Beste Jobaussichten dank Studienabbruch: In Unterfranken können ehemalige Studenten in drei Jahren Handwerksmeister werden. Wenn da nur nicht das frühe Aufstehen wäre.

Auf einem Weinberg hoch über Würzburg entschied Patrick Völker, sein Studium hinzuschmeißen. Mit einem Vermessungsgerät stand der heute 22-Jährige an einem grauen Novembertag zwischen braunen Rebstöcken im Schlamm und erkannte, dass ihn einen Leben als Vermessungsingenieur nicht glücklich machen würde.

Heute kann Patrick über seine gut zwei Semester Studium lachen. Über die ungefähr hundert Male, die er und seine Kommilitonen den Würzburger Stadtpark vermessen mussten "und bei jedem eine andere Karte rauskam". Die Prüfungen waren nicht das Problem, die bestand der junge Mann mit dem braunen, buschigen Kinnbart ganz ordentlich. "Aber die Sinnfrage, die konnte ich nicht mehr beantworten."

Sinn findet Patrick heute zum Beispiel in der Arbeit mit dem harten Ahornholz, die er zurzeit übt. Oder in den kleinen Unterschränken, die er kürzlich aus Spanplatten gebaut hat. Seit April 2012 wird der ehemalige Student im nahegelegenen Karlstadt zum Schreiner ausgebildet. Statt im Hörsaal zu sitzen, steht er nun an einer Sägemaschine, fährt eine daumendicke Holzplatte an das Sägeblatt und trägt die länglichen Quader, die vom Tisch herunterpurzeln, auf eine Arbeitsplatte. 

Patricks Werdegang ist in dem kleinen Betrieb höchst ungewöhnlich, unter den Azubis von Meister Konrad Horstmann ist er der einzige mit Abitur. 

Ein vergeudetes Talent? Kaum. Gemeinsam mit acht anderen Studienabbrechern bildet Patrick den Versuchsjahrgang des Projekts Studienanschluss statt Studienabbruch der Handwerkskammer Unterfranken. In dem Programm kann er nicht nur den Weg zur Gesellenprüfung von drei auf zwei Jahre verkürzen, sondern auch die Hälfte der Kurse absolvieren, die er braucht, um Meister seines Handwerks zu werden. Ein Jahr später schon könnte er den Meisterbrief in den Händen halten.