StudentenfragenWie finanziere ich mein Auslandssemester?

Viele Studenten träumen davon, ein Semester im Ausland zu verbringen. ZEIT ONLINE gibt Tipps, wie es sich finanzieren lässt. von Julian Kirchherr

"Ich möchte gerne für ein Semester ins Ausland. Wie finanziere ich das?", fragt die Politologie-Studentin Jessica Frömbgen.  

Liebe Jessica Frömbgen,

wenn es Sie ins EU-Ausland zieht, sollten Sie sich das Erasmus-Programm anschauen. Erasmus-Stipendien werden direkt von Ihrer Hochschule vergeben. "Sie müssen zunächst gucken, ob Ihre Universität am Programm teilnimmt, und dann eine Partneruniversität Ihrer Hochschule finden, die Ihnen gefällt", sagt Ruth Plümer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

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Die Erasmus-Förderdauer beträgt zwischen drei und zwölf Monaten. In dieser Zeit erhält man bis zu 300 Euro pro Monat. Gewöhnlich werden Stipendiaten von den Studiengebühren an der Gasthochschule befreit. Das Programm bezuschusst auch Praktika im EU-Ausland mit bis zu 400 Euro pro Monat.

Wer in die weite Welt möchte, sollte sich über das DAAD-Programm PROMOS informieren, das seit 2010 besteht. "Erkundigen Sie sich beim Akademischen Auslandsamt Ihrer Universität, ob diese am Programm teilnimmt, und bewerben Sie sich dann dort", rät Plümer. Die maximale Förderdauer beträgt sechs Monate.

Für längere Auslandsaufenthalte vergibt der DAAD außerdem eine Reihe von Stipendien. Die DAAD-Stipendiendatenbank bietet einen Überblick. Die Höhe der Förderraten und die Erstattung von Studiengebühren bei PROMOS und weiteren DAAD-Stipendien ist abhängig vom Zielland.

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Auch ein Stipendium bei einem der zwölf großen Begabtenförderungswerke kann das Auslandssemester finanzieren. "Sie erhalten von uns auf Antrag Reisekosten und monatliche Pauschalen zur Abdeckung der Lebenshaltungskosten", sagt Kathleen Klotchkov von der Friedrich-Naumann-Stiftung. Studiengebühren werden anteilig bis zu 10.000 Euro erstattet.

Bafög-Berechtigte können auf Auslands-Bafög hoffen, das allerdings mindestens sechs Monate im Voraus beantragt werden muss. Die Förderhöhe variiert je nach Land. Auch Studiengebühren werden über das Auslands-Bafög bis zu 4.600 Euro erstattet. Dieser Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden.

Wer in den letzten 24 Monaten seines Studiums steckt, kann außerdem einen Bildungskredit beantragen. Das Bundesverwaltungsamt verleiht maximal 7.200 Euro für einen effektiven Jahreszins von 1,33 Prozent. Der Kredit ist unabhängig vom eigenen Einkommen und vom Einkommen der Eltern. Über 40.000 Studenten haben diese Möglichkeit im Jahr 2012 genutzt.

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Leserkommentare
  1. Die (erschreckend uninformierte) Frage von Jessica F. könnte (überspitzt) auch lauten: Wie spare/verdiene ich möglichst viel durch ein Auslandssemester?

    Bei Zwischenvermietung des eigenen Zimmers für einen Erasmus-Aufenthalt fallen außer An- und Abreise ja gar nicht zwingend zusätzliche Kosten an, somit gibt es das Erasmusgeld schon mal obenauf für außercurriculare Aktivitäten am Zielort oder höhere Lebenshaltungskosten je nach Auslandswunsch.

    Kombiniert mit (hier nicht erwähnten) Programmen z. B. für bestimmte Regionen wie Osteuropa oder Firmenstipendien besteht die Chance, ein zusätzliches Stipendium und einen Sprachkurs zu erhalten, außerdem (je nach Uni) die Möglichkeit, ein Forschungsprojekt im Ausland durchzuführen mit der Übernahme von Fahrtkosten/Unterkunft und forschungsbezogenen Ausgaben.

    Ergänzt durch die erwähnten Übernahme von Studiengebühren, BAFöG-Zuschüsse und natürlich dem Jackpot des Förderwerks ein schöner Ersatz für Nebenjobs beim Studium daheim bzw. die Möglichkeit, deutlich günstiger Zeit an einer renommierten Uni im Ausland zu kommen als lokale Studenten.

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    • mcking
    • 02. Mai 2013 14:08 Uhr

    Ein Auslandssemester kostet m.E. in der EU gleich viel wie in Deutschland.
    Das haelt sich wirklich die wage. Ein Problem der Finanzierung sehe ich nicht!

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    wo sie hinwollen. In Finnland haben Sie um einiges höhere Lebenshaltungskosten, das macht sich schon bemerkbar.

    Erasmus ist eine nette Sache, jedoch auch nur ein besseres Taschengeld (110 Euro pro Monat ist z.B. für Finnland ein Witz).

    Ich geh im September nach Dublin - ein Zimmer im Studentenwohnheim kostet zwischen 680 und 780 EUR.

