Stiftung Maximilianeum : Ein Wohnheim für die größten Streber Bayerns

Neben dem bayerischen Landtag steht ein Wohnheim für die junge Elite. Nur die besten sieben Einserabiturienten eines Jahrgangs dürfen hier einziehen. Von Philipp Alvares
Der bayerische Landtag in München © Peter Kneffel/dpa

Felix Liebrich mag das E-Wort nicht. "Elite", das ist für ihn bloß ein Stempel, eine Zuschreibung von außen. Er wünscht sich, dass die Leute unvoreingenommen auf ihn zugehen. "Ich genieße ein Privileg, legitimiert durch mein Abitur", sagt der 22-Jährige, "deswegen gehöre ich aber noch lange keiner Elite an."

Felix sitzt zusammen mit seinem Mitbewohner Sven Wang im Musiksaal der Münchner Stiftung Maximilianeum, die in einem schlossähnlichen Prunkbau aus dem 19. Jahrhundert residiert. Felix und Sven studieren Mathematik. Zwei Flügel stehen in dem großen Saal, von einem großen Gemälde schaut Maximilian II., König von Bayern, auf die beiden herab. 50 Studenten wohnen hier in diesem exklusiven Wohnheim auf dem Gelände des bayerischen Landtags.

Das Maximilianeum hat den Ruf einer Elitenschmiede – seit 1852. Die CSU-Legende Franz Josef Strauß und der Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg verbrachten hier ihre Studienzeit. Aufgenommen werden nur 1,0-Abiturieten. Wer "Maximer" werden will, muss sich zusätzlich in zwei Prüfungen im Kultusministerium beweisen. Nur rund sieben der 350 bayerischen Einserabiturienten bestehen sie. Das Stipendium kann ihnen dann nicht wieder genommen werden, bis zum Master oder Staatsexamen dürfen sie bleiben.

Felix, braune Locken auf dem Kopf und Harry-Potter-Brille auf der Nase, hat von der Stiftung im Buch "Gestatten: Elite" gelesen, damals ging er noch zur Schule. Die Journalistin Julia Friedrichs verfolgt darin den Weg der "Mächtigen von morgen". 2008, als das Buch erschien, war das E-Wort überall: Elite-Universitäten, Elite-Schulen, alles musste exzellent sein. Nach der Lektüre bat Felix seinen Schulleiter, ihn für das Auswahlverfahren des Maximilianeums vorzuschlagen. Er betont, ein ganz normaler Student zu sein, doch er spricht auffallend distinguiert. "Ab und zu ist es wichtig den Fuß in die real existierende Welt zu setzen", sagt Felix, "sonst vergisst man womöglich, dass die Umstände hier etwas ganz Besonderes sind."

Sven, der Mitbewohner von Felix, sagt, er habe für die Prüfungen im Ministerium kaum lernen können, da er am Tag zuvor ein Klavierkonzert gegeben hatte. Überdurchschnittlich diszipliniert sei er ebenfalls nicht. In T-Shirt und Shorts lehnt er entspannt in einem der großen Sofas im Musiksaal. Sven ist im letzten Herbst hier eingezogen. Er hat eine Klasse übersprungen und konnte sich dank G8 und freiwilligem Wehrdienst schon mit 17 Jahren an der Uni einschreiben. "Man lernt hier viele Gleichgesinnte kennen", sagt er. Konkurrenz untereinander spiele kaum eine Rolle, man finde schnell Freunde. Viele hier seien an mehr interessiert als nur ihrem Studienfach. Sven und Felix musizieren zum Beispiel regelmäßig zusammen, Sven am Klavier, Felix spielt Cello. "Wo gibt es das schon? Das ist alles andere als selbstverständlich", sagt Felix.

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Kommentare

161 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

Parallelgesellschaft!

- wie soll die denn sonst aussehen außer in einem Schloss zu leben...? ich glaube ja, dass kein allzu übertriebener Luxus praktiziert wird und dass das Einkommen der Eltern nicht entscheidend ist, darum geht's nicht! Es ist eben auch etwas wert, einmal in einem ganz normalen Studentenwohnheim gelebt zu haben, in dem man sich alles teilen, über Krach, Putzen und sonstwas diskutieren und das Essen allein machen muss. Menschenkenntnis ist auch viel wert... Die Studenten würden "draußen" im normalen Leben deutlich breiter gefächert lernen, gerade auch im sozialen Bereich, und das Schloss ließe sich immer noch für Seminare, Konzerte und andere Veranstaltungen nutzen. So könnte man auch viel mehr Leute fördern - so wenige sind es nämlich nicht, die das nötig und verdient hätten.
Wenn man seine "Papierform" in greifbare Ergebnisse umsetzen möchte, muss man irgendwann lernen, mit allen möglichen Menschen vernünftig und respektvoll umzugehen; das funktioniert nicht, wenn man permanent im eigenen Saft und noch dazu angehalten wird, sich für etwas Besseres zu halten.
Viel Verstand ist etwas Wunderbares... aber es bringt nichts, nur seine Testergebnisse auf dem Papier zu optimieren. Spätestens nach dem Studium geht es ums Ergebnis, und das erreicht man mit kompliziertem Denken nicht immer besser als jemand, der einfach den schnellsten Weg nimmt... Da muss man dann auf Augenhöhe diskutieren können, was gerade angebracht ist, ohne das Gegenüber zu beleidigen.

Siezen/Duzen in Foren

"in Foren halte ich das für einen generellen Ausdruck von Respektlosigkeit, da man sich wirklich gar nicht kennt"

Ich bin zwar nicht der Adressierte, aber diesen Satz kann ich so nicht unkommentiert stehen lassen. In so gut wie allen Internetforen wurde und wird geduzt und nicht gesiezt, und das hat rein gar nichts mit Respektlosigkeit zu tun, sondern damit dass in Internetforen von Beginn an dass 'Du' benutzt wurde; wohl auch deshalb, weil es sich ursprünglich fast nur um Studenten und Akademiker handelte. Die Foren von Magazinen/Zeitungen wie SPIEGEL und ZEIT sind die absolute Ausnahme was diese Regel angeht. Nur jemand der kaum im Internet herumkommt kann davon nicht wissen.

Anmerkung: Wir bitten alle User wieder zurück zum eigentlich Thema zu gelangen. Danke, die Redaktion/se

Intelligenzförderung

wenn ich den Kommentar des Kollegen interpretieren darf:

Die Leistung ist natürlich gleichwertig, vielleicht die des Fleißigen noch höher einzustufen, aber die Intelligenz oder die Geistigen Fähigkeiten allgemein korrelieren eben nicht immer mit den Noten. Ich glaube das wollte der Kommentar zum Ausdruck bringen. Wenn man eben nun die Punkte durch die Stunden Teilen würde wäre zu sehen wer mit wie viel Aufwand welche Note erreicht. Da müsste man, nach dieser einfachen Rechnung, den der mit wenig aufwand am meisten Erreicht hat als besten einstufeen.