sind nicht die einzigen. Mehr als 2.000 vergleichbare Fälle bundesweit kennt Lutz Bucklitsch vom Verein für Flüchtlingshilfe Iran. "Mittlerweile ist das kein rein deutsches Problem mehr, auch in Österreich und Tschechien gab es solche Kontokündigungen", sagt Bucklitsch.

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Hadavand und andere iranischstämmige Studenten schrieben einen Brief an die Banken: Die Konten seien ohne Auffälligkeiten oder Unregelmäßigkeiten geführt worden – warum die Kündigung? Erklärungen bekamen sie nicht; die meisten Geldinstitute führten "geschäftspolitische Gründe" an. Lediglich die HypoVereinsbank berief sich auf die Resolution 1929 des UN-Sicherheitsrates, die wegen des iranischen Atomprogramms die meisten Geldgeschäfte mit dem Land verbietet.

Warum die Studenten verdächtigt werden

Solche "Geldgeschäfte" mit dem Iran führen Hadavand und seine Kommilitonen regelmäßig durch: Viele werden von ihren Familien finanziell unterstützt. "Ich finde es ungerecht, wie sich die Banken den iranischen Studenten gegenüber verhalten. Ich finanziere mit meinem Geld doch kein Atomprogramm", sagt Hadavand.

Ähnlich dachten wohl auch die Verfasser der Resolution des Sicherheitsrates. Geldströme von Einzelpersonen müssen Banken demnach nur überwachen, wenn ein konkreter Verdacht auf Geldwäsche besteht, oder es sich um Geld handeln könnte, das zur Finanzierung des iranischen Atomprogramms verwendet wird. Zudem gilt die Resolution bereits seit mehr als drei Jahren. Bislang hatte die Bank offenkundig keine Bedenken gegen das Konto von Armin Hadavand. Warum jetzt?

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    [...]

    Die gesamte Banken-Bande kann man sich eh schenken und solche maßnahemen schleiffen weiter das vertrauen der Menschen in die Banken.
    Jeder der klar denken kann kauft sich etwas Gold und verteil somit die Macht des kapitals von den heuschreckenbankern zu sich selbst.

    [...] Deutschland sollte sich an der wesentlich gesünderen Iranpolitik Österreichs orientieren und die amerikansichen Sanktionen heimlich umgehen. So wie die amerikaner selbst auch gerne machen wenn es um gute Geschäfte geht.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

    11 Leserempfehlungen
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    heute noch Gold ? *lach*

  2. "Hadavand hat nun ein Konto bei der Postbank. Auch dort gab es bereits Kündigungen, die vermutlich im Zusammenhang mit der Herkunft ihrer Inhaber standen."

    Nun ja, die Postbank ist ja auch ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank...

    6 Leserempfehlungen
  3. Hat überschießender oder vorauseilender Gehorsam schon jemals etwas Gutes gebracht?

    16 Leserempfehlungen
  4. 4. […]

    Entfernt. Die Redaktion/ls

    3 Leserempfehlungen
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    • Ego1
    • 24. Mai 2013 12:32 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Die Redaktion/ls

    • Lyaran
    • 24. Mai 2013 12:15 Uhr

    Also unschuldigen wird aufgrund ihres Geburtslandes ein Konto verwehrt? Ist das jetzt Rassismus? Auf jeden Fall ist es eine Schande. Eine vollständige Liste aller teilnehmenden Banken wäre schön. Dann weiss man woran man ist und kann Konsequnezen ziehen.

    27 Leserempfehlungen
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    > Eine vollständige Liste aller teilnehmenden Banken wäre schön.

    Allerdings. Dann würde ich (als deutscher und aus Solidarität) sofort alle Konten auflösen, die ich bei diesen Banken noch habe. Kann ja nicht angehen dieser Quatsch.
    Ich hoffe nur dass die VR Banken nicht dazu gehören.

  5. Was für Geldgeschäfte sind gemeint? Es ist zurzeit nicht möglich Geld von einem deutschen Konto auf ein Konto in den Iran zu überweisen.

    2 Leserempfehlungen
    • Ruflus
    • 24. Mai 2013 12:29 Uhr

    der deutschen Banken um Goldmann&Sachs gnädig zu stimmen ist
    vergebliche Liebesmüh. Goldmann&Sachs wettet seit letzter Woche
    auch gegen die wahabitische Söldnerarmee in Syrien. Geld stinkt nicht.

    Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

    7 Leserempfehlungen
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    Wenn ich mir die Kommentare so anschaue, dann bekommt man wirklich Angst, ob auf diese Weise eine halbwegs vernünftige Diskussion überhaupt noch möglich ist. Zugegegeben, als Mensch der in einer Bank/Sparkasse (für viele nur noch Bankster etc.) arbeitet, hat man leider etwas Ahnung von der Sache. Bei vielen verhält es sich leider umgekehrt porportional: Je weniger Ahnung, desto heftiger das Vorurteil. Wer schon einmal mit der echten Organisation des GwG, Prüfungen seitens der Aufsichtsbehörden zu tun hatte, der kann bei solchen Wissens- und Meinungsäußerungen nur noch den Kopf schütteln. Konkret: Die Prüfungen/Auflagen bei Embargo und Geldwäscheverdacht sind immens und i.d.R. relativ vage. Das Risiko von Managment und (kleinem) MitarbeiterIn ist bei (fahrlässigen) Verstössen teilweise monströs. Liest man dann all die Expertenmeinungen ist man fasst schon versucht, resigniert aufzugeben. Manchmal beginnt die Unfreiheit in der absoluten Freiheit (auch der Freiheit von Wissen).

    Was sollen bitte "Deutsche Banken um Goldman Sachs" sein? G S ist ein US-amerikanisches Unternehmen, ganz sicher keine deutsche Bank.
    Die einzige Beziehung, die GS mit der Deutschen Bank hat, ist die Konkurrenz der beiden z. B. auf dem Gebiet des Investment banking.

    Ach so, verstehe: eigentlich hätten Sie statt Goldman Sachs ja lieber "Internationales Finanzjudentum" geschrieben, aber das wäre ja so offensichtlich daß sogar die Redaktion den Antisemitismus bemerkt hätte. Da mußte es als Ersatz ein ausländisches Finanzinstitut mit passendem Namen tun.

  6. > Eine vollständige Liste aller teilnehmenden Banken wäre schön.

    Allerdings. Dann würde ich (als deutscher und aus Solidarität) sofort alle Konten auflösen, die ich bei diesen Banken noch habe. Kann ja nicht angehen dieser Quatsch.
    Ich hoffe nur dass die VR Banken nicht dazu gehören.

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  • Schlagworte Commerzbank | HypoVereinsbank | Atomprogramm | Geldwäsche | Iran | Postbank
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