Studentenfragen : Wie kann ich mich gegen ungerechte Noten wehren?

Nicht jede Note muss kritiklos hingenommen werden. ZEIT ONLINE gibt Tipps, wie sich Studenten gegen unfaire Bewertungen wehren können.

"Ich finde, dass ich in einem meiner Kurse nicht fair bewertet worden bin. Wie kann ich die Note anfechten?", fragt die Sport-Studentin Melanie Straub.

Liebe Melanie Straub,

zunächst sollten Sie alle Unterlagen, die mit der Bewertung zusammenhängen, sammeln und sichern. "Durchstöbern Sie Ihr E-Mail-Postfach. Vielleicht gibt es dort Nachrichten vom Professor, der Vorab-Versionen Ihrer Arbeit lobte, die endgültige Version aber in der Luft zerriss", sagt die Hochschulanwältin Sibylle Schwarz. "Falls es um einen Plagiatsvorwurf geht, fischen Sie Ihre handgeschriebenen Notizzettel aus dem Mülleimer. Das kann wichtiges Beweismaterial sein."

Sobald die Unterlagen zusammengestellt sind, sollte man zunächst ein Gespräch mit dem Professor führen. "Falls der Dozent an der ursprünglichen Bewertung festhält, sollten Sie bei den Prüfungsausschüssen Ihrer Hochschule eine Neubewertung oder Annullierung der Prüfungsergebnisse beantragen", sagt Erik Marquardt vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS).

Bei den Studierendenvertretungen gibt es außerdem oft spezielle Prüfungsberatungen. "Dort sollten Sie sich nach weiteren Möglichkeiten zur Anfechtung einer Note erkundigen, denn die Wege unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland", sagt Marquardt.

Eine weitere Möglichkeit ist, einen Anwalt hinzuzuziehen. Das kann aber schnell teuer werden. 250 Euro kostet eine unverbindliche Rechtsberatung. Muss ein Verfahren gegen die Hochschule geführt werden, zahlt man meist vierstellige Beträge. Die Anfechtung einer Bachelorarbeitsnote etwa kann bis zu 5.000 Euro kosten. Deshalb sollten Sie in solchen Fällen unbedingt um einen Kostenvoranschlag bitten.

Wer wegen formellen Fehlern im Prüfungsablauf oder faktischer Bewertungsfehler vor Gericht zieht, hat allerdings gute Aussichten auf Erfolg. "Wenn der Dozent für die Prüfung weniger Zeit einräumt, als in der Prüfungsordnung vorgegeben ist, unterliegt das der vollen verwaltungsgerichtlichen Kontrolle", sagt der Hochschulanwalt Olaf Werner. Gleiches gelte, wenn fachlich Richtiges als falsch bewertet wird.

"Bei Klagen aufgrund von prüfungsspezifischen Wertungen muss man allerdings aufpassen", warnt Werner. Der Schwierigkeitsgrad von Prüfungsaufgaben oder die Gewichtung der Aufgaben zueinander unterliege zum Beispiel fast vollständig dem Beurteilungsspielraum des Dozenten.

Anfechtungsfristen unterscheiden sich je nach Hochschule und Studiengang. Wer eine Note als unfair empfindet, sollte deshalb vorsichtshalber so schnell wie möglich Beschwerde einlegen. Wenn die Hochschule Sie mit einem offiziellen Schreiben informiert, dass Sie einen Studiengang endgültig nicht bestanden haben, muss im Regelfall innerhalb von vier Wochen gehandelt werden. Formelle Fehler müssen meistens unmittelbar angezeigt werden.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ein Level drunter -

bei kleineren Prüfungen sind es oftmals studentische Mitarbeiter, die die Korrekturen vornehmen (zumindest in naturwissenschaftlichen Fachbereichen). Da kann es oftmals helfen, mit jenen das persönliche Gespräch zu suchen, ohne den Umweg über den Professor - zumal studentischen Mitarbeitern oftmals auch schlicht die Sachkompetenz fehlt und sie erfahrungsgemäß häufig Fehler bei der Korretkur produzieren.