    Und wo bitte bekommt man 300 EUR Erasmus Geld? Ich lach mich ja schief!

  2. wo sie hinwollen. In Finnland haben Sie um einiges höhere Lebenshaltungskosten, das macht sich schon bemerkbar.

    Erasmus ist eine nette Sache, jedoch auch nur ein besseres Taschengeld (110 Euro pro Monat ist z.B. für Finnland ein Witz).

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    Antwort auf "Teuerer?"
    • L0rdi
    • 02. Mai 2013 14:33 Uhr

    Ich frage mich bei den ersten Kommentatoren, wie man seine eigenen Erfahrungen oder seinen partiellen Blick auf die Welt so verallgemeinern kann. Natürlich kann man in manchen Ländern ein Plus machen, allgemeingültig ist das jedoch sicher nicht, es gibt Länder und Städte mit höheren Lebenshaltungskosten in der EU, insofern kann die Finanzierungsfrage durchaus berechtigt sein.

    Eine Korrektur am Artikel:
    "Gewöhnlich werden Stipendiaten von den Studiengebühren an der Gasthochschule befreit." Dies ist nach den Erasmusrichtlinien zumindest laut meiner Koordinatorin vorgeschrieben. Insofern ist das nicht gewöhnlich, sondern wenn alles mit rechten Dingen vor sich geht ...

  3. Genauso wie man sein Studium zuhause finanziert, Eltern oder BAföG + eventuell Job. Bei Erasmus gibt's sogar noch ein paar hunderter oben drauf.

    Will man ganz weit weg in exotische Gebiete (Australien, USA, China ...), wird's halt etwas teuer.

    • dth90
    • 03. Mai 2013 10:46 Uhr

    ist noch vergleichsweise leicht zu finanzieren. Dafür gibt es die im Artikel erwähnten Möglichkeiten und bei entsprechenden Uni-Partnerschaften zahlt man noch nicht mal Studiengebühren. Ein vollständiges Studium im Ausland (zum Beispiel den Master) ist hingegen viel schwieriger zu finanzieren, kann aber durchaus sinnvoll sein, wenn in Deutschland entsprechende Studienprogramme nicht oder nicht in hoher Qualität angeboten werden.
    Hier ist Deutschland mit seinen Fördermöglichkeiten hintendran - nicht einmal einen KfW-Bildungskredit bekommt man für ein Vollstudium im Ausland. Und um ein DAAD Stipendium muss man sich schon ein Jahr vor Beginn des Studiums bemühen, zu einem Zeitpunkt an dem man noch nicht weiß, ob man überhaupt für das Studium angenommen wird. Ich sage nicht, dass der Staat ein mitunter teures Auslandsstudium komplett finanzieren sollte, aber wenigstens einen Kredit mit bezahlbaren Zinsen für solch eine sinnvolle Investition anbieten, das könnte er.

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    Es gibt Auslandsbafög, für das die Verdienstschwelle der Eltern sogar noch höher liegt und das insgesamt höher ist. Wo hinkt Dtl. hier hinterher?

  4. Es gibt Auslandsbafög, für das die Verdienstschwelle der Eltern sogar noch höher liegt und das insgesamt höher ist. Wo hinkt Dtl. hier hinterher?

    Antwort auf "Ein Auslandssemester"
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    Sie haben den Kommentar "Ein Auslandssemester" nicht richtig gelesen. Es geht nicht um Bafög für ein oder zwei Auslandssemester, sondern um die Möglichkeit, einen günstigen Kredit für ein komplettes Auslandsstudium zu bekommen. Es gibt nämlich im Ausland zahlreiche Studiengänge, die man in Deutschland nicht findet. Und für dieses Studium bekommt man weder Bafög noch DAAD-Förderungen, noch günstige Kredite.

    • dth90
    • 03. Mai 2013 22:14 Uhr

    befinden sich in Großbritannien und den Vereinigten Staaten, Länder die ihre Studiengebühren liberalisiert haben und wo man für ein Studienjahr gut und gerne zwischen 10 000 und 40 000 Euro bezahlt. Da kommt man mit dem Auslandsbafög nicht weit, auch wenn das Einkommen der Eltern bei Weitem nicht ausreicht, um die Studiengebühren zu bezahlen. Beide Länder bieten jedoch Studienkreditprogramme oder entsprechende Stipendien für Studenten ihrer eigenen Länder an, die es ermöglichen das Studium selbst zu finanzieren. Natürlich kann man mit der Studiengebührpolitik jener Länder nich einverstanden sein, aber wenn Deutschland von den exzellenten Ausbildungsmöglichkeiten profitieren und in bestimmten Fächern international mithalten will, dann lohnt es sich, entsprechende Kredite zu bezahlbaren Konditionen anzubieten.

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    Zumindest im UK sind die Studiengebühren kein Grund nicht zu studieren - sie werden erst nach dem Studienabschluss abbezahlt und auch nur, wenn das Einkommen über einer gewissen Schwelle liegt. Schottland hat für Schotten und EU-Bürger gar keine Studiengebühren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Auslandssemester | DAAD | Kredit | Liebe | Praktikum | Student
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