StudentenfragenWie kann ich mich gegen ungerechte Noten wehren?

Nicht jede Note muss kritiklos hingenommen werden. ZEIT ONLINE gibt Tipps, wie sich Studenten gegen unfaire Bewertungen wehren können. von Julian Kirchherr

"Ich finde, dass ich in einem meiner Kurse nicht fair bewertet worden bin. Wie kann ich die Note anfechten?", fragt die Sport-Studentin Melanie Straub.

Liebe Melanie Straub,

zunächst sollten Sie alle Unterlagen, die mit der Bewertung zusammenhängen, sammeln und sichern. "Durchstöbern Sie Ihr E-Mail-Postfach. Vielleicht gibt es dort Nachrichten vom Professor, der Vorab-Versionen Ihrer Arbeit lobte, die endgültige Version aber in der Luft zerriss", sagt die Hochschulanwältin Sibylle Schwarz. "Falls es um einen Plagiatsvorwurf geht, fischen Sie Ihre handgeschriebenen Notizzettel aus dem Mülleimer. Das kann wichtiges Beweismaterial sein."

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Sobald die Unterlagen zusammengestellt sind, sollte man zunächst ein Gespräch mit dem Professor führen. "Falls der Dozent an der ursprünglichen Bewertung festhält, sollten Sie bei den Prüfungsausschüssen Ihrer Hochschule eine Neubewertung oder Annullierung der Prüfungsergebnisse beantragen", sagt Erik Marquardt vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS).

Bei den Studierendenvertretungen gibt es außerdem oft spezielle Prüfungsberatungen. "Dort sollten Sie sich nach weiteren Möglichkeiten zur Anfechtung einer Note erkundigen, denn die Wege unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland", sagt Marquardt.

Eine weitere Möglichkeit ist, einen Anwalt hinzuzuziehen. Das kann aber schnell teuer werden. 250 Euro kostet eine unverbindliche Rechtsberatung. Muss ein Verfahren gegen die Hochschule geführt werden, zahlt man meist vierstellige Beträge. Die Anfechtung einer Bachelorarbeitsnote etwa kann bis zu 5.000 Euro kosten. Deshalb sollten Sie in solchen Fällen unbedingt um einen Kostenvoranschlag bitten.

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Wer wegen formellen Fehlern im Prüfungsablauf oder faktischer Bewertungsfehler vor Gericht zieht, hat allerdings gute Aussichten auf Erfolg. "Wenn der Dozent für die Prüfung weniger Zeit einräumt, als in der Prüfungsordnung vorgegeben ist, unterliegt das der vollen verwaltungsgerichtlichen Kontrolle", sagt der Hochschulanwalt Olaf Werner. Gleiches gelte, wenn fachlich Richtiges als falsch bewertet wird.

"Bei Klagen aufgrund von prüfungsspezifischen Wertungen muss man allerdings aufpassen", warnt Werner. Der Schwierigkeitsgrad von Prüfungsaufgaben oder die Gewichtung der Aufgaben zueinander unterliege zum Beispiel fast vollständig dem Beurteilungsspielraum des Dozenten.

Anfechtungsfristen unterscheiden sich je nach Hochschule und Studiengang. Wer eine Note als unfair empfindet, sollte deshalb vorsichtshalber so schnell wie möglich Beschwerde einlegen. Wenn die Hochschule Sie mit einem offiziellen Schreiben informiert, dass Sie einen Studiengang endgültig nicht bestanden haben, muss im Regelfall innerhalb von vier Wochen gehandelt werden. Formelle Fehler müssen meistens unmittelbar angezeigt werden.

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Leserkommentare
  1. Beachten Sie den Unterschied zwischen "Ich habe eine Eins geschafft" und "Der Lehrer hat mir eine Fünf gegeben." -- Niemals umgekehrt.

    7 Leserempfehlungen
  2. Direkt nach der Note fragen, ob man eine fünf haben kann, damit man die Prüfung nochmal ablegen kann.

    sonst im Nachgang:
    1. genau für sich selbst herausarbeiten, warum etwas nicht fair war.
    2. prüfen, ob andere zum selben Schluss kommen, wenn sie den Fall ohne die eigene Brille geschildert bekommen.
    3. dem Professor offen sagen welches Kriterium dazu führte, dass man sich ungerecht behandelt fühlte
    4. gut zuhören, was er antwortet.

    90% der Beschwerden haben sich zu diesem Zeitpunkt schon erledigt.

