StudentenfragenWie bekomme ich Bafög?

Rund ein Viertel aller Studenten in Deutschland erhält Geld vom Staat. ZEIT ONLINE erklärt, wer gefördert wird und was man beim Antrag beachten muss. von Julian Kirchherr

"Im Herbst fange ich mit dem Studium an. Was muss ich beim Bafög-Antrag beachten?", fragt die Abiturientin Susanne Kempa. 

Liebe Susanne Kempa,

den Bafög-Antrag können Sie auf der Webseite des Bildungsministeriums herunterladen. Sobald Sie das Dokument ausgefüllt und alle weiteren Nachweise – zum Beispiel Belege zum Einkommen der Eltern und den Immatrikulationsbescheid – zusammengestellt haben, reichen Sie den Antrag beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung ein.

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Man sollte den Bafög-Antrag grundsätzlich so früh wie möglich stellen, denn die Bearbeitung kann gerade zu Semesterbeginn mehrere Monate in Anspruch nehmen. Sollten Sie das Geld nicht rechtzeitig erhalten, gibt es die Möglichkeit, die Wartezeit mit überbrückender Sozialhilfe, einem Darlehen des Studentenwerks oder Vorschusszahlungen des Bafög-Amts zu finanzieren.  

Der Bafög-Anspruch entsteht außerdem erst mit der Antragsstellung. Wer beim Ausfüllen der Unterlagen trödelt, verschenkt also Geld. Wenn die Zeit knapp ist, genügt es, zu Studienbeginn einen formlosen Antrag zu stellen. Alles Weitere kann später eingereicht werden. Vergessen Sie außerdem nicht, dass Sie den Bafög-Antrag jedes Jahr erneut stellen müssen.  

Der Bafög-Höchstsatz liegt momentan bei 670 Euro pro Monat. Im Durchschnitt bekommen Studenten 452 Euro. Die Zuwendung bemisst sich nach dem eigenen Einkommen und Erspartem sowie den Einkünften der Eltern. Auch Geschwister in der Ausbildung oder das Mietniveau Ihrer Stadt wirken sich auf den Förderbetrag aus. Mittels eines Bafög-Rechners kann man errechnen, wie hoch der Bafög-Satz etwa sein wird.

Studentenfragen

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Bafög wird nicht nur Bachelor-, sondern auch Master-Studenten gewährt, sofern man das Master-Studium vor dem 35. Geburtstag aufnimmt. Wer außerhalb Deutschlands studieren will, kann außerdem Auslands-Bafög beantragen.

"Das Bafög lohnt sich für Studenten, weil rund die Hälfte als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt wird", sagt der Hochschulanwalt Christian Karaus. Die andere Hälfte ist ein zinsloses Darlehen, das man innerhalb von 20 Jahren nach Studienabschluss tilgen muss, allerdings höchstens 10.000 Euro.

Die Rückzahlung startet erst fünf Jahre nach dem Einstieg ins Berufsleben mit einer Mindestrate von 105 Euro pro Monat. Wer das Darlehen vorzeitig zurückzahlt, kann den entsprechenden Betrag allerdings um bis zu 50,5 Prozent reduzieren.

29 Prozent aller Studenten erhalten momentan Bafög. "Es ist der Schlüssel für mehr Chancengleichheit", sagt Dieter Timmermann, der Präsident des Deutschen Studentenwerks. Derzeit wird eine Reform diskutiert.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, ein schneller oder sehr guter Studienabschluss würde den fälligen Bafög-Darlehensbetrag reduzieren. Diese Regelung ist Ende 2012 ausgelaufen. 

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Leserkommentare
  1. auf Bafög.de gehen.

    • afu
    • 27. Juni 2013 19:56 Uhr

    Diese Regelung und auch die zum vorzeitigen Studienabschluss gibt es seit Anfang diesen Jahres nicht mehr. Das hätte man recherchieren können....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo afu,

    das stimmt. Mein Fehler. Sorry! Haben wir nun korrigiert.

