Die farblose Essenz riecht frisch und herb, nach einem Hauch Minze vielleicht? Falsch, zeigt ein Blick auf die Packung: Nach neun Ingredienzen duftet es, darunter Pampelmuse, Zedernholz und schwarzer Pfeffer.

"Wie CK one, nur etwas zitroniger", beschreibt Hannah Luedtke den Duft. Die 29-Jährige arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leuphana-Universität in Lüneburg und macht dort zudem ihren MBA in "Performance Management". Ein berufsbegleitender Studiengang, der angehenden Führungskräften Handwerkszeug aus Wirtschaft, Psychologie und Management vermittelt.

Im Modul "Konzepte und Methoden der Personalentwicklung" entstand die Idee, einen "Duft des Erfolgs" zu kreieren. Eine Duftexpertin war eingeladen, um über die Bedeutung und Nutzen von Düften im Alltag und in der Wirtschaft zu referieren.

Was Luedtke zuvor nicht wusste: Menschen werden täglich durch Düfte manipuliert. Mit Dosen, die kaum auffallen, aber unterbewusst ihre Wirkung entfalten. Reisebüros etwa verströmen Kokosaromen fürs Urlaubsfeeling; Großflughäfen wie etwa der in Frankurt/Main setzen dagegen auf Lavendel, um gestresste Passagiere in den Gängen zwischen Terminal und Gate zu beruhigen. Auch Hotelketten lassen sich einen Corporate Scent mixen, "zur Markenbildung – damit es beim Betreten des Foyers immer gleich riecht, egal, ob das Haus in Düsseldorf oder Moskau steht", sagt Torben Gefken.

Der 27 Jahre alte Pressesprecher der Agenturgruppe Fischer Appelt ist ein Kommilitone von Hannah Luedtke und hat von Berufs wegen Erfahrung mit Werbung. Doch auch für ihn als Marketing-Experten sei neu gewesen, was die Hamburger Duftexpertin Emmanuelle Pagès während des zweitägigen Parfüm-Projekts präsentierte. So hatte Pagès ein Materialkästchen mit Phiolen dabei, an denen die MBA-Absolventen selbst schnuppern sollten: Was riecht blumig oder weiblich, was eher männlich und markant? Und welche Wirkung erzielt welcher Duft?

Der Grund ist simpel: Beziehungen gehen durch die Nase. Wenn der Personalchef seine Bewerber als zielstrebig und tough oder eher weich und wenig durchsetzungsfähig einschätzt, hängt das – neben Aussehen und Auftreten – auch vom Geruch ab. "Wer erfolgreich sein will, muss diese Hebel kennen und einsetzen", sagt die Leiterin des Leuphana-Instituts für Performance Management, Sabine Remdisch. Konkret heißt das: Männlich assoziierte Ingredienzen wie etwa Sandelholz verwenden, denn die werden mit einer größeren Führungskompetenz verbunden. Oder, wie Werber Gefken es formuliert: "Wenn ich eine Frau wäre, würde ich mir gut überlegen, ob ich im Job weiterhin einen lieblichen Vanille-Duft auftrage."

Aus dem Seminar heraus entstand die Idee, ein Parfüm zum Studiengang zu kreieren. Die Absolventen überlegten gemeinsam mit Pagès, welche Inhaltsstoffe erfolgsversprechend duften. Die Expertin setzte die Ideen um. So entstand "P" – der Name steht für "Personality, Performance, Potential". Ein Unisex-Eau de Parfum, schließlich sollen alle was davon haben. Theoretisch. Praktisch findet Torben Gefken zwar, dass "P" eine "charmante Idee" sei; er selbst bleibt aber lieber bei dem Duft, den er schon seit Jahren trägt.