    9 Leserempfehlungen
  3. Der Mann hat schon fertig studiert. Der hat schon optimale Note.
    Hoert auf zu denken, dass er eure Anerkennung braucht.

  4. bei kleineren Prüfungen sind es oftmals studentische Mitarbeiter, die die Korrekturen vornehmen (zumindest in naturwissenschaftlichen Fachbereichen). Da kann es oftmals helfen, mit jenen das persönliche Gespräch zu suchen, ohne den Umweg über den Professor - zumal studentischen Mitarbeitern oftmals auch schlicht die Sachkompetenz fehlt und sie erfahrungsgemäß häufig Fehler bei der Korretkur produzieren.

  5. Wir haben an unserem Lehrstuhl zwei Mal folgendes Seminar abgehalten: Wir ließen Studenten einen Stuhl selbst entwerfen und bauen. Wir sind ein Konstruktionslehrstuhl und haben die Stühle folglich neben Gesichtspunkten wie Ästhetik, Funktionalität/Bequemlichkeit und Originalität (falls es so etwas im Möbelau überhaupt noch gibt) auch nach ihrer Konstruktion bewertet. Anschließend ließen wir eine Jury bestehend aus Tischlern, Künstlern und Architekten die besten Stühle auswählen, ohne das diese die durch uns vorher gemachten Noten kannten. In beiden Seminaren traten folgende Ergebnisse auf:

    In der Mehrzahl der Fälle wählte die Jury die gleichen Möbel aus, die auch wir für besonders gut hielten. Gleichzeitig wurden aber auch wenige Arbeiten, die wir für schlecht oder sogar für durchgefallen erachteten, ausgewählt. Mittelmäßige Arbeiten wurden durch die jeweiligen Jurys garnicht beachtet.

    Zusammengefasst habe ich für mich folgendes daraus abgeleitet: Manchmal ist man zu einer "radikalen" Arbeit zu hart oder man denkt zu sehr in seinen vorgefertigten Mustern und sollte sich daher stets um Offenheit bemühen. Ich habe aber auch gelernt: Eine wirklich mittelmäßige Arbeit bleibt immer mittelmäßig; da helfen auch keine Dritt- oder Viertkorrekturen.

    Eine Leserempfehlung
  6. "Empfehlungen" und des "Gefällt mir" ist es natürlich schwer, damit klarzukommen, wenn es mal ernst wird.
    Das hat mittlerweile jahrgangsmäßig in voller Breite die meisten unter 30 infiziert. Da bekommen viele ein mentales Problem, wenn eine mäßige Leistung mal als genau das bewertet wird.
    Statt es besser machen zu wollen, fragt man dann, wie man sich wehren kann, die schulnoten wurden auf Intervention vom Papa und Mama ja auch nachgebessert, blöd nur, dass man die Option als erwachsener Student nicht mehr hat.

    So fehlt im Ratschlag auch völlig Schritt ein: Vergewissern Sie sich, dass Ihr Eindruck, unfair bewertet worden zu sein, auch objektiv ist. "Ich finde" ist jedenfalls schon mal ein ziemlich schwaches "Argument", ja geradezu kindlich..

    4 Leserempfehlungen
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    • F.K.
    • 12. Juli 2013 9:28 Uhr

    dass es eigentlich nur noch um das "sich Wehren" oder wenn ich es mal anders ausdrücke, um das prinzipielle Ergattern von guten Noten geht, möchte ich voll unterstreichen. Leider wird dies den Kindern aber von klein an anerzogen. Es geht nicht mehr darum, zu akzeptieren, dass jemand, der sich auf einem Gebiet richtig reinhängt und auch gut ist, auf anderen Gebieten naturgemäß weniger gemacht hat. Einer meiner Kinder hat mal gesagt, er müsse zu Schuljahresende noch zu ein paar Themen (ich glaube, es war in Geschichte) etwas in seinen Hefter reinbringen, da kann man noch eine gute Note bekommen. Dann hat er zu den entsprechenden Themen die Wikipedia-Artikel gedruckt und eingeheftet. Ich habe dann geäußert, dass ich glaube, dass das damit gemeint war, sondern man sich mit dem Thema beschäftigen und dann in eigenen Worten erklärt. Also Antwort bekam ich, dass das schon OK ist. Später habe ich dann den Lehrer darauf angesprochen und gefragt, ob er da wirklich meinem Sohn eine gute Note drauf gegeben hat. Als Antwort bekam ich, dass er darauf eine gute Note geben muss, da sonst die Hälfte der Eltern bei ihm in der Sprechstunde ist, weil er den Fleiß der Sprösslinge nicht würdigt. Das Problem ist nur: Der Arbeitgeber nach dem Studium braucht niemanden mit auf die Weise erzielten guten Noten, sondern mit konkreten Kompetenzen. Und da Noten (zumindest die guten) nichts mehr über die Kompetenz der Absolventen aussagen, haben alle ein Problem.