    Viele Grüße
    Julian Kirchherr

  2. Warum sollte ich einen mühsam angesparten Bausparvertrag für das Studium aufgeben und somit sämtliche staatliche Wohnungsbauprämien zurückzahlen? Dann war ja der ganze Zweck des Bausparvertrages nutzlos.

    Diese Regelung ist doch lächerlich!

    2 Leserempfehlungen
  3. "Das Bafög lohnt sich für Studenten, weil rund die Hälfte als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt wird"

    Nehmen Sie so viel BaföG wie möglich, den Maximalbezug und nicht nur das was Sie brauchen. Es ist zinslos und man muss nur die Hälfte zurückzahlen. Legen Sie es auf ein Sparkonto oder in den Bausparvertrag, auch wenn die Zinsen im Moment niedrig sind. Nutzen Sie diese Förderung für den Vermögensaufbau, nicht versaufen gehen. So ein gutes Angebot gibt es nie wieder.

  4. "Die Rückzahlung startet erst fünf Jahre nach dem Einstieg ins Berufsleben mit einer Mindestrate von 105 Euro pro Monat. "

    Die Rückzahlung richtet sich allein nach der Förderungshöchstdauer, ob man direkt eine Arbeit gefunden hat spielt keine Rolle. Hat man den Bachelor-Abschluß in der Tasche, bekommt aber noch für den Master Bafög, zählen die 5 Jahre dennoch schon mit Ende des Bachelor. Ein Masterstudium schiebt die Rückzahlung nicht weiter nach hin. Promoviert man danach noch, hat man kaum eine Chance Geld anzusparen.

    Eine Leserempfehlung
  5. Hallo afu,

    das stimmt. Mein Fehler. Sorry! Haben wir nun korrigiert.

    Viele Grüße
    Julian Kirchherr

  6. Hallo Kitty Tur,

    da stimme ich Ihnen nicht ganz zu. Ob man einen Job findet oder nicht, wirkt sich schließlich durchaus auf die Rückzahlungsmodalitäten aus. Verdienen Sie etwa 1.070 EUR netto oder weniger pro Monat (höhere Raten, wenn verheiratet oder mit Kind), können Sie die Rückzahlungen stunden. Insofern startet die Rückzahlung de facto tatsächlich erst nach der erfolgreichen beruflichen Einfindungsphase - im Regelfall also rund fünf Jahre nach dem Berufseinstieg.

    Noch mehr Infos dazu: http://www.bafoeg-aktuell...

    Viele Grüße
    Julian Kirchherr

    • kelan
    • 04. Juli 2013 14:42 Uhr

    Ich stamme aus einer "Arbeiterfamilie" und zugleich sind meine Eltern getrenntlebend. Daraus resultiert beim Bafög oft eine soziale Benachteiligung.

    Sieht man andere Studierende, die mit dem oben angepriesenen Durchschnittsbafög ausgestattet werden, so siedelt sich mein Bafögsatz im unteren Drittel an. Grund hierfür ist, dass meine Eltern getrennt leben. Mein Vater hat wieder geheiratet - seine Frau ist arbeitslos (neudeutsch: Hausfrau) und erhält somit auf seinen angerechneten Zahlbetrag einen Freibetrag von knapp 1.000 Euro. Meine Mutter wird eine Eigentumswohnung mit monatlichen Belastungen als "mietfreies Wohnen" angerechnet. So kommt es auch dazu, dass mein Vater viel weniger - bei höherem Verdienst - zahlen muss als meine Mutter - bei geringerem Verdienst. Obwohl ich ausgezogen bin und eine Miete zahle würde ich ohne die Unterstützung meiner Mutter überhaupt nicht studieren können.

    Bafög sind knapp 270 Euro (das reicht nichtmal für die Miete).

    Studienkollegen haben dafür verheiratete Eltern mit knappen Monatseinkommen von rund 4.000 Euro netto und schaffens trotzdem irgendwie ein Bafög von 450 Euro oder mehr zu kriegen.

    Danke Deutschland, dass du es uns so schwer machst.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bachelor | Darlehen | Einkommen | Eltern | Euro | Geschwister
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