    • riessm
    • 12. Juli 2013 10:01 Uhr

    Durch Artikel wie diesen, die erstmal unkritisch annehmen, dass eine subjektiv zu schlecht bewertete Leistung sicher anfechtungswürdig ist, sind Professoren und Assistenten an Unis mittlerweile länger mit dem Ausarbeiten von Begründungen als mit dem Generieren von Inhalten beschäftigt. Man kann leider von einem Studenten momentan keine auch nur halbwegs objektive Einschätzung seiner eigenen Leistung erwarten und sollte deswegen sehr vorsichtig sein, diesen fälschlicherweise von sich selbst überzeugten auch noch ständig vorzuhalten, wie sie sich "wehren" können.

    • F.K.
    • 12. Juli 2013 9:28 Uhr

    dass es eigentlich nur noch um das "sich Wehren" oder wenn ich es mal anders ausdrücke, um das prinzipielle Ergattern von guten Noten geht, möchte ich voll unterstreichen. Leider wird dies den Kindern aber von klein an anerzogen. Es geht nicht mehr darum, zu akzeptieren, dass jemand, der sich auf einem Gebiet richtig reinhängt und auch gut ist, auf anderen Gebieten naturgemäß weniger gemacht hat. Einer meiner Kinder hat mal gesagt, er müsse zu Schuljahresende noch zu ein paar Themen (ich glaube, es war in Geschichte) etwas in seinen Hefter reinbringen, da kann man noch eine gute Note bekommen. Dann hat er zu den entsprechenden Themen die Wikipedia-Artikel gedruckt und eingeheftet. Ich habe dann geäußert, dass ich glaube, dass das damit gemeint war, sondern man sich mit dem Thema beschäftigen und dann in eigenen Worten erklärt. Also Antwort bekam ich, dass das schon OK ist. Später habe ich dann den Lehrer darauf angesprochen und gefragt, ob er da wirklich meinem Sohn eine gute Note drauf gegeben hat. Als Antwort bekam ich, dass er darauf eine gute Note geben muss, da sonst die Hälfte der Eltern bei ihm in der Sprechstunde ist, weil er den Fleiß der Sprösslinge nicht würdigt. Das Problem ist nur: Der Arbeitgeber nach dem Studium braucht niemanden mit auf die Weise erzielten guten Noten, sondern mit konkreten Kompetenzen. Und da Noten (zumindest die guten) nichts mehr über die Kompetenz der Absolventen aussagen, haben alle ein Problem.

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    Das ist ja unglaublich. Naja, dann brauch ich mich jedenfalls nicht für mein "schlechtes" Abi zu schämen. Schade nur, dass der Lehrer nicht etwas mehr Rückgrat hat. Sind das eigentlich dieselben Mittelstandseltern, die fürchterlich besorgt darum sind, dass der Nachwuchs auf gar keinen Fall mit Pöbel und Migrationshintergrund in Berührung kommt? (Nicht missverstehen - ich meinte nicht Sie! Sie scheinen ja auch nicht zu diesen Eltern zu gehören.)

    • riessm
    • 12. Juli 2013 10:01 Uhr

    Durch Artikel wie diesen, die erstmal unkritisch annehmen, dass eine subjektiv zu schlecht bewertete Leistung sicher anfechtungswürdig ist, sind Professoren und Assistenten an Unis mittlerweile länger mit dem Ausarbeiten von Begründungen als mit dem Generieren von Inhalten beschäftigt. Man kann leider von einem Studenten momentan keine auch nur halbwegs objektive Einschätzung seiner eigenen Leistung erwarten und sollte deswegen sehr vorsichtig sein, diesen fälschlicherweise von sich selbst überzeugten auch noch ständig vorzuhalten, wie sie sich "wehren" können.

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  • Serie Studentenfragen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hochschule | Rechtsanwalt | Studiengang | Noten
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